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Telefonnetz: Milliardenfusion von Siemens und Nokia

Die Telekommunikationskonzerne Siemens und Nokia legen ihre Netzwerksparten zusammen. Damit erhoffen sich die beiden Branchenriesen Einsparungen von rund 1,5 Milliarden Euro - auch durch Jobabbau.

Siemens-Chef Klaus Kleinfeld ist bei der Umgestaltung des Technologiekonzerns ein großes Stück vorangekommen: Überraschend teilte Siemens am Montag in München mit, dass der Netzwerkbereich in ein gemeinsames Unternehmen mit dem finnischen Telekommunikationskonzern Nokia eingebracht wird. An dem Joint-Venture halten die Konzerne jeweils 50 Prozent, das Gemeinschaftsunternehmen wird mit derzeit 60.000 Beschäftigten knapp 16 Milliarden Euro Umsatz machen. Durch diese Fusion entsteht der drittgrößte Telekommunikations-Ausrüster der Welt. Nummer eins der Branche ist das Joint Venture von Lucent und Alcatel, gefolgt von Ericsson und Marconi.

6000 Arbeitsplätze fallen weg

Das gemeinsame Unternehmen wird Infrastruktur und Dienstleistungen für Fest- und Mobilfunknetze anbieten. Es soll unter dem Namen Nokia Siemens Networks firmieren und seinen Hauptsitz in Helsinki haben - und eine starke regionale Präsenz in München. Bis 2010 werde die Zusammenlegung einen Stellenabbau um 10 bis 15 Prozent bei der ursprünglich 60.000 Mitarbeiter zählenden Belegschaft nach sich ziehen. Dies müsse aber noch mit den Arbeitnehmervertretern abgestimmt werden. Dadurch sollen sich Synergieeffekte von rund 1,5 Milliarden Euro ergeben, die bis 2010 stufenweise erreicht werden sollen.

Der ausgelagerte Siemens-Bereich gehörte bislang zur Problemsparte Communications (Com), diese wird damit endgültig zerschlagen. Analysten beurteilten das Joint Venture positiv. "Siemens gibt das Signal, dass man sich für Bereiche, die nicht allein saniert werden können, einen Partner sucht", sagte ein Beobachter. Von Com als der umsatzstärksten Siemens-Sparte, die die Renditevorgaben Kleinfelds bislang nicht erreicht hat, bleibt nun nur noch das Enterprise-Networks-Geschäft (Unternehmenskommunikation per Internet) übrig.

Com meilenweit von Vorgaben entfernt

Bei der Vorlage der Halbjahreszahlen Ende April hatte Siemens für die Com-Sparte zunächst noch weitere Restrukturierungsbemühungen in Aussicht gestellt, allerdings nie andere Optionen wie beispielsweise einen Verkauf ausgeschlossen. Im ersten Halbjahr waren bei Com bereits 1500 Stellen abgebaut worden. Der Gewinn der Sparte brach gegenüber dem vorangegangenen Halbjahr um 75 Prozent auf 27 Millionen Euro ein.

Siemens-Chef Kleinfled hatte jedem Bereich unmittelbar nach seinem Dienstantritt im Januar vorigen Jahres Margenziele verordnet. Von Com erwartete er 8 bis 11 Prozent. Zum Halbjahr im März erreichte die Sparte aber lediglich 0,8 Prozent. In noch schlechterer Verfassung präsentierte sich lediglich der Bereich Siemens Business Services (SBS), die zweite großen Problemsparte.

DPA/AP / AP / DPA