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Wertberichtigung: HVB muss Milliarden abschreiben

Die Hypovereinsbank, Deutschlands zweitgrößte Bank, muss ihr Immobilienvermögen neu bewerten, bei der Abschreibung geht es um einen Verlust von insgesamt 2,5 Milliarden Euro. Die Dividende für 2004 wird gestrichen.

Die HypoVereinsbank (HVB) muss eine Sonderwertberichtigung auf Immobilienkredite vornehmen und wird dadurch einen Milliardenverlust ausweisen. Dabei handelt es sich um Sonderwertberichtigungen mit einem Volumen von 2,5 Milliarden Euro, teilte die HypoVereinsbank AG überraschend am Freitag in München mit. Die Dividende soll wie schon für die vorangegangenen beiden Geschäftsjahre ausfallen. Darauf wurde die HVB-Aktie an der Frankfurter Börse bis 12:40 Uhr vom Handel ausgesetzt. Damit kommt die zweitgrößte deutsche Bank weiterhin nicht zur Ruhe: Nach Milliardenverlusten, Kapitalerhöhung und einer Konzernaufspaltung in den vergangenen Jahren machen derzeit neue Übernahmegerüchte die Runde. Zudem will Konzern-Chef Rampl bis Ende Februar Einzelheiten des geplanten Sparprogramms bekannt geben. Dem könnten noch einmal mehrere tausend Arbeitsplätze in Deutschland zum Opfer fallen. Nach enttäuschenden Ergebnissen im vergangenen Jahr steht Rampl unter Druck, Ergebnisse zu liefern.

Gesamtvolumen 15 Milliarden Euro

Auf Grund der anhaltend schwierigen Situation auf den deutschen Immobilienmärkten hat der Vorstand eine strategische Neuausrichtung für das Geschäftsfeld Deutschland beschlossen. Um einen beschleunigten Abbau von Risiken zu ermöglichen, sollen risikobehaftete Immobilien-Altengagements gebündelt und marktfähig gemacht werden. Die Sanierungsbestände des gesamten deutschen Immobilienfinanzierungsgeschäfts der HVB AG werden in das neue Segment "Real Estate Restructuring" überführt, es geht um eine Volumen von etwa 15 Milliarden Euro.

Im Kern strukturiert die HVB nun ihr problembeladenes Inlandsgeschäft um, dessen Ertrag bislang stark durch Risiken aus Immobilienfinanzierungen belastet war. Im dritten Quartal 2004 hatte die HVB nur noch einen marginalen Konzerngewinn von sechs Millionen Euro ausgewiesen, weil sich der Betriebsverlust der Inlandssparte stark ausgeweitet hatte. Ziel der jetzigen Maßnahme sei es, die dem Segment "Real Estate Restructuring" zuzuordnenden Immobilienportfolien marktschonend ganz abzubauen, erklärte die HVB. Die Verantwortung dafür übernimmt Immobilien-Experte Johann Berger, der sein Vorstandsamt Anfang April antritt. Die HVB betonte, die private Immobilienfinanzierung bleibe wie bisher zentraler Bestandteil des Produktangebots der Bank. In der kommerziellen Immobilienfinanzierung jedoch würden die Vergabekriterien nochmals verschärft.

Keine Angaben zur Höhe des Verlustes

Wie hoch der Jahresverlust 2004 am Ende ausfällt, gab die HVB nicht bekannt. Ein Sprecher sagte, die Wertberichtigungen seien nicht gleichzusetzen mit dem Verlust. In den ersten neun Monaten hatte die HVB 214 Millionen Euro Gewinn verbucht. 2003 hatte der Verlust der Bank 2,4 Milliarden Euro betragen.

An der Börse wurde die HVB-Aktie zeitweise vom Handel ausgesetzt. Nach Wiederaufnahme des Handels legte die Aktie in einem schwächeren Gesamtmarkt um ein Prozent auf knapp 18 Euro zu, da Marktteilnehmer den Schritt offenbar als Bereinigung auf dem Weg zu einer denkbaren Fusion werteten. "Da werden die letzten Leichen aus dem Keller gekehrt", sagte ein Händler.

Weitere Kapitalerhöhung wäre ratsam

Die Rating-Agentur Standard & Poor's kündigte an, eine Herabstufung der Bonität der HVB von bisher "A-" zu prüfen, was die Refinanzierung der Bank verteuern würde. Finanzexperten erklärten, mit einer Kernkapitalquote von nun sechs Prozent sei eine erneute Kapitalerhöhung ratsam. "Die entscheidende Frage ist, ob das endlich das Ende der Wertberichtigungen war. Wenn nicht, wird die HVB bei den Rating-Agenturen abgestraft werden, zumal keine Kapitalerhöhung angekündigt worden ist", sagte ein Frankfurter Fondsmanager. Mit einem Rating im B-Bereich sei die HVB nicht überlebensfähig. "Eine Kapitalerhöhung wäre ratsam." Ähnlich äußerte sich Bank-Analyst Metehan Sen vom Bankhaus Sal. Oppenheim: "Die Bank schreibt seit Jahren ständig ab und die Leute fragen sich natürlich, ob das Ende erreicht ist. Danach sieht es nicht aus, und das ist enttäuschend."

Reuters / Reuters