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Weltwirtschaft: Das Schreckgespenst Rezession geht um

Die Vereinten Nationen und die Weltbank warnen wegen der drohenden Rezession in den USA und Japan vor einer weltweiten Wirtschaftskrise. Selbst optimistische Experten messen der Entwicklung des US-Arbeitsmarktes nicht nur nationale Bedeutung zu.

An den weltweiten Finanzmärkten geht das Schreckgespenst Rezession herum: Die Vereinten Nationen und die Weltbank warnen vor einer globalen Wachstumskrise. Auch die US-Investmentbank Goldman Sachs erwartet 2008 einem Rückgang der Wirtschaftsleistung in den USA und fürchtet, dass Japan folgen könnte. Andere Experten warnen vor zu viel Pessimismus: Zwar sei ein Einbruch in den USA heute wahrscheinlicher als in vergangenen Monaten. Am Ende werde es aber darauf ankommen, wie sich der Arbeitsmarkt in der größten Volkswirtschaft der Welt entwickele und damit die Einkommenssituation der Menschen.

"Für uns ist es keine ausgemachte Sache, dass sich die US-Wirtschaft in eine Rezession bewegt", sagt Frank Hübner, US-Experte beim Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim. Er räumt aber ein: "In den letzten Wochen hatten wir Daten, die die Angst vor einer Rezession verstärkt haben." Auslöser für die jüngste Unruhe war der schwache Arbeitsmarktbericht von vergangener Woche, der einem bereits enttäuschenden Einkaufsmanagerindex gefolgt war. "Es ist schwierig, die Rezessionsängste an einer Datenzahl festzumachen", sagt Hübner. "Die beiden Datenpunkte hintereinander haben aber das Thema aufkommen lassen."

Wirtschaftswachstum könnte mit dem Konsumrausch enden

Ein schwerer Durchhänger auf dem Arbeitsmarkt wäre fatal. Er könnte den jahrelangen Konsumrausch der US-Bürger abwürgen, mit dem sie das Wirtschaftswachstum angefeuert haben. An den anderen Risiken hat sich in jüngster Zeit dagegen nichts Wesentliches verändert: Die Finanzmarktkrise, der hohe Ölpreis und ein schwacher Dollar - alles keine neuen Faktoren.

"Wir glauben zwar, dass der private Konsum schwächer wird, aber robust bleibt", sagt Uni-Credit-Volkswirt Andreas Rees. Neue Stellen wurden in den USA zuletzt vor allem von der öffentlichen Hand eingerichtet, während konjunktursensible Bereiche Jobs abbauten. "Weil wir Wahljahr haben, ist es unwahrscheinlich, dass der Staat plötzlich keine Stellen mehr schafft", sagt Rees. Uni-Credit schätzt die Wahrscheinlichkeit eines Abrutschens der USA in eine Rezession deshalb auf lediglich 25 Prozent.

DIW rechnet mit Konjunkturabkühlung

Auch Joachim Volz, Konjunkturexperte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, rechnet in diesem Jahr nicht mit einer Rezession, aber mit einer Konjunkturabkühlung. Konkret erwartet das DIW ein Wachstumsplus von 1,9 Prozent. Bei der letzten Rezession 2001 schafften die USA sogar noch ein Wachstum von 0,8 Prozent. Lediglich in zwei Quartalen war es damals zu einem leichten Schrumpfen gekommen. "Und nach einem Jahr war der Wachstumsausfall eingeholt", sagt Hübner.

Tendenziell werden Rezessionen - mindestens zwei aufeinander folgende Quartale mit nachlassender Wirtschaftsleistung - kürzer. "Wenn wir sie sehen, dann im zweiten und dritten Quartal und zwar um jeweils ein Prozent", sagt Hübner: "Das ist nicht viel, das wäre eher eine flache Geschichte." Eine Domino-Rezession in Deutschland sehen die Experten aber keinesfalls. "Es würde sicherlich Spuren hinterlassen, weil die Nachfrage aus den USA entfallen würde. Auch der Dollar wird dann noch schwächer werden und für die deutschen Exporte ein Problem. Ich warne aber vor zu viel Pessimismus", sagt Volz. Die stärksten Wachstumsimpulse kämen anders als vor 20 oder 30 Jahren aus den Schwellenländern, und nicht mehr den USA.

Kerstin Schraff/Reuters / Reuters