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Jahresabschluss am Freitag: Vapiano steckt tief in der Krise - und braucht dringend Geld

Vapiano, einst mit Pizza und Pasta als Restaurantkette erfolgreich gestartet, steckt tief in der Krise. An der Börse entwickelte sich die Aktie zum Flop. Jetzt braucht der Konzern ganz dringend eine Finanzspritze. 

Vapiano in der Krise

Vapiano ist in die Krise geschlittert

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Im Jahr 2002 war Vapiano etwas ganz Neues: Pizza, Pasta, Salat, alles frisch zubereitet in einer offenen Küche. Sonderwünsche? Ein bisschen mehr Käse, dafür keinen Knoblauch - alles kein Thema. Und das in einem schicken Ambiente, zumindest im Vergleich zu den Fastfood-Tempeln der großen Ketten, die damals noch mit Hartschalen-Sitzen und Neonbeleuchtung daherkamen. Mitten in den Innenstadtlagen breitete sich Vapiano mit seinen Restaurants aus. 105 Läden in 25 Ländern, rund 7000 Mitarbeiter und eine Viertelmilliarde Euro Umsatz - so fasst "Frankfurter Allgemeine Zeitung" die letzten zehn Jahre des Konzerns zusammen. Vapiano war eine Erfolgsstory, für Kunden und die Unternehmer gleichermaßen. 

Dass Vapiano jetzt in Problemen versinkt, konnte die stern-Stimme Micky Beisenherz im Jahre 2015 sicherlich nicht erahnen, als er über Vapiano als "Pastavorhölle" und "pseudomediterrane Sättigungsfabrik" schrieb. Die Restaurants seien beliebt bei Menschen, die sich zu fein für McDonald's seien, urteilte Beisenherz. Tatsächlich war Vapiano die aufgehübschte Fastfood-Antwort zum Beginn der Nullerjahre. Und das ging lange gut. Dann kamen die Skandale, ein veränderter Kundenanspruch. Und die Konkurrenz.

Vapiano und das Horrorjahr 2015

Das Jahr 2015 war für Vapianos PR-Abteilung der Super-GAU: Manipulierte Arbeitszeitkonten der Mitarbeiter, Überstunden ohne Ende, hohe Fluktuation der Manager, Gammel-Lebensmittel, Mäuse in der Küche - kaum eine Monat verging, in dem nicht eine neue Hiobsbotschaft die Geschäftsführung durchschüttelte. Kein angenehmes Startjahr für Jochen Halfmann, der ab September neuer Vapiano-Chef wurde. Immerhin: Umsatzseitig ging es Vapiano gut. Der Umsatz kletterte auf über 190 Millionen Euro. Allerdings zeigte sich da schon, dass beim operativen Ergebnis deutlich weniger hängen bleibt.

Vapiano drängte 2017 an die Börse. Zum Börsenstart notierte die Aktie bei 23,96 Euro, damit war die Restaurantkette rund 533 Millionen Euro wert. Halfmann hatte vor dem Börsenstart den Umsatz gepusht, indem er Franchisenehmern kündigte und die Restaurants selbst betrieb. Doch der Schachzug ging nicht auf. Die Läden liefen schlecht, die Kundenbeschwerden nahmen zu, Vapiano schrieb Verluste. Seit dem Sommer 2018, also rund ein Jahr nach Börsenstart, musste Halfmann gleich zwei Mal die Gewinnprognose nach unten korrigieren. Danach war er seinen Job los. Aktuell notiert die Vapiano-Aktie nur noch bei rund 5,90 Euro. 

Schlange stehen bei Vapiano

Doch nicht nur die Skandale sind Schuld am Vapiano-Untergang. Auch das System selbst: Wer Pasta möchte, muss sich in der Pasta-Schlange anstellen. Pizza-Besteller stehen in einer anderen Warteschlange. Einen kleinen Beilagensalat? Gibt es in wieder einer anderen Schlange. "Man verbringt mehr Zeit mit Tablettschleppen als Schauspielerinnen in Berlin-Mitte. Das Publikum in der Pastavorhölle kann eigentlich nur aus Menschen bestehen, die lange bei einer Versicherung gearbeitet haben und stockholmsyndromartig nicht mehr von dem Industriekantinenfeeling loskommen", schreibt Beisenherz in gewohnt bissiger Manier. Unrecht hat er nicht. In Internetforen und Social-Media-Kanälen machen sich die frustrierten Kunden Luft. Nicht selten passiert es, dass die Pizza-Besteller schon fertig gegessen haben, während sich an der Pasta-Schlange nur wenig rührt. Das kommt gar nicht gut an.

Vapiano versprach in regelmäßigen Abständen Besserung. Mehr Personal, Bestellung per App oder an einem Termin am Eingang. Geholfen hat das nicht.

Vegane Burger oder Ramen-Suppe

Denn der Zeitgeist und ein veränderter Anspruch der Kunden machen Vapiano das Leben schwer. Fastfood ist längst nicht mehr so hip wie vor zwanzig Jahren. Das bekommen auch die Schwergewichte wie McDonald's und Burger King zu spüren - und reagieren. Dass McDonald's nun einen veganen Burger anbietet, zeigt: Die Kunden, vor allem die jüngere Zielgruppe, stellt andere Ansprüche. Gesünderes, moderneres Essen, aber auch eine gewisse Atmosphäre der Restaurants wird gefordert. Schlange stehen bei Vapiano für Nudeln und Pizza entspricht offenbar nicht mehr dem Zeitgeist. Ramen-Nudeln, aufwendige Burger oder vegane Gerichte dagegen schon eher. 

Und: Vapiano hat sich die eigene Konkurrenz selbst herangezogen, die Pizzakette L'Osteria. Die Gründer Klaus Rader und Friedemann Findeis waren einst auch bei Vapiano dabei. Und kehrten dem Unternehmen, das sie selbst aufgebaut haben, den Rücken. Auch Mirko Silz, selbst bis 2011 als CEO bei Vapiano tätig, ist seit 2016 bei der Pizzakette eingestiegen. Dort will man offenbar die Fehler, die Vapiano macht, nicht wiederholen. Statt Schlangestehen wird am Tisch serviert. 

Vapiano läuft die Zeit davon

Als letzter Vapiano-Gründer ist noch Gregor Gerlach an Bord. Mit den Tchibo-Erben Günter und Daniela Herz und den Wella-Erben teilt er sich den Löwenanteil der Vapiano-Aktien - und soll laut der "F.A.Z." nun mit ihnen und Banken über eine dringend notwendige Umschuldung von Krediten verhandeln. Rund 30 Millionen werden gebraucht, schreibt die Zeitung. Oder eventuell auch mehr? Klar ist nur, dass zwischen Aktienabsturz, Gewinnwarnungen und einem Verlust von 30 Millionen Euro (im Geschäftsjahr 2017) nicht viel Zeit bleibt. Am Freitag, den 24. Mai, muss Vapiano den Jahresabschluss 2018 vorlegen. Der Termin war bereits zwei mal verschoben worden.

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