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Mit wie wenig kann ich leben?: WDR-Experiment: Sparen, sparen, sparen - bis es weh tut

Der WDR macht eine Familie zu Radikalsparern: Wieviel brauche ich wirklich zum Leben - diese Frage soll beantwortet werden. Doch die Methoden sind fraglich - und am Ende erwartet den Zuschauer ein allzu banales Finale. 

WDR Experiment: Sparen bis es weh tut

Das WDR "Experiment": Wie schlägt sich eine Familie beim radikalen Sparen?

Verzicht ist spannend. Sich in einer Überflussgesellschaft einfach mal vom Alltagsluxus verabschieden - das geht gegen den Trend. Und ist Grundlage eines aktuellen TV-Formats, das sich der "WDR" erdacht hat. Eine vierköpfige Familie muss von Sendung zu Sendung auf allerlei Liebgewonnenes verzichten. Zuerst war es das Internet. In der aktuellsten Ausstrahlung sollte die Familie den Rotstift bei den Ausgaben ansetzen. Doch statt verbrauchertauglicher Tipps wurde es eher ein Spektakel des Radikalsparens - mit einer recht lahmen Auflösung am Ende.

Vier Wochen soll Familie Bellartz aus Aachen die Ausgaben drosseln. Die fünf Personen leben von 3200 Euro im Monat. Das entspricht ziemlich genau dem Nettoeinkommen eines durchschnittlichen Haushalts in Deutschland. Von diesem Betrag gehen die üblichen Ausgaben ab: Lebensmittel, zwei Autos, Versicherungen. Die Kinder haben Hobbys, die Geld kosten. Die Mutter mag es warm, sie heizt intensiv und duscht lange. Am Ende des Monats bleibt nichts übrig. Sparen kann die Familie nicht.

Seltsames Experiment vom WDR: Wie geht Sparen?

An dieser Stelle greift das Prinzip des Sendeformats. Denn der WDR ist sich sicher: Familie Bellartz kann ganz sicher sparen und sich auch kleine Extras gönnen. Sie brauchen nur einige praktische Tipps. Statt Versicherungspolicen oder Verträge zu durchforsten, um Einsparmöglichkeiten zu finden, schickt der WDR eine sogenannte Minimalistin in das Haus der Familie. Als Expertin für Überflüssiges wird Sina Jasur angekündigt. Die Idee: Wer weniger Besitz hat, kann freier leben, so Jasur. Das hat allerdings mit Sparen nur bedingt etwas zu tun.

Dass Elektrogeräte wie ein Wäschetrockner, Monitore, Spülmaschine, Fernseher oder eine Stereoanlage tatsächlich Strom fressen und daher Kosten entstehen lassen, ist bestimmt jedem WDR-Zuschauer bewusst. Warum aber Sitzecken rausfliegen, bleibt unklar. Einsparung? Fehlanzeige. Auch von dem zweiten Auto muss sich die Familie verabschieden. Mutter Isabel ist entsetzt: "Das geht gar nicht". Die Kinder zu verschiedenen Kitas bringen und danach zur Arbeit - und das alles mit dem Bus? Kaum machbar, vier Stunden braucht sie für die Fahrten mit dem Bus. Das Experiment ist gescheitert.

Peinliches Feilschen auf dem Markt

Dann geht es ums Einkaufen. Vater und Sohn sollen auf dem Markt für eine Lasagne und einen Obstsalat einkaufen. Statt wertvoller Tipps, wo Familien wirklich günstig Lebensmittel bekommen, schummelt sich der Vater mit einer faustdicken Lüge auf dem Wochenmarkt durch. Feilschen mit allen Tricks, das ist die Botschaft. Am Ende können sie den Preis zwar drücken. Dafür müssen sie die peinliche Situation aushalten. Und: Eine regelmäßige Sparmethode ist das nicht.

Seit zwei Jahren war die Familie nicht im Urlaub. Also schickt der WDR zumindest Vater und Sohn auf einen Kurztrip. In der Urlaubskasse befinden sich zehn Euro. Das ist natürlich viel zu wenig. Also schlagen sich die beiden mit Gelegenheitsjobs durch, übernachten im Fitness-Studio und schnorren sich durch. Fazit des Vaters: Nie wieder. Eine wenig überraschende Einschätzung für den Zuschauer.

Verzicht oder Sparen: Das banale Finale

Zwischen selbstgemachten Hautpflegeprodukten oder aufgefüllten Filzstiften mäandert die Sendung unentschlossen zwischen der Frage, wie radikal man auf seinen erlernten Luxus verzichten kann. Und wo ganz logisch noch Sparpotentiale für die Familie schlummern. 

Das Fazit: Wird die Familie künftig feilschen, wenn sie einkaufen geht? Werden sich Vater und Sohn an den Wochenenden durch die Gegend schnorren? Nein, die Auflösung ist am Ende ziemlich banal. Familie Bellartz kann 190 Euro beim Strom und 313 Euro beim Gas im Jahr sparen, wenn sie den Anbieter wechseln. 

Bei Wäschetrocknern sollte man auch die Folgekosten durch den Stromverbrauch bedenken
kg