HOME

Umstrittene Bank-Gehälter: Wer alles einen Bonus bekommt

Angesichts der von ihnen verursachten Krise haben Banker derzeit einen denkbar schlechten Ruf. Auf ihre Bonus-Zahlungen wollen aber viele dennoch nicht verzichten - selbst wenn ihre Bank am Steuerzahler-Tropf hängt. stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema Bonuszahlungen.

Von Axel Hildebrand

Die Auszahlung von Boni an Bankmitarbeiter sorgt für Empörung. Angesichts von Milliarden von Steuergeldern, die der Staat in den vergangenen Wochen in die Finanzinstitute pumpen musste, um deren Liquidität zu sichern, ist es vielen unverständlich, dass die Verantwortlichen der Krise sich weiterhin mit satten Extra-Gehältern belohnen. Auch in der Politik ist die Aufregung groß.

Die SPD etwa will die Bedingungen für Staatshilfen an notleidende Banken verschärfen. "Wir müssen das System für die Zukunft wasserdicht machen", sagte SPD-Fraktionsvize Joachim Poß. Nachbesserungsbedarf sehe er vor allem bei der Beschränkung der "monetären Leistungen" für Manager auf 500.000 Euro im Jahr. Der Begriff müsse "klarer gefasst" werden, weil ansonsten bestimmte Aktienoptionen davon möglicherweise nicht erfasst würden.

Mehr Transparenz gefordert

Aktionärsschützer forderten eine Reform des Aktienrechts, um so gegen die Boni-Zahlungen vorgehen zu können. Es könne nicht sein, dass Banker, die Verluste machten, belohnt würden. Dies sei auch nicht im Sinne der Eigner, sagte der Sprecher der Aktionärsschützer von der SdK, Lothar Gries der "Berliner Zeitung" und fügte an: "Das Aktiengesetz muss endlich so geändert werden, dass die Aktionäre über die Boni im Detail erfahren und über diese abstimmen können."

Aber wer bekommt eigentlich einen Bonus? Und für was? stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die Boni.

Was ist eigentlich ein Bonus?

Eine Bonuszahlung ist ein Teil des normalen Gehalts eines Angestellten. Sie ist variabel und wird erfolgsabhängig gezahlt. Bei Vertriebsmitarbeitern werden zum Beispiel Boni bezahlt, sobald der Beschäftigte eine bestimmte Umsatzschwelle überschritten hat. Die Höhe ist sehr unterschiedlich: Bei Investmentbankern, die derzeit besonders in der Kritik stehen, ist der variable Anteil besonders hoch. Die Boni können hier das zwei bis dreifache des Grundgehalts betragen.

Worum dreht sich die gesamte Aufregung?

Die Finanzkrise hat gerade die Boni für Investmentbanker in die Kritik gebracht. Mit der Aussicht auf sehr hohe Zuschläge beim Gehalt waren die Banker bereit, hohe Risiken einzugehen und hätten damit eine Mitschuld an der derzeitigen Krise, lautet der Vorwurf. "Risiken, die mit den Geschäften verbunden waren, wurden vielfach ausgeblendet", sagte Martin Emmerich, Leiter der Abteilung Financial Services bei der Frankfurter Unternehmensberatung Towers Perrin stern.de.

Zudem haben viele Banken trotz Milliardenverlusten weiterhin Boni an ihre Manager ausgezahlt. Auch Banken, die vom Staat Unterstützung in Form einer direkten Beteiligung oder eine Bürgschaft bekommen haben, halten weiter an dieser Form der Entlohnung fest. Gerade letzteres stößt in der Öffentlichkeit auf massive Kritik. Es könne nicht sein, dass mit Steuergeld gestützte Institute ihren Mitarbeitern hohe Prämien bezahlten, erregten sich Politiker parteiübergreifend.

Der Staat hat jedoch wenige Möglichkeiten einzuschreiten, es sei denn, er ist Mehrheitseigner einer Bank. Grundsätzlich können Unternehmen selbst bestimmen, wie und welcher Höhe sie Gehälter an ihre Mitarbeiter auszahlen. Sie sind nur ihrem Eigentümer gegenüber verantwortlich.

Zudem sind viele Bonuszahlungen vertraglich zugesichert: Es besteht ein Rechtsanspruch auf Zahlung - trotz einer schwachen Leistung des Geldhauses. "Da kommt man nicht raus", sagt Alexander von Preen, Partner der Unternehmensberatug Kienbaum Management Consultants.

Welche Lehren müssen gezogen werden?

Das Risiko werde zukünftig stärker berücksichtig, prognostiziert Martin Emmerich, Leiter der Abteilung Financial Services bei der Frankfurter Unternehmensberatung Towers Perrin. Eine Möglichkeit: Der Bonus wird über mehrere Jahre verrechnet. Produziert eine Abteilung nach einem Gewinn im Vorjahr einen Verlust im folgenden Jahr, kann der Bonus das Ergebnis beider Jahre abbilden. Das erhoffte Ziel: Die Investmentbanker sind dann nicht auf kurzfristige Erfolge aus, sondern denken mittelfristig. Zeiträume von mindestens drei Jahren hält Alexander von Preen für sinnvoll.

Eine andere Möglichkeit: Das obere Management muss mit dem eigenen Vermögen für die Unternehmensentwicklung geradestehen. Die Manager könnten verpflichtet werden, einen bestimmten privaten Geldbetrag in Unternehmensanteile (Aktien) zu stecken. Ist das Unternehmen an der Börse nun aufgrund der schlechten Geschäftsentwicklung weniger wert, verlieren die Aktien, die das Management hält, an Wert. Sie könnten in dem Fall verpflichtet werden, Geld nachzuschießen.

