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Teure Polizeieinsätze in der Bundesliga "Das ist ein Fliegenschiss für die DFL"


Polizeieinsätze in der Bundesliga kosten jährlich viele Millionen Euro. Das Land Bremen will nun die Fußball-Verbände zur Kasse bitten - doch die drohen mit Konsequenzen: Länderspielentzug für Bremen.

Das Problem sind "Rotspiele". So werden Fußball-Bundesliga-Spiele genannt, bei denen die Behörden das Gewaltpotential als besonders hoch einstufen, eben die Alarmstufe Rot. In Bremen könnte es Mitte Dezember wieder dazu kommen. Dann spielt der Bundesligist Werder Bremen gegen Hannover 96 – ein Nordderby, das durch die verfeindeten Fans zu einem Sicherheitsrisiko werden könnte. Die Kosten für die Polizeipräsenz: Rund 300.000 Euro.

Der Einsatz von Polizisten, die bei Fußballspielen Fan-Gruppen trennen und für die Sicherheit am und im Stadion zuständig sind, ist teuer. Nun wagt das Bundesland Bremen einen Vorstoß: Um nicht allein auf den Kosten für diese Einsätze sitzen zu bleiben, will Bremen das Gebühren -und Beitragsgesetz ändern. Ein Antrag dafür ist bereits beschlossen worden. Bei "gewinnorientierten Großveranstaltungen" müssten dann auch die Organisatoren Teile der Polizeirechnung zahlen. Darunter fallen alle Events, die mehr als 3000 Menschen anziehen - beispielweise Fußballspiele von Bundesligisten. Die Entscheidung über eine Gesetzesänderung fällt frühestens im September. Zum Dezemberspiel gegen Hannover könnte es laut dem Bremer Innensenator Ulrich Mäurer (SPD erstmals zu einer Gebührenforderung seitens der Polizei kommen.

Polizeieinsätze kosten Milliarden

Pro Spiel in den oberen Ligen werden bis zu 100.000 Euro an Polizeikosten veranschlagt, wenn kein besonderes Sicherheitsrisiko vorliegt. Die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) hat errechnet, dass in Bremen über 1300 Polizisten in Vollzeit nur für die Sicherheit in der ersten und zweiten Liga rund ums Stadion nötig sind. Das entspricht 1,8 Millionen Arbeitsstunden. In ganz Deutschland kosten nur für die beiden höchsten Ligen allein die Einsätze der Polizei rund 90 Millionen Euro. Die Gesamtkosten für Polizeieinsätze von der ersten bis zur vierten Liga beziffert der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPoIG), Rainer Wendt, sogar auf 150 Millionen Euro.

Bisher zahlen die Sportverbände nichts für die Polizeieinsätze rund ums Stadion, denn für die öffentliche Sicherheit sind Bund und Länder zuständig. Doch das "gewalttätige Verhalten im Zusammenhang mit Fußballveranstaltungen" bewege sich auf hohem Niveau, schreibt das ZIS. "Die Veranstalter haben ein großes Interesse daran ein, 'randalefreies' Image zu pflegen, da nur so weiterhin Fans Spiele besuchen werden", schreibt Frank Daumann, Professor für Sportökonomie an der Uni Jena, in einem Kommentar. "Der vorliegende Ordnungsrahmen lässt es zudem ohne weiteres zu, dass Stadionbetreiber Gewalt durch private Ordnungsdienste unterbinden oder einen Polizeieinsatz entsprechend finanzieren."

Der Alleingang des Bundeslandes hat einen einfachen Grund: Bremen ist nahezu pleite. Erst kürzlich wurde eine erneute Haushaltssperre verhängt. Der Schuldenberg der Stadt türmt sich auf 20 Milliarden Euro auf – jährlich wächst der Berg um 300 Millionen Euro. Also kommen nun alle Ausgaben auf den Prüfstand. In der vergangenen Saison musste das klamme Land 1,4 Millionen Euro für Bundesliga-Polizeieinsätze berappen – ein Posten, der durch eine Beteiligung der Bundesligisten minimiert werden könnte.

Keine Länderspiele mehr in Bremen?

Dass sie nun für Polizeieinsätze zahlen sollen, lehnen die Sportverbände in Deutschland ab. Sie sind empört – und holen unverzüglich zum Gegenschlag aus. So kündigte DFL-Präsident und DFB-Vize Reinhard Rauball einen Antrag an, dass es keine Länderspiele mehr im Bremer Weserstadion geben wird. Darüber hinaus soll Bremen bereits das festgelegte EM-Qualifikationsspiel gegen Gibraltar am 14. November wieder verlieren. Rauball äußerte sich gegenüber der Funke-Mediengruppe, dass die zwischen Deutscher Fußball Liga (DFL) und Innenministerkonferenz in der Vergangenheit vereinbarten Maßnahmen in Bremen "völlig ignoriert" worden seien. "Es droht demnach ein Flickenteppich - und das kann niemand wollen", sagte Rauball. Bislange habe sich kein anderes Bundesland dem Vorstoß angeschlossen.

"Der Bremer Alleingang ist mit unseren verfassungsrechtlichen Grundsätzen nicht vereinbar. Die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit ist unabhängig von der Kassenlage der öffentlichen Haushalte allein Aufgabe des Staates, zumal Fußball-Vereine und -Verbände keinesfalls Verursacher oder Veranlasser von Gewalt sind", schreibt DFL-Präsident Rauball in einer Reaktion auf den Bremer Vorstoß. In einem Schreiben an den Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) machten sich bereits Anfang des Monats die großen deutschen Sportverbände Luft: "An öffentliche Sicherheit darf kein Preisschild gehängt werden."

Dabei geht es den deutschen Fußball-Clubs finanziell prächtig: In der Saison 2012/2013 erzielten sie einen Rekordumsatz von über 2,1 Milliarden Euro bei einem Gewinn von 383,5 Millionen Euro. Allerdings: 850 Millionen Euro zahlten die Vereine und Kapitalgesellschaften in der abgelaufenen Saison an Steuern. Radio Bremen zitiert Bremens SPD-Fraktions-Chef Björn Tschöpe, der keine großen Probleme bei einer Beteiligung der Vereine an den Kosten sieht: "Das ist ein Fliegenschiss für die DFL."

Katharina Grimm

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