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Wegen Japan-Katastrophe: Konjunkturaussichten für Deutschland etwas trüber

Das schwere Erdbeben und die atomare Katastrophe in Japan zeigen erste Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsförderung verzeichnete bei seiner monatlichen Konjunkturumfrage ein Minus um 1,6 Punkte auf 14,1 Punkte.

Das Jahrhundertbeben in Japan dämpft den Konjunkturoptimismus der Finanzmarktexperten: Im März schätzten sie die Aussichten für die deutsche Wirtschaft in den kommenden sechs Monaten schlechter ein als im Vormonat. Das Barometer fiel überraschend von 15,7 auf 14,1 Punkte, teilte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner Umfrage unter 270 Experten mit. Würden nur die nach der Erdbebenkatastrophe am Freitag eingegangenen Antworten von 110 Expertem berücksichtigt, wäre das Barometer sogar auf 9,1 Zähler eingebrochen.

Das ZEW warnte aber vor übertriebenem Pessimismus. "Die deutsche Wirtschaft befindet sich an sich in einer robusten Verfassung", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz auch mit Blick auf die Lage, die von den Experten nochmals leicht besser eingeschätzt wurde. "Allerdings könnten die tragischen Ereignisse in Japan zumindest kurzfristig eine Eintrübung der Konjunkturdynamik in Deutschland zur Folge haben." Das sehen auch Analysten so. "Die Nachrichten aus Japan sind sehr besorgniserregend", sagte Christian Melzer von der DekaBank. "Der Tsunami und das Erdbeben wären noch beherrschbar, aber die nukleare Gefahr verändert die Lage völlig. Die Finanzmärkte reagieren ja jetzt schon heftig."

Heftige Reaktionen an den Börsen

Die drohende Atomkatastrophe in Japan hat am Vormittag die Kurse an Europas Aktienmärkten einbrechen lassen. Die Verluste waren mit bis zu fünf Prozent zwar weniger stark als in Tokio, wo der Nikkei-Index knapp elf Prozent einbüßte. Doch machte sich zusehends auch in Europa Panik breit, vor allem am deutschen Markt. "Der Markt wird alles tun, um das schlimmstmögliche Szenario einzupreisen", sagte Keith Bowman, Analyst beim Fondsmanager Hargreaves Lansdown in London. "Aber die Lage ist sehr unsicher und ändert sich stündlich, und dann gibt es ja auch noch die Krise im Nahen Osten."

Die Experten von Barclays Capital schätzen den Schaden in Japan auf etwa 132 Milliarden Euro. Auch viele deutsche Unternehmen bekommen die Folgen zu spüren: Die Lufthansa fliegt Tokio wegen der möglichen radioaktiven Strahlung vorerst nicht mehr an. Der Softwarehersteller SAP räumt aus Furcht vor möglicher radioaktiver Strahlung seine Büros in mehreren japanischen Großstädten.

Auch die Ankündigung der Europäischen Zentralbank, ihre Zinsen womöglich schon im April anzuheben, dämpfte den Optimismus der Börsianer etwas. Steigende Zinsen verteuern Kredite für Unternehmen wie Verbraucher. Dass sich die EZB durch die möglichen wirtschaftlichen Folgen der Ereignisse in Japan von ihrem Kurs abbringen lassen wird, halten Ökonomen für unwahrscheinlich. "Bislang sieht es so aus, dass die ökonomischen Auswirkungen auf Europa nicht ausreichen dürften, um die EZB da umzustimmen", sagte Norbert Braems, Chefvolkswirt von Sal. Oppenheim zu Reuters. EZB-Chef Jean- Claude Trichet hat wegen des anziehenden Inflationsdrucks vor gut zwei Wochen für April eine Zinserhöhung in Aussicht gestellt. Der Leitzins für die Euro-Zone liegt seit Mai 2009 auf einem Prozent.

Reuters/DPA/AFP / DPA / Reuters