Martin Emmerich sieht zudem eine Entwicklung, in der Mitarbeiter nicht mehr ausschließlich am individuellen Ergebnis gemessen werden. Sie sollen, so das Kalkül, stärker das Wohl des ganzen Unternehmens in Blick haben.

Wer bekommt eigentlich Boni?

Viele Banken oder Finanzinstitute zahlen fast jedem Mitarbeiter einen Gehaltsbonus. Der Anteil am Gesamtgehalt ist aber durchaus unterschiedlich. Wer in der Personalabteilung arbeitet, kann auch eine variable Vergütung bekommen, die aber anteilig wesentlich geringer ausfällt als - zum Beispiel - bei einem Investmentbanker.

Wer wie viel bekommt, hängt zum einen von der Funktion, zum anderen von der Hierarchiestufe ab, auf der ein Mitarbeiter steht. Innerhalb des Investmentbanking gibt es unterschiedliche Abteilungen, die wieder unterschiedliche variable Gehaltsanteile bekommen. Traditionell einen hohen Boni-Anteil haben etwa Berater von Unternehmen bei Fusionen und Übernahmen oder Aktien- und Devisenhändler. Der variable Anteil ist in der Regel dort höher, wo Mitarbeiter eine unmittelbare Beteiligung an dem Ergebnis haben, das sie für die Bank erwirtschaften.

Verteilt wird das Geld wie folgt: Einer Unternehmenseinheit wird ein gewisses Bonus-Volumen zur Verfügung gestellt. Die Führungskräfte dort verteilen das Geld dann auf die einzelnen Mitarbeiter.

Was spricht - trotz Krise - für Boni?

Die Argumentation ist so: Wer in der Krise erfolgreich ist, dessen Leistungen sollten - gerade in diesen Zeiten - vom Unternehmen anerkannt werden.

Richtig ist zwar, dass die meisten Banken und Finanzinstitute zurzeit Schwierigkeiten haben. Fast 90 Prozent der Banken rechnen damit, dass durch die Finanzkrise ihr Ergebnis im kommenden Jahr schlechter ausfällt. Nur drei Prozent, so eine Studie der Unternehmensberatung Towers Perrin, rechnen mit keinerlei Beeinträchtigungen. Viele Banken schreiben zudem schon jetzt Milliardenverluste.

Doch einzelne Abteilungen und Einheiten arbeiten weiterhin mit hohen Profiten. "Erfolgreiche Banker sollten weiterhin belohnt werden", sagt Alexander von Preen, Partner der Unternehmensberatung Kienbaum Management Consultants. Bonuszahlungen sollte man nicht grundsätzlich verteufeln.

Warum zahlen Unternehmen, die Verluste machen, Boni?

Auch wenn das Unternehmen insgesamt schlecht dasteht, können einzelne Abteilungen oder Einheiten vernünftig gewirtschaftet haben. Warum sollten Sie dann für das Missmanagement anderer büßen?

"Abteilungen wie etwa jene, die wohlhabende Privatkunden betreuen, haben auch in der Krise ordentliche Ergebnisse erzielt", sagt Martin Emmerich, Leiter der Abteilung Financial Services bei der Frankfurter Unternehmensberatung Towers Perrin. "Es wäre unfair, ihnen den Bonus zu streichen und sie so zu bestrafen."

Die Argumentation: Gerade die Abteilungen, die einen Gewinn abwerfen, müssen in der Krise gestärkt werden. Mitarbeiter mit Boni sind motivierter - und das kann eine Bank gerade jetzt gebrauchen.

Was ist mit Unternehmen, die vom Staat Hilfe bekommen? Dürfen die Boni zahlen?

Auch diese Unternehmen, argumentiert Martin Emmerich von der Unternehmensberatung Towers Perrin, müssen ihre Toptalente - nicht nur im Investmentbanking - an sich binden. Wer auf Bonuszahlungen verzichte, müsse sich überlegen, was für ein Vergütungspaket, bestehend aus Grundvergütung und Nebenleistungen, angemessen ist.

Doch Unternehmen, die Steuergelder benötigen, um ihr Überleben zu sichern, kommen in der öffentlichen Diskussion schlecht weg. Nach dem Staat rufen und weiter kräftig die eigenen Spitzenkräfte päppeln - das verstehen in diesen Tagen die wenigsten. "Eine kritische Diskussion" erwartet Alexander von Preen für Unternehmen, in denen Steuergelder gebraucht werden. Spitzenkräfte sollten sich die Annahme von Bonuszahlungen gut überlegen - und an ihre Vorbildsfunktion denken. Nun sei der Staat, der die Steuerhilfen verteilt, in der Pflicht, sagte Emmerich. Er sollte mit dem Management klare Regelungen zu den Bonuszahlungen für das kommende Jahr aushandeln.

Die Politik weiß um das sensible Thema. Allein der Verdacht, dass mit Steuermitteln Boni bezahlt werden sollten, sei das Schlimmste, was in der Krise passieren könnte, sagte der CDU-Wirtschaftsexperte Laurenz Meyer. Gesetzliche Regelungen werden nicht mehr ausgeschlossen. SPD-Finanzexperte Joachim Poß nannte Millionen-Bonuszahlungen an Investmentbanker in der Finanzkrise dreist und unverfroren. "Wenn die Beteiligten in den Banken nicht endlich selbst zur Vernunft kommen, muss der Gesetzgeber eben noch einmal ran."