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Verkehr: Deutsche Bahn kämpft mit Billigfliegern

Die Deutsche Bahn kommt weiter nicht auf Touren und gerät wegen ihres umstrittenen Preissystems zunehmend unter Druck. Nach Ansicht von Bundesumweltminister Trittin werden Billigflieger für die Bahn zunehmend zum Problem.

Nach Angaben des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" lag Europas größter Verkehrskonzern in den ersten beiden Monaten dieses Jahres im Personenverkehr um sieben Prozent unter Plan. Verantwortlich für den Rückgang seien nach Aussage des zuständigen Bahn-Vorstandes Christoph Franz neben der Konjunktur auch hausgemachte Schwierigkeiten. Billigflieger und das neue Preissystem hätten einer Vorstandsanalyse zufolge die Probleme verschärft, schreibt der "Spiegel".

Bereits vor einer Woche waren drastisch gesunkene Umsatz- und Fahrgastzahlen in den ersten Monaten des Jahres bekannt geworden. Allein im Januar soll der Umsatz im Fernverkehr je nach Region und Ticket-Vertrieb um bis zu 18 Prozent unter Plan gelegen haben. Das Unternehmen hat dem Vernehmen nach in diesem Jahr aber mit einem Umsatzplus von fast zehn Prozent kalkuliert. Die Bahn hatte bisher lediglich bestätigt, dass die Umsatzziele verfehlt worden seien. Der Einbruch liege aber nicht am neuen Preissystem. Schlechte Konjunktur, wetterbedingte Ausfälle, technische Probleme mit neuen ICE-Zügen und die Konkurrenz der Billigflieger seien die Gründe.

Auch nach Ansicht von Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) werden Billigflieger für die Bahn zunehmend zum Problem. Diese würden der Bahn immer mehr Kunden abwerben. "Es findet eine Verlagerung von der Schiene in die Luft statt", sagte Trittin der "Berliner Zeitung". Das betreffe meist Wochenendurlauber und weniger Geschäftsreisende oder Neukunden. "Für umweltfreundliche Verkehrsträger wie die Bahn ist das ein Problem." Die Bundesregierung wolle mit dem Abbau von Steuersubventionen für den Flugverkehr dagegen halten.

"Nicht warten, bis Kunden umgedacht haben"

Der Vorsitzende der Bahngewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, forderte erneut kurzfristige Nachbesserungen an dem vor knapp drei Monaten eingeführten neuen Preissystem. Bereits Ende März, Anfang April müsse eine «repräsentative Gruppe» gemeinsam mit dem Vorstand über Verbesserungen sprechen, sagte Hansen dem ZDF. Hansen: «Nicht warten, bis die Kunden umgedacht haben oder bis sie es dann endlich gelernt haben. Es geht hier nicht um unwillige Kinder, sondern es geht um den König Kunde und der muss ernst genommen werden.» Die Bahn will bisher Nachbesserungen erst nach einem Jahr prüfen.

Hansen, der auch stellvertretender Bahn-Aufsichtsratschef ist, hatte zudem mehrfach eine rasche Aufklärung über die Entwicklung der Fahrgastzahlen gefordert. Einen so massiven Umsatzeinbruch in so kurzer Zeit habe er noch nie erlebt. Das Minus sei nicht allein mit Konjunkturproblemen zu begründen. Daher müsse ein möglicher Zusammenhang mit dem Preissystem geklärt werden. Sollten die Probleme auf Fehler des Managements zurückzuführen sein, müssten die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

Gegen die seit der Fahrplanumstellung Mitte Dezember wieder gestiegene Unpünktlichkeit der Züge will die Bahn laut "Spiegel" mit einer Eingreiftruppe vorgehen. Bahn-Chef Hartmut Mehdorn wolle mit einem elektronischen Überwachungssystem und einem "Qualitätsprogramm Technik" konkret feststellen, welcher Mitarbeiter für welche Panne oder Verspätung verantwortlich ist. Nach Inbetriebnahme der ICE-Strecke Köln-Frankfurt kam es zu zahlreichen technischen Pannen und Ausfällen der neuen ICE-Züge. Auch dadurch war die Pünktlichkeitsquote zeitweise von rund 90 auf 60 Prozent gesunken.