HOME

Schockbilder gegen das Rauchen: Toter Sohn auf Zigarettenschachtel? Warum das nicht möglich ist

Seit Mai 2016 sind auch in Deutschland Schockbilder auf Zigarettenpackungen Pflicht. Immer wieder wollen Menschen darauf ihre Angehörigen erkennen. Der stern hat bei der EU nachgefragt, wie diese Fotos entstehen.

Schockbilder auf Zigarettenpackungen

Zigarettenpackungen mit Schockbildern sind seit fast einem Jahr auch im deutschen Handel

Immer wieder rauschen Meldungen durch die Presselandschaft von Menschen, die ihre verstorbenen Angehörigen auf den Schockbildern auf Zigarettenschachteln wiedererkannt haben wollen. Der tote Sohn oder der verstorbene Vater seien auf den Packungen abgebildet - und das ohne deren Einverständnis. Da auf den Aufnahmen meist schwer kranke oder tote Menschen in Krankenhausbetten oder Leichensäcken gezeigt werden, zeigen sich die Angehörigen oftmals schockiert. Doch ist das überhaupt möglich?

"Für die Fotos auf Zigarettenpackungen ist niemand heimlich fotografiert worden", erklärt die EU-Kommission auf stern-Anfrage. Alle abgebildeten Personen hätten entsprechende Einwilligungserklärung unterschrieben. Dies schließe aus, dass es sich etwa bei einem Menschen in einem Leichensack tatsächlich um einen Toten handle. "Jegliche Ähnlichkeit mit anderen Personen ist rein zufällig." Die Kommission kenne die Identität aller Personen auf den Schockfotos, dürfe diese aber aus Datenschutzgründen nicht öffentlich machen. Wer trotzdem glaubt, einen Angehörigen wiederzuerkennen, könne sich direkt an die EU wenden. Da solche Verwechslungen offenbar nicht selten vorkommen, weist die Kommission sogar in den häufig gestellten Fragen zu den Schockbildern darauf hin.

Wie die EU die Schockbilder auswählte

Der stern berichtete bereits im vergangenen Jahr über den Auswahlprozess in Brüssel, mit dem sich die EU auf 42 Schockbilder festlegte, die seit Mai 2016 schrittweise auch im deutschen Zigarettenhandel benutzt werden. Die EU beauftragte eine Marketingagentur, für Aussagen wie "Rauchen verursacht Herzanfälle" und "Rauchen mindert ihre Fruchtbarkeit" die passenden Bildideen zu liefern. "Für die maximale Abschreckung ist es wichtig, nichts zu beschönigen, sondern die nackte Realität zu zeigen. Ganz plakativ, das Grauen, das gern verdrängt wird, vor Augen zu führen", sagte eine beteiligte Krebsforscherin damals dem stern.

Die passenden Motive wurden keinesfalls an einem runden Tisch von EU-Beamten ausgesucht. Ein Team aus Wissenschaftlern, Marketingexperten, Ärzten, Psychologen, Fotodesignern und Juristen war am Auswahlprozess beteiligt. Im Feldversuch wurde die Wirkung der Bilder auf Probanden getestet, teilweise wurde dabei der Puls überwacht. Damit sich die Wirkung der Bilder nicht abnutzt, kamen zunächst lediglich 14 der ausgewählten 42 Motive in den Handel. In diesem Mai wird dann gewechselt.

Yoga statt Zigaretten: Diese Übungen helfen bei der Rauchentwöhnung
fin