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Missstände bei Raststätten: Tank & Rast - das dunkle Autobahn-Imperium

"Team Wallraff" hat gravierende Missstände bei "Tank & Rast" aufgedeckt. Die Kette betreibt fast alle Autobahn-Raststätten in Deutschland - und profitiert immer noch mächtig von Staatsgeld.

Tank und Rast

Bloß keine Konkurrenz: Seit einiger Zeit kauft Tank & Rast auch Autohöfe abseits der Autobahn auf und betreibt sie unter dem Namen "Rosi's"

Dass Autobahn-Raststätten nichts für Feinschmecker sind, war den meisten Autofahrern auch bisher schon bewusst. Die Zustände, die das Team Wallraff von RTL aufdeckte, übertreffen aber die bösesten Ahnungen. Zwei Journalistinnen recherchierten über Monate undercover als Angestellte in Standorten des Unternehmens Tank & Rast, das nahezu alle deutschen Autobahn-Raststätten betreibt.

Sie fanden untragbare hygienische Zustände: Belegte Brötchen trockneten viel zu lang in der Auslage vor sich hin.  Kartoffelsalat vom Vortag wurde mit neuem verrührt. Und alter Wurstbelag wanderte nicht in den Müll, sondern wurde in einer Suppe wiederverwertet.

Tank & Rast hat sich am Dienstagmorgen zu den gezeigten Zuständen geäußert. Das Unternehmen gesteht "Qualitätsmängel an einzelnen Raststätten" ein und hat zusätzliche Kontrollen durchgeführt. "Es wurden unmittelbar Sofortmaßnahmen ergriffen, um festgestellte Mängel abzustellen und die Einhaltung der klaren Qualitätsstandards und Hygienevorgaben sicherzustellen. In vier Fällen wurden die betroffenen Pächter oder deren Verantwortliche von Tank & Rast abgemahnt", heißt es in der Stellungnahme.

Tank und Rast: Pächter unter Kostendruck

Auf Grundlage der eigenen Untersuchungen erklärt Tank & Rast, dass es sich bei den von Team Wallraff aufgedeckten Mängeln um Einzelfälle handelt. Der Verdacht liegt allerdings nahe, dass der Fehler im System liegt. Die Kette betreibt nur die wenigsten Raststätten selbst. Die meisten werden von eigenständigen Pächtern betrieben, auf die Tank und Rast unternehmerischen Druck ausübt.

25 Prozent ihres Umsatzes müssen die Pächter laut RTL an den Konzern abführen. Tank & Rast hat angekündigt, das Franchisemodell 2017 zu verändern und die Pächter noch enger an die Leine zu nehmen, um Qualitätsstandards zu gewährleisten. Am Kostendruck wird das aber wohl kaum etwas ändern. Aber woher kommt dieser Kostendruck eigentlich?

Vom Staatsbetrieb zum privaten Monopol

Bis in die 90er Jahre waren die Autobahnraststätten noch in staatlicher Hand. Im Zuge der Privatisierung übernahm die neugegründete Tank & Rast 1998 nahezu alle Standorte. Das Unternehmen betreibt heute 390 Raststätten und rund 350 Tankstellen an deutschen Autobahnen. Es ist damit ein Monopolist ohne nennenswerte Wettbewerber.

Lediglich Autohöfe, die etwas abseits der Autobahn liegen, werden von Konkurrenten betrieben. Die Preise für Snacks und Benzin sind hier oft wesentlich günstiger. Damit die Konkurrenz nicht zu groß wird, kauft Tank & Rast immer mehr dieser Autohöfe selbst auf und erhöht die Preise auf das eigene Niveau.

Spielball der Heuschrecken

Trotz der mehr als komfortablen Wettbewerbslage ist der Konzern enorm verschuldet. Der Grund: Das Raststätten-Imperium ist nach der Privatisierung zum Spielball von Heuschrecken geworden. Verschiedene Private-Equity-Firmen schoben sich das Unternehmen seit der Privatisierung für Kaufsummen oberhalb einer Milliarde Euro hin und her. Die Schulden wälzten sie auf Tank & Rast ab. Die Investoren machten ihren Schnitt und zogen weiter, die Schulden blieben.

Zuletzt kaufte 2015 ein Konsortium bestehend aus den Versicherern Allianz und Munich Re sowie dem kanadischen Pensionsfonds Omers und dem Staatsfonds von Abu Dhabi die Raststätten-Kette für 3,5 Milliarden Euro. Die Schulden von Tank & Rast liegen laut Manager Magazin bei 2,2 Milliarden Euro.

Staat investiert Millionen

Ein Unding ist all das vor allem vor dem Hintergrund, dass der Staat Tank & Rast nicht nur ein Quasi-Monopol übergeben hat, sondern weiterhin ordentlich Steuerkohle in die Infrastruktur steckt. Denn Tank & Rast baut nur die Gebäude und das unmittelbare Drumherum, den Rest bezahlt der Staat.

Allein in diesem Jahr flossen laut RTL 130 Millionen Euro Steuergelder in den Bau von Rastanlagen. Tank & Rast zahlt im Gegenzug rund drei Prozent des Umsatzes als Konzession an den Bund. 2014 erhielt der Staat dadurch gerade einmal 15 Millionen Euro.