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Grünländer-Käse "Freilaufkühe", die nicht rausdürfen, sind die Werbelüge des Jahres

Grünländer Käse
"Goldener Windbeutel 2020": Der Grünländer-Käse von Hochland stammt aus Milch von "Freilaufkühen", die den Stall nie verlassen dürfen
© Foodwatch
Der Grünländer-Käse von Hochland ist bei einer Online-Abstimmung von Foodwatch zur "Werbelüge des Jahres" gekürt worden. Die Kritik entzündet sich am Begriff "Freilaufkühe" – denn die stehen nur im Stall.

Der Käsereikonzern "Hochland" hat den Schmähpreis des "Goldenen Windbeutels 2020" gewonnen. Bei einer Online-Abstimmung der Verbraucherorganisation Foodwatch setzte sich der Grünländer-Käse des Herstellers gegen vier Konkurrenten durch. Rund 44 Prozent der 65.000 abgegebenen Stimmen entfielen auf den Käse, wie Foodwatch mitteilte.

Dabei hat sich Hochland solche Mühe gegeben, seinem Käse ein grünes Image zu verpassen. Schon der Name "Grünländer" deutet in diese Richtung, dazu kommt eine grüne Verpackung und angeblich sogar eine "grüne Seele". Tatsächlich ist der Käse laut Hersteller frei von Gentechnik und künstlichen Zusätzen.

"Fantasiebegriff Freilaufkühe"

Den Titel "Werbelüge des Jahres" verdient sich der Konzern aber mit einem weiteren Werbeversprechen, das auch noch auf der Verpackung untergebracht ist: "Milch von Freilaufkühen" heißt es dort – obwohl die Kühe ausschließlich im Stall gehalten werden. "'Freilaufkühe' ist ein reiner Fantasiebegriff – Hochland gaukelt seiner Kundschaft ein Weide-Idyll vor und täuscht ausgerechnet jene Verbraucherinnen und Verbraucher, die bewusst Produkte auswählen, von denen sie sich eine bessere Tierhaltung versprechen", kritisiert Manuel Wiemann von Foodwatch.

Hersteller Hochland erklärte in einem Statement gegenüber dem stern: "Für unsere Marke verwenden wir ausschließlich Milch von Kühen, die sich jederzeit frei im Stall bewegen können und nicht angebunden sind. Deshalb hält Hochland die Kritik für nicht angemessen und nimmt den "Preis" nicht an. Dass die Kühe im Stall gehalten werden, sei auf der Verpackungsrückseite erläutert.

Foodwatch zufolge ist der sogenannte Laufstall in Deutschland der Normalfall und keine Besonderheit. Die Verbraucherorganisation will der Firma nun sogar die "irreführende Vermarktung von Grünländer" untersagen lassen und hat sich in der Sache an die zuständige Lebensmittelbehörde in Kulmbach gewandt. Als Argument lieferte Foodwatch die Ergebnisse einer eigens in Auftrag gegebenen Umfrage mit: Laut der repräsentativen Befragung vermuten acht von zehn Menschen, dass "Freilaufkühe" in irgendeiner Form Weidezugang haben müssen.

Auf Platz zwei der Windbeutel-Abstimmung landete der Volvic Bio Rooibos-Tee von Danone Waters wegen seines geringen Rooibos-Tee-Anteils. Auf Platz drei folgt die Weidemilch von Arla wegen zweifelhafter CO2-Reduktionsversprechen auf der Verpackung.


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