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VOLKSWAGEN: Schatten auf dem Piech-Reich

Glänzendes Ergebnis aber Kritik von den Aktionären: Der Piech-Plan, sich schon wieder einen Aktienrückkauf genehmigen zu lassen, stößt auf Widerstand.

Es hätte alles so schön sein können: Der VW-Vorstand konnte anläßlich der Hauptversammlung in Hamburg stolz verkünden, dass der Konzern auch 2001 wieder auf Rekordkurs liegt. Die Aktionärsvertreter bedankten sich dafür zwar alle beim Vorstand, hatten aber ganz andere Sorgen: den Unternehmenswunsch, sich schon wieder einen Rückkauf von zehn Prozent der eigenen Aktien genehmigen zu lassen.

Vorstandsvorsitzender Ferdinand Piech bekräftigte wieder seine Prognose, dass »Absatz, Umsatz und Ergebnis auf für das Gesamtjahr 2001 weiter wachsen werden«. Wesentliches Mittel zur Erreichung dieses Ziels soll laut Piech diesmal das geplante Kostensenkungsprogramm sein, da durch die nachlassende Weltkonjunktur auch der Autoabsatz betroffen sein wird.

Strahlendes Ergebnis

Im vergangenen Jahr hatte VW den Umsatz weltweit um fast 14 Prozent auf 167 Milliarden Mark gesteigert, das Ergebnis vor Steuern wuchs auf 6,8 Milliarden Mark. Der Jahresüberschuss kletterte auf vier Milliarden Mark - ein Rekordwert. Auch im ersten Quartal 2001 legte Volkswagen beim Umsatz kräftig zu. Laut Finanzvorstand Bruno Adelt liegt der Konzern sogar nach den ersten fünf Monaten auf Rekordkurs. Absatzrückgänge in Deutschland sind durch Exporte ausgeglichen worden, Ergebniseinbußen im Inland wurden durch Sparprogramme neutralisiert.

Nach Einschätzung von Piech muss aber daran gearbeitet werden, dass die Arbeitskosten in Deutschland wettbewerbsfähig bleiben. Dass bedeutet für VW, dass die Schaffung neuer Arbeitsplätze und der Anlauf neuer Modelle in Deutschland nur mit Hilfe neuer, flexibler Arbeitsmodelle möglich sind. Dazu zählte er das Projekt 5.000 x 5.000, in dessen Rahmen 5.000 neue Jobs in Wolfsburg und Hannover entstehen. Die neuen Mitarbeiter sollen 5.000 Mark brutto im Monat verdienen und keine Zuschläge bekommen.

Piech kündigte außerdem den Produktionsstart für die geplante VW-Luxuslimousine D1 für das dritte Quartal 2001 in der neuen Fabrik in Dresden an. Vorgestellt werden soll der Wagen im März 2002.

Kritischer Rückkauf

Außerdem will sich der Vorstand auf der Hauptversammlung von den Aktionären einen weiteren Rückkauf von zehn Prozent der eigenen Aktien genehmigen lassen. Piech sagte nicht, was mit den zehn Prozent der im vergangenen Jahr zurückgekauften Aktien geplant ist. Laut Piech sollen diese Papiere aber zurzeit nicht in den Markt zurückgegeben werden. Die Papiere sollen als »Währung« die Kriegskasse füllen, um bei der Erhöhung von Beteiligungen oder Übernahmen eingesetzt zu werden. Außerdem könnten die Titel dazu verwendet werden, um die von Volkswagen zur Abwehr von Übernahmeversuchen erwogene Allianz mit befreundeten Unternehmen zu schmieden. Außerdem sollen die Anteilseigner einer Kapitalerhöhung von 130 Millionen Euro (rund 260 Millionen Mark) zustimmen. Mit dem frischen Geld könnten Unternehmensbeteiligungen erworben werden.

»Gegenwärtige Struktur ist Anachronismus«

Michael Gierse von der Union Invest, einer Tochter der Genossenschaftsbanken, beklagte die »enttäuschende Entwicklung« der Rendite des VW-Papiers. Daran sei klar zu erkennen »dass sich der Vorstand zu wenig am Interesse der Aktionäre« orientiert. Die Rendite betrug in den letzten drei Jahren durchschnittlich lediglich 5 Prozent, während gleichzeitig die DAX-Rendite bei 25 Prozent lag. »Der beste Schutz gegen eine Übernahme ist ein hoher Unternehmenswert«, so Gierse. Er forderte deshalb das Management auf, die stimmrechtslose, »anachronistische Vorzugsaktie« abzuschaffen und so ein positives Zeichen für die Kapitalanleger zu setzen. Aus diesen Gründen stimmte die Union Invest übrigens gegen den geplanten Aktienrückkauf.

»Verstoss gegen den Gleichheitsgrundsatz«

Wie Gierse kritisierte auch Thomas Müller von der Liverpool Limited Partnership, einem auf den Bahamas beheimateten Investmentfonds, die VW-Pläne, ausschließlich Stammaktien zurück zu kaufen. Damit würden die Inhaber von Vorzugsaktien benachteiligt. Müller warf VW sogar vor, damit gegen den Gleichheitsgrundsatz zu verstossen und äußerte den Verdacht, dass der Stammaktien-Rückkauf nur dem Zweck dient, die »niedersächsische Sperrminorität zu sichern«. Dagegen würde die Abschaffung der Vorzugsaktie und des VW-Gesetzes die gebotene Gleichbehandlung aller Aktionäre bewirken. Das auch von der EU kritisierte VW-Gesetz, sichert dem Land Niedersachsen eine bestimmende Position als größter Aktionär von Volkswagen zu, soll aber nach Expertenmeinung nicht mehr lange zu halten sein.

Umwandlung der Vorzugsaktien gefordert

Eine geschlossene Front aus US-Fondsgesellschaft, Deutscher Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und Union Invest verlangte außerdem, die Vorzugsaktien (ohne Stimmrecht) in Stammaktien (mit Stimmrecht) umzuwandeln. Es sei nicht akzeptabel, dass Volkswagen Aktionäre mit unterschiedlichen Rechten habe.

Liverpool würde natürlich profitieren

Liverpool hat nach eigenen Angaben 50 Millionen Euro in Vorzugsaktien investiert. Zu einem Kurs von unter 40 Euro je Aktie gerechnet, würde der zu der US-Finanzgesellschaft Elliott Associates gehörende Fonds damit rund 1,2 Millionen Aktien besitzen. Bei einer Umwandlung in Stammaktien, die zuletzt etwas unter 60 Euro notierten, würde Liverpool einen erheblichen Kursgewinn einstreichen.