Weltbörsen US-Zinsbeschluss belastet auch europäische Börsen


Enttäuschung der Anleger über zu geringe US-Zinssenkungen schlug sofort auf das weltweite Börsenklima durch. Dax wieder auf Tiefstand.

Die von einigen Volkswirten als zu gering bezeichnete US-Zinssenkung um 0,5 Prozentpunkte hat nach den Aktienmärkten in den USA am Mittwoch auch die Börsen in Europa und in Hongkong stark belastet. Der Deutsche Aktienindex (Dax) fiel in den ersten Handelsminuten um mehr als 2,5 Prozent auf den tiefsten Stand seit rund 16 Monaten. Eine Ausnahme stellte am Mittwoch die Börse in Tokio dar, wo der Leitindex Nikkei auf Grund nationaler Sonderfaktoren um 7,5 Prozent stieg. Indes konnte der Euro in Folge der schwachen Aussichten für die US-Wirtschaft zum Dollar zeitweise um mehr als einen Cent zulegen, gab anschließend aber wieder nach. Festverzinsliche Wertpapiere verzeichneten deutliche Zuwächse.

Börsen folgen wie Lemminge den US-Vorgaben

Händler verwiesen zur Begründung für die Verluste an den Aktienmärkten in den USA, Hongkong und Europa auf die schwachen US-Vorgaben vom Dienstag. In New York hatte der Dow-Jones-Index nach dem Zinsbeschluss der Notenbank Fed bis zum Handelsschluss um rund 2,4 Prozent nachgegeben, der Technologieindex Nasdaq verlor 4,8 Prozent. Dies war am Markt überwiegend mit einer Enttäuschung der Anleger darüber begründet worden, dass die US-Notenbank die Zinsen in Folge des nachlassenden US-Wirtschaftswachstums nur um 0,5 und nicht um mindestens 0,75 Prozentpunkte gesenkt hatte. Der US-Schlüsselzins liegt damit nun bei 5,00 Prozent.

Weitere Zinssenkungen möglich

Die Fed hatte jedoch in ihrer Erklärung mögliche weitere Zinssenkungen in der Zukunft angedeutet. Volkswirte sagten, die Fed lasse sich damit die Möglichkeit einer weiteren Senkung noch vor dem nächsten regulären Treffen im Mai offen. Im Euro-Raum beträgt der maßgebliche Leitzins 4,75 Prozent.

Allgemeiner Abrutsch in Europa und Asien

In Europa verloren die Börsenindizes an den wichtigsten Handelsplätzen zu Handelsbeginn jeweils mehr als ein Prozent. In Frankfurt fiel der Dax zeitweise sogar um rund 2,5 Prozent auf 5649 Zähler, bevor er sich im weiteren Verlauf mit einem Minus von rund 1,4 Prozent dem Trend anderer Handelsplätze wie London, Paris oder Madrid anschloss. Der Euro-Stoxx-50-Index für die wichtigsten Börsenwerte des Euro-Raums gab um 1,5 Prozent nach.

In Hongkong verlor der Hang-Seng-Index bis zum Handelsschluss mehr als zwei Prozent. Besonders unter Druck gerieten Immobilienwerte, was Händler darauf zurückführten, dass die Zinssenkungen nicht ausreichen könnten, um die Nachfrage in diesem Bereich zu stimulieren. Hongkong war am Mittwoch dem US-Schritt zu Zinssenkungen gefolgt und hatte den Zinssatz für Tagesgeld auf 5,0 von zuvor 5,5 Prozent zurückgenommen. Hongkong folgt üblicherweise den Zinsschritten der US-Notenbank, da die lokale Währung an den Dollar angelehnt ist.

Tokio reagiert gegen den Markt

In Tokio stiegen die Aktienkurse gegen den weltweiten Markttrend um 7,5 Prozent. Nach Händlerangaben spiegelt dies die Hoffnungen wider, dass nach der japanischen Notenbank nun auch die Regierung konkrete Schritte unternimmt, um den japanischen Banken bei der Bewältigung ihrer derzeit großen Schwierigkeiten mit Problemkrediten zu helfen. Die japanische Notenbank hatte bereits am Montag ihre Zinspolitik gelockert, wodurch unter anderem Banken günstigere Kredite aufnehmen können. Die Finanzmärkte in Tokio waren am Dienstag auf Grund eines Feiertags geschlossen gewesen und konnten deshalb erst am Mittwoch auf den Schritt reagieren.

Diesmal verpuffte die Wirkung

Tendenziell ziehen Zinssenkungen steigende Aktienkurse nach sich, weil sich dadurch unter anderem Kredite für Unternehmen verbilligen und über ebenfalls billigere Kredite für Verbraucher die Konjunktur angekurbelt werden soll. Eine Zinssenkung der US-Notenbank von zumindest 50 Basispunkten war von den Märkten allerdings bereits erwartet worden und daher nach Aussagen vieler Finanzexperten schon in den Kursen enthalten. Deshalb hatten Händler bereits im Vorfeld des Zinsbeschlusses gesagt, nur eine Senkung um mindestens 75 Basispunkte würde einen positiven Effekt auf die Aktienkurse haben. Andere Händler hatten dagegen darauf verwiesen, dass ein deutlicherer Zinsschritt den Eindruck wecken könnte, dass die US-Notenbank die Verfassung der US-Wirtschaft extrem schlecht beurteile, was ein negatives Signal für die Märkte bedeutet haben könnte.

Schwacher Dollar sollte Euro profitieren lassen

Der Euro stieg nach dem Zinsentscheid zeitweise um mehr als einen Cent auf 0,9125 Dollar und damit den höchsten Stand seit rund einer Woche. Händler sagten, die Hinweise der Fed auf weitere Risiken der US-Konjunktur und in diesem Zusammenhang von Marktteilnehmern geäußerte Befürchtungen über eine länger anhaltende Schwäche der US-Wirtschaft versprechen für die Entwicklung des Dollar-Kurses nichts Gutes. Am Vormittag sank der Wert des Euro wieder unter 0,90 Dollar. Auslöser war ein unerwartet schlecht ausgefallener Ifo-Geschäftsklimaindex, der als Barometer für die Stimmung der deutschen Wirtschaft im Februar auf den tiefsten Stand seit Juli 1999 gesunken war.

An den Anleihemärkten stieg der richtungweisende Euro-Bund-Future in der Spitze um mehr als 40 Ticks auf 109,95 Punkte, die zehnjährige Bundesanleihe Januar 2011 legte auf 104,49 von zuvor 104,15 Stellen zu und rentierte damit mit 4,66 Prozent. Händler in den USA hatten bereits zuvor gesagt, nach der Enttäuschung an den Aktienmärkten werde Kapital in fest verzinsliche Wertpapiere umgeschichtet.


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