Wirtschaftsfaktor Weihnachtsmarkt "Ramsch und Rummel war gestern"


Für viele ist der Besuch des Weihnachtsmarkts das Highlight nach dem Einkaufsbummel, für die Wirtschaft sind sie wichtige Magneten im Weihnachtsgeschäft.

Für die einen ist es das Highlight nach dem weihnachtlichen Einkaufsbummel mit der Familie - für andere ein zusätzliches Event im Jahr. Lichterzauber und der Duft von Glühwein und Lebkuchen locken alle Jahre wieder Millionen von Menschen in den Wochen vor dem Fest auf die Weihnachtsmärkte. Doch nicht nur die Budenbesitzer mit ihrem Angebot von Christbaumschmuck, Kunsthandwerk und süßem Allerlei profitieren von dem vorweihnachtlichen Besucherstrom. Auch bei Einzelhändlern, Restaurantbesitzern und Hoteliers klingeln ordentlich die Kassen.

Die Märkte sind wichtige Magneten im Weihnachtsgeschäft, freut sich der Handelsverband HDE. "Die Lust auf Weihnachten kommt erst durch die Weihnachtsmärkte und die Dekoration der Städte auf. Davon profitiert auch der Einzelhandel", betont Branchensprecherin Ulrike Hörchens.

Im vergangenen Jahr wurden rund 160 Millionen Besucher auf den mehr als 2500 Weihnachts- und Christkindlmärkten in Deutschland gezählt. Sie gaben fast fünf Milliarden Euro bei den Markthändlern sowie in den umliegenden Geschäften, Gasthäusern und Hotels aus: Pro Marktbesucher sind das im Schnitt 31,14 Euro. Davon fließen gut neun Euro in die Kassen der Einzelhändler, ermittelte der Bundesverband der Schausteller und Marktkaufleute.

Der deutsche Weihnachtsmarkt ist immer mehr Exportschlager

Allein in Berlin locken mehr als 50 Weihnachtsmärkte Besucher aus dem In- und Ausland an. "Die Weihnachtsmärkte haben immer mehr Eventcharakter" betont Natascha Kompatzki von der Berlin Tourismus Marketing. Insbesondere in der Hauptstadt sei für jeden Geschmack etwas dabei - bis hin zum schwul-lesbischen Weihnachtsmarkt.

Mit Eislaufflächen, Rodelbahnen oder riesigen Pyramiden- und Adventskalendern versuchen die Organisatoren die Attraktivität der Märkte jedes Jahr zu steigern. Beim Budenzauber geht der Trend zu immer mehr Qualität mit historischen, kunsthandwerklichen oder gar mittelalterlichen Akzenten. "Der Weihnachtsmarkt ist schon längst nicht mehr eine reine Verkaufs- und Fressveranstaltung wie noch vor 30 Jahren", betont auch Hans-Peter Arens, Chef des Schaustellerverbandes. Heute würden Betriebe sich dort sogar zu ihren Weihnachtsfeiern treffen.

Die Märkte locken auch zunehmend Touristen aus dem Ausland an, vor allem in den Grenzregionen. Viele kommen auch mit den zahlreichen Billigfliegern angereist. Besonders beliebt sind der Striezelmarkt in Dresden und der traditionsreiche Nürnberger Christkindlmarkt. Der deutsche Weihnachtsmarkt ist zudem immer mehr Exportschlager. Mittlerweile werden in den USA, Japan, Großbritannien und Italien Märkte mit deutscher Hilfe organisiert. So eröffnete in der Chemnitzer Partnerstadt Akron im US-Staat Ohio schon zum zweiten Mal ein Weihnachtsmarkt nach erzgebirgischen Vorbild. Sächsische Räuchermännl und Dresdner Stollen sind dort der Renner.

"Die Märkte sind wichtiger Wirtschaftsfaktor"

Von den Weihnachtsmärkten profitiert auch das Gastgewerbe. "Reiner Rummel und Ramsch, das war gestern. Die Märkte sind wichtiger Wirtschaftsfaktor", sagt Stefanie Heckel vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband. Viele Hotels werben in der Vorweihnachtszeit mit ihren örtlichen Christkindlmärkten. Mit allein 133 Angeboten lockt in diesem Jahr die TUI in ihrem Katalog "Weihnachten und Silvester". "Die Weihnachtsmärkte sind ein zusätzlicher Anreiz beim Städtetourismus", heißt es bei Deutschlands führendem Reiseveranstalter.

Die Hamburger Hotels rechnen zu Weihnachten und Silvester mit rund 450.000 Übernachtungen, 7 Prozent mehr als Vorjahr. Auch in Berlin will die Tourismusbranche ihr Vorjahresergebnis toppen. Allein im vergangenen Jahr wurden hier durch die Aktion "Winterzauber" rund 1,23 Millionen zusätzliche Übernachtungen verbucht worden. Die Hotels konnten ihre Auslastung auf bis zu 80 Prozent steigern. Rund 25 Millionen Euro zusätzliche Steuereinnahmen flossen in die öffentlichen Kassen.

Maren Martell/DPA


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