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Miese Arbeitsbedingungen und anwaltliche Drohungen: Wie sich Vapiano ins Abseits spielt

Bei Vapiano herrschen offenbar chaotische Zustände: Einem Zeitungsbericht zufolge häufen sich Beschwerden von Kunden und Mitarbeitern. Auch die Vapiano-Anwälte agieren äußerst fragwürdig.

Vapiano-Filiale in Berlin

Vapiano-Filiale in Berlin

Das "Nudelgate" war nur der Anfang. Als stern-Stimme Micky Beisenherz# vor einigen Wochen die "Pastavorhölle" Vapiano geißelte, war alles irgendwie noch Spaß. Denn die Kritik von Beisenherz an der "pseudomediterranen Sättigungsfabrik" war zwar böse formuliert, aber offensichtlich satirisch überspitzt. Da schrieb einer, der Vapiano - ganz subjektiv - richtig doof findet. Der Artikel löste heftige Reaktionen aus, nicht jeder fand die fiesen Worte lustig. Zahlreiche Fans der Kette liefen Sturm, Vapiano teilte mit, es seien Grenzen überschritten worden.

Nun aber wird bekannt: Vapiano überschreitet offensichtlich selbst Grenzen - und zwar nicht nur in Sachen Humor. Wie die "Welt am Sonntag" berichtet, herrschen im Unternehmen zahlreiche Missstände im Umgang mit Mitarbeitern. So klagen etwa Angestellte der Berliner Filialen über Überstunden und chaotische Zustände in den Restaurants.

Chaos in der Küche, Ärger in der Zentrale

"An einem Tag rief mich der Manager an und sagte, ich müsse morgen nicht kommen, am nächsten Tag rief er an und sagte, ich müsse sofort kommen und allein die Pizza-Station betreuen. Dabei war ich noch nicht mal fertig eingearbeitet", berichtet ein Ex-Koch der Kette. Da die Kunden bei dem unerfahrenen Mitarbeiter eine halbe Stunde und länger warten mussten, kam es zu zahlreichen Beschwerden.

Darüber hinaus sollen Azubis unzureichend betreut und Betriebsräten fristlos entlassen worden sein. Auch in der Zentrale ist die Stimmung offenbar mies: Nach Informationen der "Welt" kündigten dort in den vergangenen zweieinhalb Jahren 35 von 77 Angestellten ihre Jobs oder wurden gekündigt. Nach Jahren des rasanten Wachstums stockte zuletzt die Expansion des Unternehmens - der Umsatz entwickelt sich nicht so, wie die ehrgeizigen Konzernlenker sich das vorstellen.

Fragwürdige Briefe vom Anwalt

Wie dünnhäutig man bei Vapiano geworden ist, zeigt auch die Reaktion des Konzerns auf die Recherchen der Welt. Noch vor Veröffentlichung des Artikels versuchte Vapiano die Berichterstattung mit anwaltlichen Briefen zu beeinflussen. Einer fairen Berichterstattung wolle man sich zwar nicht verweigern, schrieben die Anwälte, fragwürdig erscheine indes die direkte Kontaktaufnahme der Welt-Journalistin "mit ehemaligen und aktiven Mitarbeitern" - ein absolut gängiges Mittel journalistischer Recherche.

"Wir erlauben uns daher höflich, Sie darum zu bitten, den Vorgang zu begleiten und sicher zu stellen, dass die Recherche fair abläuft", heißt es in dem anwaltlichen Schreiben, das die Journalistin öffentlich machte.

Zuvor hatte die Autorin bereits einen Anruf von Vapianos Personalchefin erhalten, die wissen wollte mit welchen ehemaligen und aktuellen Mitarbeitern sie gesproche habe, um gegen die Informanten rechtlich vorgehen zu können. Wer hier "fragwürdig" gehandelt hat, mag jeder selbst beurteilen.

Daniel Bakir