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Flughafenshops: Prada lässt die Kassen klingeln

Die Zeiten sind vorbei, in denen Flughäfen vor allem mit Start- und Landegebühren Geld verdienten. Heute spülen Prada-Shops und Spielcasinos Geld in die Kassen. Da sind harte Bestimmungen fürs Handgepäck nicht gerade willkommen.

Der Erlös aus Handel und Gastronomie - das so genannte Retailgeschäft - ist für Flughäfen zur unverzichtbaren Einnahmequelle geworden. Deshalb lassen die verschärften Sicherheitsvorschriften für das Handgepäck seit den vereitelten Flugzeug-Anschlägen von London die Branche aufschrecken.

Reibach durch Umsatzbeteiligungen

"Das Retailgeschäft ist sehr profitabel für Flughäfen, es wird dort mehr Geld verdient als in anderen Bereichen", sagt Luftfahrtexperte Christoph Brützel. Bei der Frankfurter Betreibergesellschaft Fraport etwa steuerte die Sparte "Retail & Properties", zu der auch das Parkraum-Management und die Vermietung von Immobilien gehört, im vergangenen Jahr mehr als die Hälfte zum Betriebsergebnis bei - bei einem Anteil am Gesamtumsatz von 18 Prozent. Für jeden Kaffee und jeden Koffer, der über den Ladentisch geht, erhalten Flughafenbetreiber eine Umsatzbeteiligung. Hinzu kommen Mieten von den Ladenbesitzern.

Für viele Flughäfen ist das Retailgeschäft mehr als nur eine zusätzliche Einnahmequelle. "Vor allem verlustreiche Regionalflughäfen, die meist nur sehr wenig mit Gebühren für Starts und Landungen verdienen, können nur mit den Zusatzgeschäften überhaupt in die schwarzen Zahlen kommen", erklärt Analyst Uwe Weinreich von der HypoVereinsbank (HVB). Einer davon ist der Flughafen Hahn, den vor allem der irische Billigflieger Ryanair nutzt. "In diesem Jahr wollen wir erstmals Gewinne schreiben, das wäre ohne das Retailgeschäft nicht so schnell gegangen", sagt Sabine Fusenich, die in Hahn für die Terminalvermarktung zuständig ist.

Kleine Flughäfen fürchten Einbußen

Während an größeren Flughäfen Luxusware ein Wachstumstreiber sei, lebten Regionalflughäfen vor allem von der Wegzehrung, die die Passagiere mit in die Maschinen nähmen, erklärt HVB-Experte Weinreich. "Bei europäischen und innerdeutschen Verbindungen muss man froh sein, eine Zeitung oder eine Flasche Wasser zu verkaufen." Branchenkenner rechnen deshalb durch die schärferen Sicherheitsvorschriften gerade bei den Kleinen mit Einbußen.

Seit die britische Polizei vor wenigen Tagen Anschläge auf Flugzeuge in London knapp verhindert hatte, bleiben Parfum und Whisky oft in den Regalen stehen. Passagiere von Flügen in die USA und nach Großbritannien dürfen im Handgepäck nur noch das Allernötigste mitnehmen - jede Flasche und jede Cremetube gilt als mögliches Behältnis für Flüssigsprengstoff. Inhaber von Duty-Free-Läden klagen schon über Umsatzeinbrüche. "Wenn es bei den jetzigen Sicherheitsvorschriften bleibt, müssen wir in diesem Jahr mit zehn Prozent Einbußen rechnen", prognostiziert Gunnar Heinemann, Mitinhaber der Hamburger Firma Gebr. Heinemann, einer der größten Duty-Free-Ketten. Gut 70 Prozent der Gesamterlöse erwirtschaftet Heinemann mit Kosmetika und Spirituosen.

Einkäufe ins Flugzeug geliefert

Mit Hochdruck arbeiten Ladeninhaber und Flughafenbetreiber deshalb an Lösungen. Am Frankfurter Flughafen etwa wird die Ware nach dem Einkauf im Duty-Free-Laden in einer Tüte verschweißt, mit der Flugnummer versehen, von einem Boten abgeholt und dem Passagier beim Einstieg ins Flugzeug persönlich übergeben.

Kosten und Auswirkungen für die Beteiligten lassen sich nach Ansicht von Experten bisher nur schwer abschätzen. "Sollten die Vorschriften im schlimmsten Fall künftig für alle Flüge gelten, wäre es ein großes Problem für die Branche", warnt Luftfahrtanalyst Nils Machemehl von MM Warburg.

Shop-Flächen werden ausgebaut

Wie groß die Unterschiede im Einzelhandel an Flughäfen sind, zeigt der so genannte Retail-Erlös, der für Börsianer inzwischen eine wichtige Messgröße zur Bewertung von Flughäfen ist. Jeder Passagier, der in den Läden und Restaurants in Hahn einkauft, bringt dem Flughafen einen Durchschnittsumsatz von weniger als einem Euro - aber mit steigender Tendenz. Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt liegt der Retail-Erlös bei 2,57 Euro, in London-Heathrow sogar bei mehr als sechs Euro. Bis 2012 will Frankfurt auf vier Euro kommen. Dafür sollen die Flächen für Gastronomie und Handel in den kommenden fünf Jahren auf mehr als 27.000 Quadratmeter fast verdoppelt werden.

Patricia Nann/Reuters / Reuters