VG-Wort Pixel

Betrugsfall aufgedeckt Tomatenbande kassiert fette EU-Gelder, ohne je eine Tomate anzubauen

Betrugsfall aufgedeckt: Tomatenbande kassiert fette EU-Gelder, ohne je eine Tomate anzubauen
© Getty Images
Sie kassierten 850.000 Euro an EU-Zuschüssen für den Anbau von Tomaten, doch ihre Tomatenplantagen existierten überhaupt nicht. Nun muss eine Bande aus Rumänien und Italien vor Gericht.

Briefkastenfirmen sind auf dem Gebiet der Wirtschaftskriminalität ein bekanntes Übel. Was die EU-Antibetrugsbehörde "Olaf" nun aufgedeckt hat, muss man aber wohl eher als einen Fall von Briefkastenplantagen bezeichnen. Denn die Tomatenplantagen, mit denen sich eine Betrügerbande in großem Stil EU-Agrarzuschüsse erschwindelt hat, existierten nur auf dem Papier.

Nach jahrelangen Ermittlungen bringt die Behörde die Tomatenbetrüger nun in Rumänien vor Gericht. Fünf Personen aus Italien und vier rumänischen Firmen wird vorgeworfen, sich 850.000 Euro aus den Geldtöpfen der EU gesichert zu haben, die für den Anbau von Tomaten gedacht waren. Die Summe entsprach etwa einem Viertel der Zuschüsse, die im Jahr 2017 insgesamt in den rumänischen Tomatenanbau flossen. Doch die Bande habe nie geplant, auch nur eine einzige Tomate zu pflanzen, erklären die EU-Ermittler. 

Nicht einen Cent für Tomaten ausgegeben

Gemeinsam mit rumänischen und italienischen Behörden habe man eine Reihe potentiell betrügerischer Praktiken aufgedeckt. Die Bande nutzte demnach falsche Dokumente, Scheinfirmen und gefälschte Grundstückserklärungen, um an das Geld zu kommen. Die Strippenzieher saßen offenbar in Italien: Als die Zuschüsse gezahlt wurden, seien sie umgehend auf Bankkonten in Italien transferiert und abgehoben worden, um andere kriminelle Aktivitäten zu finanzieren. "Es scheint nicht ein einziger Cent für Landwirtschaft oder in Rumänien ausgegeben worden zu sein", schreiben die Ermittler. Möglicherweise habe die gleiche Gruppe bereits zuvor ähnliche Taktiken in Rumänien eingesetzt. 

Ville Itälä, Leiter der Anti-Betrugsbehörde Olaf, lobte die Arbeit seiner Ermittler und die Kooperation mit den beteiligten nationalen Behörden. "Die Aufgabe von Olaf ist es, dafür zu sorgen, dass die EU-Mittel die vorgesehenen Empfänger erreichen, damit sie der Gesellschaft zugute kommen können", sagte Itälä.

Der Fall der ausgedachten Tomatenplantagen mag kurios klingen, weist aber auf ein generelles Problem. Jahr für Jahr verteilt die EU Milliarden an Agrarsubventionen und nicht alles wird transparent eingesetzt. Erst im vergangenen Jahr veröffentlichte die EU-Parlamentsfraktion der Grünen eine Studie, in der massiver Missbrauch von Agrarsubventionen in Osteuropa angeprangert wird. In Bulgarien, Tschechien, Ungarn, Slowakei und Rumänien herrsche vielerorts Korruption, Vetternwirtschaft und Bürokratie vor, heißt es in der Studie. Dies führe dazu, dass sich oft wenige große, regierungsnahe Betriebe bereicherten.

Quellen: Olaf / Grünen-Studie


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker