TELEKOM 400 Millionen für Ron Sommer?


Der neue Aktienoptionsplan der Telekom ist eine gigantische Abzockerei: Während viele Anleger Geld verloren haben, kann der Vorstand bis zu zwei Milliarden Mark kassieren.

Harsche Kritik musste sich Telekom-Chef Ron Sommer in letzter Zeit häufiger anhören. So wurde der einstige Börsenstar von enttäuschten Kleinanlegern auf der Hauptversammlung Ende Mai arg gerupft. Und der Kurs der T-Aktie, der einst bei etwa 105 Euro stand, schwächelt weiter um die 25 Euro herum. Binnen Jahresfrist sind die Telekom-Aktionäre um mehr als 200 Milliarden Mark ärmer geworden.

Vorstand wurde brav entlastet

Doch den bösen Worten folgten keine Taten. So auch auf der Hauptversammlung: Trotz der gewaltigen Geldvernichtung wurde der Vorstand artig entlastet, und alle Punkte der Tagesordnung wurden mit großer Mehrheit gebilligt. Darunter Punkt 8, Haben Sie noch Vertrauen in Aktien? Erzählen Sie es im Wirtschaftsforum... der neue Aktienoptionsplan 2001. Diese Extravergütung, so die Telekom, diene vor allem zur »Bindung und Gewinnung exzellenter Führungskräfte«.

Reines Selbstbereicherungsprogramm

Erst bei näherem Hinsehen erweist sich Sommers kompliziert formulierter Plan vor allem als dies: ein kolossales Bereicherungsprogramm für den achtköpfigen Vorstand, der mit dem »Premium-Priced-Plan« genannten Programm, wenn?s mit dem Kurs einigermaßen gut läuft, mit Hunderten von Millionen Mark belohnt wird. »Das ist eine gigantische Abzockerei«, sagt Marc Tüngler, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. »Der Vorstand kann sich schon die Taschen voll stopfen, wenn die T-Aktie alte Kursniveaus erklimmt, bei denen viele Anleger erst wieder ihre Verluste wettmachen.«

Erfolgsprämie wofür?

Wer genau nachrechnet, sieht, wie lukrativ der Plan für Sommer & Co. ist. Bereits bei einer Kurssteigerung der T-Aktie binnen zehn Jahren auf 63,50 Euro, also auf das Kursniveau vom Juni 2000, ist der Telekom-Vorstand um etwa 340 Millionen Euro reicher. Das sind rund 650 Millionen Mark ? eine schöne Erfolgsprämie für die zuletzt eher glücklos agierenden T-Bosse. Schafft Sommer gar den alten Höchstkurs von 105 Euro, kassiert der Telekom-Vorstand mehr als eine Milliarde Euro, gut zwei Milliarden Mark ? eine für Deutschland beispiellose Prämie.

120 Millionen Aktien nur für die Führung

Der Aktienoptionsplan sieht die Ausgabe von bis zu 120 Millionen neuer Aktien vor ? reserviert für Führungskräfte des hoch verschuldeten Telefonkonzerns und einige Tochterfirmen. Allein auf T-Boss Sommer und seine sieben Vorstandskollegen entfallen Bezugsrechte für 18 Millionen Aktien. Wie viele jeder Einzelne erhält, will ein Telekom-Sprecher nicht sagen. Üblicherweise kassiert der Vorstandschef die doppelte Menge wie die übrigen Vorstände. So ergäben sich runde Zahlen: vier Millionen Aktien für Sommer, der Rest erhielte je zwei Millionen.

Differenz gibt es in bar

Der Telekom-Vorstand erhält die Bezugsrechte auf Aktien in fünf Tranchen. Im Falle von Ron Sommer wären das also geschätzt 800.000 Aktien pro Jahr. Berechnungsbasis ist der jeweils aktuelle Kurs der T-Aktie. Die Bezugsrechte dürfen über einen Zeitraum von fünf Jahren ausgeübt werden. Nach der Ausübung haben die Optionsinhaber zehn Jahre Zeit, die Optionen einzulösen. Dann bekommen sie die Differenz zwischen dem Ausübungspreis und dem dann aktuellen Kurs der T-Aktie in Form von Aktien oder bar ausgezahlt.

Erste Tranche über 60 Millionen?

Laut »Plan 2001« beträgt der Ausübungspreis für die Bezugsrechte 120 Prozent des jeweiligen Referenzkurses. Sommers Preis liegt aktuell also bei etwa 30 Euro. Erreicht die T-Aktie binnen zehn Jahren wieder den alten Höchststand von 105 Euro, würde er allein mit der ersten Tranche von 800.000 Aktien schon rund 60 Millionen Euro kassieren können ? ohne einen Pfennig eingesetzt zu haben. Vier weitere Tranchen kann Sommer ausüben.

Eine Milliarde für die Führungscrew

Unter der Annahme, dass der Kurs jedes Jahr um 20 Prozent steigt ? also auf 62,50 Euro bis 2006, käme Sommer so zu 241,4 Millionen Euro Zusatzverdienst, wenn der Kurs in den Folgejahren weiter auf 105 Euro steigt. Die anderen sieben Telekom-Vorstände könnten dann jeweils 120,7 Millionen Euro einstreichen, macht zusammen über eine Milliarde Euro nur für die Telekom-Führungscrew. Aber auch wenn die T-Aktie nach 2006 nicht weiter als bis 62,50 Euro stiege, würden die T-Bosse mit rund 630 Millionen Mark fürstlich belohnt. Viele Anleger wären dann noch nicht mal wieder im Plus.

Ein Skandal?

In Bonn sieht man es nicht so. »Das ist eine idealtypische Rechnung«, sagt Telekom-Sprecher Andreas Leigers. Zudem sei die vollständige Ausübung der Optionstranche 2001 nicht geplant. Der Plan hat auch den Segen von Hans Eichel, als Bundesfinanzminister Großaktionär der Telekom. Das Instrument, so eine Sprecherin, sei »in der Geschäftswelt üblich und soll für die Unternehmensführung eine zusätzliche Anreizwirkung entfalten, den Aktienwert zu steigern«. Das ist zwar bitter nötig. Doch DWS-Experte Tüngler fürchtet kurzfristig einen ganz anderen Effekt: Der üppige Optionsplan »ist das total falsche Signal zur falschen Zeit und belastet den Kurs«.

Joachim Reuter


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker