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Werbung: Siegeszug der Riesenposter

Sie hängen an Baugerüsten und Fassaden und machen Werbung in XXL: Mit Riesenpostern so hoch wie Häuserfronten suchen Firmen in deutschen Städten an immer neuen Plätzen den ganz großen Auftritt.

Vor allem Markenartikler wie Textilketten, Telefonanbieter und Autobauer bringen sich für besondere Kampagnen spektakulär in Stellung. Denn in Zeiten von Konsumflaute und Reklameflut ist es schwerer geworden, überhaupt noch aufzufallen und Kunden anzulocken. Neben dem klassischen Plakat als Rückgrat der Außenwerbung setzt die Wirtschaft zusehends auch auf aufwendige Extras.

An Straßenkreuzungen und Fußgängerzonen in Berlin, Hamburg oder Köln buhlen inzwischen immer mehr überlebensgroße Werbeträger um die Blicke der Passanten. Die Zahl der Standorte verdreifachte sich binnen fünf Jahren auf mehr als 600, wie es beim Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) heißt. Im Vergleich zur Masse von mehr als 400 000 Werbeflächen aller Art ist das zwar eher bescheiden. Doch die Schlagkraft der Werberiesen gilt als enorm.

In Deutschland sind die Großbanner noch seltener als im Ausland. Sie schaffen eine hohe Aufmerksamkeit, heißt es denn auch bei der Deutschen Telekom, die mit dem Einsatz von Riesenpostern mobile Menschen etwa für ihre Handydienste ansprechen will. Auch die Modekette Hennes & Mauritz lässt in Großstädten meterhohe Models in Bluse oder Bikini von Plakaten lächeln. Besonders neue Produkte lassen sich so in einer ersten Stufe bekannt machen, sagt ZAW- Sprecher Volker Nickel. Dies könne eine Werbekampagne jedoch nur ergänzen. "Aufsehen ist noch kein Ansehen."

Nachts wird beleuchtet

Werbebotschaften ins Megaformat zu bringen, ist Aufgabe für Fachleute - schon bevor die Monteure losklettern, um die teils mehr als 1000 Quadratmeter großen Poster an Gerüsten zu befestigen. Dienstleister wie die Münsteraner blowUP media - Tochter des größten deutschen Außenwerbers Ströer - oder Plakativ in München haben sich auf die Organisation spezialisiert.

An Ausfallstraßen und belebten Plätzen reservieren sie Flächen und bezahlen Hauseigentümer für das Nutzungsrecht. Bei der Herstellung der Poster ist digitale Technik gefragt, um Motive und Schriften in extremer Größe auf etwa fünf Meter breite Bahnen zu drucken. Dann werden sie zum großen Ganzen verschweißt. Manche Megaplakate sind aus Folien, andere aus winddurchlässigen Vinylnetzen - so können die Arbeiter hinter dem Baugerüst hindurchsehen. Zum Werbeauftritt, der meist vier Wochen läuft, gehört auch die nächtliche Beleuchtung mit Strahlern.

Mehr Image als Produktwerbung

Manchmal kommen Werbehüllen auch an Bauten, an denen sonst nie Plakate hängen - vom Kirchturm bis zum historischen Gemäuer. Das Motto, sagt Rüdiger Wulf, Vertriebsleiter bei blowUP media: "Da sein, auffallen, weg." Statt der Präsentation von Produkten geht es dabei oft um Imagewerbung. Als das Brandenburger Tor in Berlin von Ende 2000 an saniert wurde, verschwand es für knapp zwei Jahre unter einer gigantischen Plane mit dem Logo der Telekom - der Konzern zahlte dafür monatlich 180 000 Euro, die in die Sanierung flossen.

Größe ist aber selbst bei Riesenpostern mittlerweile nicht immer genug. Im Wettbewerb mit anderen Werbeträgern von der Litfaßsäule bis zu neuen elektronischen Medien sank hier der Nettoumsatz 2004 nach Jahren mit Zuwächsen auf 31,2 Millionen Euro. Doch mit technischen Extras haben viele Megaplakate schon die nächste Stufe erreicht: Autos oder Flugzeugcockpits ragen dreidimensional hervor, und im Dunkeln scheint auf dem Poster eine künstliche Abendsonne.

Sascha Meyer/DPA