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Analyse

Vorwahlen der US-Demokraten: Keine Chance gegen Biden: Das Ende von Bernie Sanders

Joe Biden setzt seinen Siegeszug bei den Vorwahlen der US-Demokraten fort. Für Bernie Sanders wird es im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur äußerst knapp – eine realistische Chance hat er nicht mehr, analysiert unser Korrespondent in den USA.

Bernie Sanders, Präsidentschaftsbewerber der US-Demokraten

Bernie Sanders, Präsidentschaftsbewerber der US-Demokraten

AFP

Michigan sollte die Wende bringen für Bernie Sanders. Michigan war so etwas wie seine letzte Chance. So wie South Carolina vor zwei Wochen für Joe Biden die Wende brachte. So wie South Carolina Bidens letzte Chance war.

Biden nutzte sie.

Sanders nicht.

Bernie Sanders verlor Michigan gestern deutlich. Aber er verlor nicht nur in Michigan. Er verlor auch in Mississippi – wie es zu erwarten war. Und in Missouri – wie es nicht unbedingt zu erwarten war. Ergebnisse aus den Bundesstaaten Idaho, North Dakota und Washington standen zunächst aus.

Und er verlor bei den Wählern, die ihm eigentlich nahestehen: weiße Männer und Frauen ohne Hochschulbildung.

Bernie Sanders, Präsidentschaftsbewerber der US-Demokraten

Bernie Sanders, Präsidentschaftsbewerber der US-Demokraten

AFP

In anderen demographischen Gruppen war er gegen Biden ohnehin chancenlos: bei Schwarzen. Bei den Frauen der Vorstädte. Vor allem bei älteren Menschen über 65.

So blieben Sanders nur die jungen Wähler. Unter den Jungen ist er deutlich beliebter. Aber sie gehen in den USA kaum zur Wahl. Sanders‘ großes Versprechen, junge Wähler in Scharen für seine Politik zu begeistern, ist wieder mal nicht eingetreten.

Auch die große Koalition, von der er schwärmte – Latinos, Schwarze, Asiaten, Weiße – hat er nicht bilden können.

Und jetzt?

Jetzt bleibt ihm nicht mehr viel. Am kommenden Dienstag ist er in Florida chancenlos, vermutlich auch in Illinois, Arizona und Ohio – und eine Woche später in Georgia erst recht.

Jetzt bleibt nur noch die Frage: Aufgeben und sich mit Biden frühzeitig gegen Trump vereinen? Oder weitermachen, die Vorwahlen in allen verbleibenden Staaten ausfechten, bis tief in den Juli hinein, bis zum Nominierungsparteitag in Milwaukee?

Ein verdammt langer, beschwerlicher, ermüdender Ritt.

Bernie Sanders gilt nicht gerade als Pragmatiker

Wird es so sein wie vor vier Jahren, als er Hillary Clinton das Leben schwermachte? Oder geht er auf Biden zu und Biden auf ihn? Biden könnte einige seiner politischen Forderungen mit aufnehmen und die Gemeinsamkeiten betonen. Sanders könnte seine Anhänger motivieren, sich diesmal 100 Prozent gegen Trump einzusetzen.

Aber Sanders gilt nicht gerade als Pragmatiker. Schon gar nicht als Versöhner. Eher als Sturkopf. Er ist nicht mal Demokrat. Er fühlt sich der Partei nicht verpflichtet. Schon gar nicht dem Establishment.

Und Joe Biden ist der Inbegriff von Establishment.

Sanders mag den Menschen Biden. Aber er ist kein Fan seiner Politik. Er ist ihm zu konservativ, zu anbiedernd, Biden will das System nicht ändern.

Sanders will das System ändern. Er hat auch schon die Feinde benannt, die ihn am Sieg hinderten: Medien und Establishment.

In den sozialen Medien kokettieren viele Bernie-Anhänger schon damit, dass sie dann im November eben nicht wählen werden. Jedenfalls nicht für Biden. Oder einfach "Bernie" auf den Wahlzettel schreiben. Sie nehmen damit in Kauf, dass Trump wiedergewählt wird. Genauso wie sie schon 2016 in Kauf nahmen, dass Trump gewählt wurde.

Keine realistische Chance

Die großen Auftritte der Kandidaten fielen gestern übrigens aus. Wegen des Coronavirus wurden sie abgesagt. Sanders gab nichts von sich, außer auf Twitter, dass das Establishment der Demokraten ihn nicht werde stoppen können.

Biden trat wenigstens ohne Publikum in Philadelphia auf, staatsmännisch, vereinend, fast sanft. Er bedankte sich bei Bernie Sanders und seinen Anhängern für die Energie und blickte schon nach vorne zu den Wahlen gegen Trump im November.

Auch weitere politischen Veranstaltungen der beiden Kandidaten dürften ausfallen. Die nächste Debatte am Samstag in Arizona findet bereits ohne Publikum statt.

Wenn sie denn stattfindet.

Wenn Sanders nach dem Debakel vom 10. März überhaupt weitermacht.

Eine realistische Chance hat er – sollte nichts Unvorhersehbares passieren – nicht mehr.

fs