VW-Aufsichtsratssitzung Chefsessel zu besetzen


Vor der Sitzung des VW-Aufsichtsrats herrscht weiter Unklarheit über die Vertragsverlängerung von Konzernchef Bernd Pischetsrieder. Auch Sanierungspläne brennen unter den Nägeln, der Ton wird schärfer.

Es ist nicht nur die Personalie Bernd Pischetsrieder - spannend werden die kommenden Tage auf jeden Fall, für die VW-Spitze ebenso wie für die Belegschaft und die Aktionäre. Aber an diesem Dienstagabend ist es dann doch vor allem die Frage der Vertragsverlängerung für den VW-Boss, die die Gemüter bewegt. Nach Medienberichten wollen die Arbeitnehmervertreter erreichen, dass die Entscheidung erneut verschoben wird und erst nach der Hauptversammlung am Mittwoch fällt. Sollte VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch doch auf eine Entscheidung dringen, dürfte es den Berichten zufolge zu einer Kampfabstimmung kommen, bei der Pischetsrieder die im ersten Anlauf notwendige Zweidrittelmehrheit für eine Vertragsverlängerung verfehle.

Aber VW war auch immer für Überraschungen gut. Und die wäre groß, wenn nach den Diskussionen der vergangenen Wochen es im ersten Anlauf doch zu der Verlängerung käme. Schon eine größere Anzahl Gegenstimmen würden den VW-Chef schwer beschädigen. Und am Tag nach der Aufsichtsratssitzung muss sich Pischetsrieder auf der Hauptversammlung den Aktionären stellen - mit der Garantie für kritische Fragen.

"Maximaler Abbau von Jobs"

Im Mittelpunkt der Diskussionen dürfte das von Pischetsrieder angekündigte Restrukturierungsprogramm stehen, von dem noch immer die Details nicht bekannt sind. Erst am Freitag hatte der mächtige Betriebsratschef und Aufsichtsrat Bernd Osterloh nach einer Betriebsratssitzung massive Kritik an Pischetsrieder geübt. Für die Arbeitnehmervertreter verdichte sich inzwischen der Eindruck, dass es Pischetsrieder in erster Linie um "maximalen Abbau" von Jobs gehe, machte er den Unmut der Belegschaft deutlich.

Der Ton ist damit deutlich schärfer geworden, in der Debatte um die Sanierungspläne des Vorstands, die vor allem die kriselnde Kernmarke Volkswagen aus dem Tief holen sollen. Der Betriebsrat verlangt, dass es "eine schlüssige Strategie der Standort- und Beschäftigungssicherung" geben müsse. Dies sei aber nicht erkennbar. Stattdessen werde etwa bei der Komponentenfertigung nur auf Basis von Analysen diskutiert, die von vornherein so angelegt seien, dass als einzige Schlussfolgerung nur Verkauf oder Schließung von Unternehmensbereichen in Frage komme. Dies sei nicht zu akzeptieren.

Restrukturierung entscheidend

Osterloh hatte seine Kritik am Vorgehen des Vorstandes bereits mit der Frage der Vertragsverlängerung in Verbindung gebracht. Und er forderte indirekt auch vom niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU), der die VW-Anteile des Bundeslandes vertritt, mit Blick auf die Arbeitsplätze die Abstimmung mit inhaltlichen Forderungen zu verbinden. Das habe mit "Machtspielen" nichts zu tun, sondern es gehe eben um Jobs, und das sei für die Arbeitnehmer am wichtigsten.

Wulff aber gehört ebenso wie Porsche-Chef Wendelin Wiedeking als Spitzenvertreter der beiden VW-Hauptaktionäre zu denjenigen im Aufsichtsrat, die für eine Fortsetzung der Arbeit Pischetsrieders eintreten. Sie wollen das Thema Vertragsverlängerung möglichst schnell vom Tisch haben, weil es die dringend notwendigen Sanierungsarbeiten belaste. Die Restrukturierung sei für die Zukunft des Konzerns entscheidend und müsse umgehend angegangen werden, argumentieren sie. Pischetsrieder hatte das Programm bereits im Februar angekündigt.

Gezielte "Demontage"

Eine Verlängerung seines Vertrags gegen die Stimmen der Arbeitnehmervertreter aber würde die Position Pischetsrieders erheblich schwächen und tiefe Gräben aufreißen. Für die Sanierung der Marke VW braucht der VW-Chef die volle Unterstützung aller Seiten. Der Vertrag des Vorstandschefs läuft zwar noch bis zum Frühjahr 2007 - den üblichen Branchen-Gepflogenheiten gemäß wird aber ein Jahr vor Auslaufen des Vertrags entschieden, ob dieser verlängert wird.

Undurchsichtig bleibt die Rolle von Pischetsrieders Vorgänger, VW- Aufsichtsratschef Piëch. Anfang März hatte Piëch für Wirbel gesorgt, als er die Verlängerung des Vertrags von Pischetsrieder als "offene Frage" bezeichnet und von einer starken Opposition der Arbeitnehmer-Seite im Aufsichtsrat gesprochen hatte. Dies war in der Branche als gezielte "Demontage" gewertet worden.

Strittiges Thema Vertragsverlängerung

In der Woche nach Ostern hatte der Aufsichtsrat in einer zweitägigen Klausurtagung über die Sanierungspläne diskutiert und das Programm abgesegnet. Das strittige Thema Vertragsverlängerung wurde nicht entschieden. Piëch hatte nach der Sitzung erklärt, er würde für Pischetsrieder stimmen. Aber erst wenn die Tinte unter den Papieren trocken ist, ist die künftige Besetzung des VW-Chefsessels unter Dach und Fach.

Eva Tasche/DPA DPA

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