TOURISTIK-KONZERN Ein Gemischtwarenladen lernt lächeln - aus Preussag wird TUI


Preussag heißt jetzt TUI - eine bedeutsame Umbenennung: »Sie zeigt an, dass unser Wandel vor der Vollendung steht«, erklärte Preussag-Chef Michael Frenzel.

Der Punkt fünf auf der Tagesordnung der Hauptversammlung der Preussag AG am 26. Juni ist nur ein schlichter Satz. Er stellt aber in der Geschichte des traditionsreichen Unternehmens einen heftigen Einschnitt dar, denn fortan soll Schluss sein mit »Preussag«. »Die Firma der Gesellschaft heißt TUI AG« sollen die Aktionäre beschließen. Künftig soll der weltgrößte Reisekonzern und damit auch die erste deutsche Reiseaktie also TUI heißen.

Preussag-Chef: »Wandel vor der Vollendung«

Mit der Umbenennung setzt Vorstandsvorsitzender Michael Frenzel einem in dieser Form in der deutschen Wirtschaftsgeschichte einmaligen Konzernumbau seinen I-Punkt auf. »Die World of TUI ist mehr als eine Marke. Sie ist zentraler Orientierungspunkt für Kunden, Mitarbeiter, Geschäftspartner und Aktionäre«, meint Frenzel. »Sie zeigt gleichzeitig an, dass unser Wandel vor der Vollendung steht.« Nun will er der 1923 gegründeten Preußischen Bergwerks- und Hütten- Aktiengesellschaft also das Lächeln in Form des derzeit an allen Straßenecken auftauchenden neuen Lach-Logos aufsetzen.

Frenzel hatte sich 1997 aufgemacht, den großindustriellen Gemischtwarenladen aus Kohle, Schiff- und Anlagenbau, Wohnungen, Stahl und Logistik konsequent umzubauen. Der integrierte Tourismuskonzern soll rund um die Pauschalreise verdienen - an der Buchung, am Flug, am Transport, am Hotel und am Tagestrip. Er fing an, das industrielle Geschäft gezielt zu verkaufen, um zumindest zum Teil damit eine europaweite Einkaufstour im Reisemarkt zu finanzieren.

Konzentration auf des Kernfeld der Preussag

Die Preussag Stahl AG ging - begleitet von einem Ränkespiel mit dem damaligen Parteifreund und Ministerpräsident Gerhard Schröder (SPD) - ans Land Niedersachsen und an die Nord/LB. Von den Querelen ließ sich Frenzel - 2000 für seine Leistung zum Manager des Jahres gekürt - nicht stoppen und machte nach und nach weiter mit dem Verkauf der Bereiche, die nicht mehr in Kernfeld der Preussag gehörten.

Nach und nach übernahm er im Laufe des nächsten Jahre immer neue Veranstalter in Europa. Es sah gerade zu so aus, als gehe es Frenzel darum, die weißen Flecken auf der Konzernlandkarte zu tilgen. »Der wichtigste Schritt war damals die Übernahme der britischen Thomson Travel Group« sagt Frenzel im Rückblick.

Kein glatter Einstieg in den britischen Markt

Dabei verlief der Einstieg in den britischen Markt nicht gerade glatt. Zunächst kaufte seine Touristiktochter Ende 1998 24,9 Prozent des renommierten britischen Reiseveranstalters und Finanzdienstleisters Thomas Cook. Der Anteil wurde im September 1999 zur 50,1-prozentigen Mehrheit ausgebaut. Kaum neun Monate später aber nickte der Aufsichtsrat eine andere Richtung für Großbritannien ab: Preussag bot für die in Großbritannien führende Thomson Travel Group.

Frenzel trat ein in den Wettstreit mit seinem Konkurrenten in Oberursel, der damaligen Karstadt-Lufthansa-Tochter C&N Touristic mit Stefan Pichler an der Spitze, die Thomson ebenfalls übernehmen wollte. Frenzel aber gewinnt, zu einem Preis von 2,9 Milliarden Euro - zu viel, wie die Kenner der Branche meinen, denn inzwischen türmten sich bei der Preussag riesige Schuldenberge auf, die in der Spitze 6,9 Milliarden Euro betrugen. Auch der Verkauf von Thomas Cook an den Konkurrenten in Oberursel - der inzwischen diesen Namen angenommen hat - brachte kaum merkliche Entlastung.

Reibungsloser Umbau zum Reisekonzern

Der Umbau der Preussag zum mit deutlichem Abstand umsatzstärksten Reisekonzern verlief allerdings insgesamt selbst aus der Sicht der zuständigen Gewerkschaft ver.di reibungslos. Bei allen Schritten sei die Arbeitnehmerseite mit berücksichtigt und frühzeitig informiert worden, meint ver.di Vorstandsmitglied Jan Kahmann. Und tatsächlich hat es in den Jahren keine großen Proteste oder Demonstrationen von Mitarbeitern gegeben.

Auch Nord/LB-Analyst Thorsten Strauss ist der Meinung, dass Frenzel weit gekommen sei mit seinem Umbau und sich die Konzentration auf Tourismus auch grundsätzlich ausgezahlt habe. Allerdings habe er auch eine neue Erfahrung machen müssen - dass der Tourismus auch Krisen kennt. Denn erstmals in der Geschichte des Tourismus in Deutschland wird der Markt in diesem Jahr nach den Terroranschlägen vom 11. September und auf Grund fehlender Konsumlust mit einem Minus zu kämpfen haben.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker