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Ron Sommer-Interview: Durch Wahltaktik zum Rücktritt gezwungen?

Ron Sommer schließt nicht aus, dass er aus "Wahltaktik" zum Rücktritt als Telekom-Chef gezwungen wurde.

Hamburg – Erstmals nach seinem Rücktritt als Telekom-Chef im Juli 2002 äußert sich Ron Sommer über die Umstände seines Ausscheidens: Er wolle nicht ausschließen, so Sommer im neuen stern, dass dabei "Wahltaktik eine Rolle gespielt haben könnte" und Bundeskanzler Gerhard Schröder ihn wegen des niedrigen Telekom-Aktienkurses fallen ließ, weil er die drei Millionen Anleger als Wähler brauchte. Der damaligen Kritik des BDI-Chefs Michael Rogowski, die Ablösung Sommers sei ebenso schlimm gewesen wie die Art und Weise, wie man mit Sommer umgegangen sei, stimmte der Ex-Telekom-Chef zu: "Es gibt keinen Grund, Herrn Rogowski zu widersprechen."

Nach seinem Rücktritt ist es Ron Sommer nicht schwer gefallen, sich wieder im Alltag zurechtzufinden. "Dank meiner Familie und vieler Kollegen glaube ich, nie die Bodenhaftung verloren zu haben", so Sommer. "Außerdem hat meine Frau damals gesagt: Jetzt bauen wir ein ‚Down to earth‘-Programm für dich." So sei er beispielsweise durchaus dazu in der Lage gewesen, mit der U-Bahn zu fahren, obwohl bei seinen Reisen als Telekom-Chef fast immer eine Limousine für ihn bereitgestanden habe.

Im Zusammenhang mit dem Scheitern der Lkw-Maut kritisierte Sommer das Verhalten der Politiker. Es sei "richtig, dass ein Land wie Deutschland auf eine zukunftsweisende Technik setzt, auch wenn das nicht einfach ist". Bei der Realisierung müssten dann "auch alle ehrlich dazu stehen und nicht – aus wahltaktischen Motiven – einen unrealistischen Zeitpunkt für die Einführung des Mautsystems nennen". Den Wählern hätte man sagen müssen: "Das System ist die Zukunft, es wird ein Exportschlager, auf ein paar Monate kommt es nicht an." Sommer zum stern: "Es wäre besser gewesen, wenn die Telekom deutlich früher die Führung übernommen hätte."

Als eine Ursache der gegenwärtigen Wirtschaftskrise bezeichnete Sommer, dass die Deutschen zu wenig Neues wagten. Zu viele Menschen sähen nur nach hinten und versuchten, überkommene Systeme zu bewahren. "Wir können High Tech, darin liegt unsere Zukunft – warum reden wir das Neue dann immer schlecht?"

Deutschland komme an weiteren Reformen nicht vorbei, konstatierte Sommer. Nur wenig Vertrauen habe er in die Reformpolitik der rot-grünen Regierung. Zwar gebe es "viele richtige Ansätze", es fehle aber eine "stringente Führung". Wer "ständig wackelt, verunsichert nur".