Werksumzug Nokia spart in Rumänien Steuern


Neues Detail im Drama um die Schließung des Nokia-Standortes Bochum: Der geplante Umzug nach Rumänien bringt den Finnen Steuervorteile. Für die nächsten 30 Jahre zahlt Nokia unter Einhaltung bestimmter Auflagen keine Immobiliensteuer.

Dem finnischen Handy-Hersteller Nokia wird für die nächsten 30 Jahre an seinem neuen Standort im rumänischen Jucu bei Cluj die Immobiliensteuer erlassen. Falls Nokia vor dieser Frist den Standort verlasse, müssten die Finnen diese Steuern für Grundstück und Fabrikhallen rückwirkend zurückbezahlen. Das erklärte am Donnerstag der Direktor der Industriepark-Gesellschaft Tetarom, Viorel Gavrea, zu der auch das Nokia-Gelände gehört.

Die Vereinbarung solle in zwei Monaten in einem Vertrag mit den rumänischen Behörden festgehalten werden, sagte Gavrea weiter. Alle anderen Investoren, die sich dort niederlassen, darunter vier Nokia-Zuliefererbetriebe, sollen diese Vergünstigung ebenfalls erhalten.

Die Profitsteuer, die zentral als Bukarest erhoben wird, müsse Nokia aber bezahlen, hatten die Behörden bisher erklärt. Sie liegt in Rumänien einheitlich bei 16 Prozent.

Eklat beim Treffen europäischer Gewerkschafter

Bei einem Treffen europäischer Arbeitnehmervertreter von Nokia ist es wegen der geplanten Schließung des Bochumer Werks zu einem Eklat gekommen. Die deutschen Vertreter hätten ein Treffen mit finnischen Gewerkschaftskollegen in Brüssel am Mittwoch verlassen, nachdem diese die Konzernpolitik rechtfertigt hätten, sagte die Betriebsratsvorsitzende von Nokia Bochum, Gisela Achenbach. Die finnischen Kollegen hatten sich auf die Seite des Unternehmens gestellt und um Verständnis dafür geworben, dass ein Standort geschlossen werden müsse. Nokia sei ein globales Unternehmen.

Solidaritätsaktionen in Bochum

Mit unkonventionellen Methoden versuchen unterdessen Theatermacher und Musiker die Arbeiter des von der Schließung bedrohten Bochumer Nokia-Werks zu unterstützen. Im Foyer des Bochumer Schauspielhauses hat Intendant Elmar Goerden dazu eine "Nokia-Tonne" aufstellen lassen. Binnen einer Woche hätten etwa 20 Theaterbesucher aus Verärgerung über das finnische Unternehmen nach der Vorstellung dort ihre Handys hineingeworfen, sagte ein Theatersprecher am Donnerstag. Die gesammelten Handys würden direkt an die Konzernzentrale nach Finnland geschickt.

Bereits gut 1000 Bühnenfreunde hätten die blau-weißen Postkarten des Theaters "Nokia muss in Bochum bleiben" mit ihren Argumenten für den Erhalt des Standortes ausgefüllt, sagte der Sprecher des Schauspiels der Ruhrgebietsstadt. Die an Nokia-Vorstandsvorsitzenden Olli-Pekka Kallasvuo persönlich adressierten Postkarten werde die Bochumer Bühne nach Finnland weiterleiten. Als Zeichen der Solidarität hatte das Schauspielhaus Bochum bereits kürzlich bei einer Großdemonstration einen musikalischen Beitrag beigesteuert.

Auch die Bochumer Symphoniker planen für Samstag ein Konzert für die Handy-Arbeiter. Der Eintritt zu dem einstündigen Konzert mit Opern- und Ballettmelodien sei zwar frei, sagte eine Sprecherin der Symphoniker: "Wir freuen uns aber über Spenden für zukünftige Aktionen des Nokia-Betriebsrates."

DPA/Reuters DPA Reuters

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