HOME

ÜBERNAHME: Stollwerck wird schweizerisch

Der weltweit führende Schokoladenhersteller Barry Callebaut aus der Schweiz übernimmt die traditionsreiche Kölner Schokoladenfabrik Stollwerck AG.

Für den Zusammenschluss mit einem Gesamtkaufpreis von 175 Millionen Euro ist aber noch die kartellrechtliche Genehmigung erforderlich, teilte die Barry Callebaut AG am Freitag in Zürich und Köln mit. »Wir wollen damit näher an den Endkunden herankommen und die Ertragskraft stärken«, sagte Barry Callebaut-Vorstandschef Andreas Schmid.

Pflichtangebot für freie Aktionäre

Zunächst übernimmt Barry Callebaut 96 Prozent der Stollwerck-Aktien von der Imhoff Industrie Holding und der gemeinnützigen Imhoff-Stiftung. Ein Teil wird mit Aktien des Schweizer Unternehmens bezahlt. Den vier Prozent freien Aktionären soll dann nach dem Zusammengehen ein Pflichtangebot vorgelegt werden.

Wichtiger Expansions-Schritt

»Mit dem Kauf der Stollwerck gehen wir in Richtung des bedeutenden Marktteilnehmers in Europa«, sagte Schmid. Barry Callebaut ist in der Bundesrepublik bisher hauptsächlich mit Industrieschokolade vertreten, während Stollwerck stark im Endverbrauchergeschäft präsent ist. Die Übernahme versetzt Barry Callebaut in die Lage, Marken- und Endverbraucherprodukte zu einem »substanziellen Geschäftsbereich« auszubauen. Bei dem Schweizer Unternehmen sind nach eigenen Angaben insgesamt 5.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Gesunde Umsatzzahlen

Den Pro-Forma-Umsatz beider Firmen für 2001 gibt Barry Callebaut mit 2,2 Milliarden Euro an. Die Stollwerck AG steigerte 2001 vor allem wegen des erfolgreichen Auslandsgeschäfts den Umsatz um 4,7 Prozent auf 750,6 Millionen Euro. Dabei wurde das Osteuropa-Geschäft in der Zwischenzeit verkauft. Das von den Schweizern übernommene Geschäft der Stollwerck AG in Westeuropa erzielte mit 2.500 Beschäftigten einen Umsatz von 500 Millionen Euro im vergangenen Geschäftsjahr.

Nachfolge-Frage endlich gelöst

In Bezug auf die gesundheitlichen Schwierigkeiten des bisherigen Mehrheitsaktionärs und Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Imhoff sagte der Vize-Aufsichtsratsvorsitzende Hans Rolf: »Herr Imhoff und Stollwerck hatten ein Problem - es gab keine geeignete Nachfolge.« Mit Stollwerck als einem Fertigwarenhersteller auf dem deutschen Markt war es aus kartellrechtlichen Gründen schwierig, ein Unternehmen für einen Zusammenschluss zu finden.

Eventuell Schließungen

»Bei den Verhandlungen stand immer die Zukunft der Unternehmensgruppe im Vordergrund, nicht den höchstmöglichen Kaufpreis zu erzielen«, sagte Schmid. Nach der Übernahme gibt es laut Schmid insgesamt 32 Produktionsstandorte, wobei möglicherweise Einheiten oder Standorte geschlossen werden müssen. Schmid bezifferte das Potenzial an Synergieeffekten in den kommenden drei Jahren auf 22 Millionen Euro. »Barry Callebaut drängt in den Markt von Fertigware. Ohne die Stollwerck-Werke wäre Barry Callebaut dazu nicht in der Lage«, sagte Rolf in diesem Zusammenhang.

Stollwerck fand den »idealen Partner«

Schmid betonte, dass die Fusion für beide Gruppen »sehr attraktiv« ist. Imhoff wurde in der Mitteilung mit den Worten zitiert: »Mit Barry Callebaut haben wir den idealen Partner gefunden. Denn das Wissen um die Kakaobohne und das Wissen, wie man sie verkauft, ergänzen sich ideal.«

Themen in diesem Artikel