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ÜBERNAHME: Die Luft auf dem deutschen Flugmarkt wird dünner

Immer mehr Billiganbieter drängen erfolgreich ins Inlandsgeschäft: Jetzt will EasyJet für über 30 Millionen Euro die Deutsche BA übernehmen und zur europäischen Nr. 1 werden.

Die Luft wird dünner auf dem deutschen Flugmarkt. Immer stärker drängen Billiganbieter wie Germania oder Ryanair nach Deutschland und machen Branchenprimus Lufthansa Konkurrenz. Nun plant der britische Billigflieger EasyJet Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft, die Deutsche BA, zu übernehmen.

Ziel: Größter Low-Cost-Anbieter

Eine Kaufoption für das Unternehmen mit Sitz in München hat der Billiganbieter bereits erhalten, wie der Mutterkonzern British Airways am Mittwoch in London mitteilte. Das erklärtes Ziel von EasyJet: Die Airline will sich mit der Übernahme der Deutschen BA als größter Anbieter von Low-Cost-Linien in der Bundesrepublik etablieren. Kurz zuvor hatte das Unternehmen bereits bestätigt, dass es Übernahmeverhandlungen mit dem britischen Rivalen Go führt. Allein mit einer Übernahme von Go würde nach Einschätzung von Branchenexperten der größte Billigflieger in Europa entstehen.

Kaum Auswirkungen für Lufthansa

Die Folgen einer Übernahme der Deutschen BA durch EasyJet für Lufthansa beurteilen Experten allerdings eher als gering. »Die Übernahme von EasyJet hat keine Auswirkung für Lufthansa«, erklärte ein Analyst von der Fondsgesellschaft Union Investment. »EasyJet ist als Low-Cost-Anbieter ein Nischenanbieter und damit keine Konkurrenz für das Kerngeschäft der Lufthansa«. Denn die macht den Löwenanteil ihres Umsatzes noch immer mit teuren Geschäftsverbindungen.

Wettbewerber durch einen anderen ersetztEasyJet ist aggressiver

Die Marktposition der Deutschen BA ist nach Einschätzung Piepers allerdings nicht schlecht. Zudem ist zu erwarten, dass EasyJet deutlich aggressiver am Markt auftreten kann als die Deutsche BA. Zwischen zwei und vier Prozent Marktanteil könnte die Lufthansa so verlieren, vermutete Pieper. Bedroht ist allerdings hauptsächlich das Geschäft mit Urlaubsreisenden.

Der Markt mit den Billig-Tickets boomt

Das Geschäft mit den Billig-Tickets boomt. Während die großen Konzerne wie Lufthansa und British Airways (BA) hart von der Konjunkturflaute und den Nachwirkungen des 11. September betroffen sind, konnten Billiganbieter wie die irische Ryanair und die britischen Gesellschaften EasyJet und Go in den vergangenen Jahren ihren Marktanteil ausbauen.

Noch ist die Marktlücke groß

Mehr und mehr erobern sie inzwischen auch den deutschen Markt, in dem viele Billiganbieter noch eine Marktlücke sehen. Dort sind im Vergleich zu anderen europäischen Ländern bislang verhältnismäßig wenige Billig-Fluglinien vertreten. Und auch die Preise liegen höher als in vielen anderen europäischen Ländern. In Deutschland werden »mit die höchsten Linienflugpreise der Welt« verlangt, erklärte Ryanair-Chef Michael O?Leary unlängst in einem Interview. Ab 2003 will Ryanair auch Inlandsflüge in Deutschland anbieten. Diese sollten zu Ticketpreisen »von 19 oder 29 Euro aufwärts« angeboten werden, erklärte O?Leary.

Mirjam Söchtig