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962 unbezahlte Pakete Zalando: "Wir haben kein Problem mit Flüchtlingen"


Ein Jahr lang lieferte Zalando fast 1000 Pakete an eine Flüchtlingsunterkunft, ohne dass diese bezahlt wurden. Nun erklärt das Unternehmen, wie es zu der Panne kam und welche Konsequenzen man daraus zieht.

Der Fall ist ein gefundenes Fressen für alle Flüchtlingsgegner und rechte Hetzer: Bewohner eines saarländischen Flüchtlingsheims haben ein Jahr lang Waren bestellt, ohne diese zu bezahlen. 962 Bestellungen im Wert von rund 180.000 Euro lieferte Zalando für lau. Wer schon immer der Meinung war, dass alle Asylbewerber kriminelle Schmarotzer sind, sieht sich bestätigt.

Rechten Parolen tritt Zalando aber entschieden dagegen. "Wir haben kein Problem mit Flüchtlingen, sondern mit Betrug im Allgemeinen", sagt Zalando-Sprecher Boris Radke im Gespräch mit dem stern. Die Ursache für den Vorfall sieht das Unternehmen nicht in der besonderen kriminellen Energie von Flüchtlingen, sondern in eigenem Versagen.

Fehler im Algorithmus

Ein Fehler im Algorithmus des Zahlungssystems machte es Betrügern zwischen Ende 2014 und Mitte 2015 leicht. Monatelang bot die Zalando-Software in dieser Zeit zu vielen Kunden die Bezahlung per Rechnung an - auch solchen, die nicht unbedingt als besonders vertrauenswürdig anzusehen sind. Für eine Bestellung auf Rechnung verlangt das Unternehmen lediglich einen Namen und eine Adresse und keinerlei sonstige Identifikation oder Sicherheiten.

Weil viele Betrüger die Schwachstelle ausnutzten - und die Rechnung nicht zahlten - hat Zalando für diesen Zeitraum rund 18 Millionen Euro für Zahlungsausfälle zurückgestellt. Angesichts dieser Dimension fallen die saarländischen Paketpreller kaum ins Gewicht. 

Zalando ist "Pro Flüchtlinge"

Zalando betont, das Unternehmen sei auch weiterhin "Pro Flüchtlinge" eingestellt und unterstütze entsprechende Charity-Aktionen. Von einer Sonderbehandlung auf Kosten deutscher Kunden, wie sie manche Wutbürger angesichts des Vorfalls im Saarland vermuten, kann aber keine Rede sein. "Unser System wusste gar nicht, dass dort ein Flüchtlingsheim ist", sagt Zalando-Sprecher Radke. Als die Sache nun aufflog, erstattete Zalando umgehend Anzeige. "Wer betrügt, wird verklagt", sagt Zalando-Sprecher Radke und das unabhängig davon, ob Flüchtling oder nicht. 

Ähnliche Betrugs-Fälle in anderen Flüchtlingsunterkünften sind Zalando nicht bekannt. Man werde grundsätzlich auch weiterhin an Flüchtlingsheime liefern, sagt Radke. Möglicherweise aber nicht mehr auf Rechnung, sondern nur noch gegen Kreditkartenzahlung.


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