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URLAUB: Ungewissheit regiert 2002 Tourismusbranche

Wegen der Terroranschläge und miesenen Wirtschaftslage wissen viele immer noch nicht wo und wie lange sie urlauben wollen. Nur die »Mallorca-Steuer« ist fix.

Sonne, Strand und Meer - mit verlockenden Angeboten versucht die Reiseindustrie im frostigen Januar Lust auf den Sommerurlaub zu machen. Doch in diesem Jahr ist alles anders: Nach den Terroranschlägen in den USA und angesichts der schlechten Wirtschaftslage überlegen sich die meisten Reiselustigen zwei Mal, wo und wann sie die ersehnten Ferien verbringen wollen.

Buchungen verschieben sich

Die beiden größten europäischen Tourismuskonzerne TUI und Thomas Cook rechnen daher damit, dass sich die Hauptbuchungszeit noch stärker als in den Vorjahren nach hinten verschiebt. Die Tourismusmesse CMT, die am Samstag in Stuttgart beginnt, könnte der Branche erste Erkenntnisse liefern, wohin in diesem Jahr die Reise geht.

Nicht auf allen Messen tanzen

Anders als die Internationale Tourismusbörse (ITB) im März in Berlin hat die CMT kaum Absagen zu verzeichnen. TUI bleibt der ITB zwar treu und verzichtet auf die regionalen Verbrauchermessen, doch beim Konkurrenten Thomas Cook sieht es genau andersherum aus: Mit Hinweis auf den Sparkurs des Konzerns, der 2.600 Stellen abbauen will, verzichtet man auf den teuren ITB-Auftritt mit Besprechungsräumen für die Fachbesucher, hält aber an der CMT fest.

Noch keine Prognosen

Für die Wintersaison rechnet Thomas Cook mit einem zweistelligen Minus. Wie es im Sommer aussieht, ist noch offen. »Der Trend zum späteren Buchen setzt sich fort, die Leute verschieben ihre Planung um vier bis sechs Wochen«, meint Sprecherin Nina Dumbert. Auch ihre Kollegin Julia Zur Weihen vom Marktführer TUI will noch keine Prognose abgeben: »Man müsste nach Delphi fahren und das Orakel befragen«. Klar ist, dass die großen Konzerne Flugkapazitäten und Hotelbelegungen leichter auch kurzfristig steuern können als die kleinen Reiseveranstalter und Spezialanbieter.

Kärnten statt Karibik?

Teilweise stellt sich die Industrie darauf ein, dass die so genannten erdgebundenen Reisen per Auto, Bus oder Bahn von einer gestiegenen Flugangst profitieren können. Also Kärnten statt Karibik? Professor Martin Lohmann von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen warnt davor, den Einfluss der Terroranschläge zu überschätzen. »Niemand fährt irgendwo hin, nur weil es dort sicher ist, sondern weil die Sonne scheint und es billig ist - oder weil die Freundin es will«, meint der Tourismusforscher. Flugangst ist jetzt vor allem für Reisende ein Thema, denen es auch früher schon in den Lüften ungeheuer war. »Ich gehe davon aus, dass der Urlaubstourismus von den Ereignissen sehr wenig beeinflusst wird«, meint Lohmann.

Arabische Länder verlieren

Schwierig sieht es allerdings in arabischen Ländern aus, die aber insgesamt nur einen geringen Anteil am Reisemarkt haben. »Deutsche fehlen selbstverständlich, und das hat uns wehgetan«, berichtet Mara Kaselitz, Direktorin des Fremdenverkehrsamtes von Dubai. Das touristisch aufstrebende Emirat am Persischen Golf erwartet im vierten Quartal 2001 dennoch ein knapp zweistelliges Plus bei den deutschen Gästen. Angepeilt waren 18 Prozent. Die Teilnahme an der CMT hatte Dubai bereits vor dem 11. September aus personellen Engpässen abgesagt.

Ende der Wachstumsjahre droht

Eine aktuelle Studie der Dresdner Bank prognostiziert das Ende der großen Wachstumsjahre im Tourismus. In nächster Zeit dürfte die Zahl der Reisenden pro Jahr nur noch um 2,5 Prozent wachsen, 2002 sind sogar rückläufige Zahlen möglich. Daran sind nicht allein die Urlauber schuld: Während der Konjunkturflaute gelten auch Geschäftsreisen als Luxus. Zudem hinterlassen die Überkapazitäten und der ruinöse Preiskampf der vergangenen Jahre ihre Spuren in den Bilanzen der Reisekonzerne. Die sollten allerdings nicht allzu öffentlich über ihre Probleme jammern, findet Tourismusexperte Lohmann. Denn dann könnte den Urlaubern wirklich die Lust auf die Ferien vergehen.

Auswirkungen der »Mallorca-Steuer« unklar

Die spanische Ferieninsel Mallorca und die anderen Balearen dürfen nun doch ihre umstrittene Touristenabgabe bis auf weiteres erheben. Dies entschied das spanische Verfassungsgericht am Donnerstag. Wie die autonome Regierung der Balearen in Palma de Mallorca mitteilte, hoben die Richter ihre Entscheidung vom September zur Aussetzung der Steuer wieder auf. Die Balearen-Regierung hatte beschlossen, von den Urlaubern eine Abgabe von durchschnittlich einem Euro (1,96 Mark) pro Tag und Person zu erheben. Die spanische Zentralregierung erhob gegen das Vorhaben eine Verfassungsklage, weil sie darin eine Doppelbesteuerung sieht. Nach dem neuen Gerichtsbeschluss können die Balearen, zu denen neben Mallorca die Inseln Menorca, Ibiza und Formentera gehören, die »Ecotasa« (Ökosteuer) nun bis zur endgültigen Klärung des Rechtsstreits von den Urlaubern kassieren.