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Zumwinkel-Prozess: Vorzeigemanager auf der Anklagebank

Steuersünder Klaus Zumwinkel wird ab heute der Prozess gemacht. Der frühere Chef der Deutschen Post war einst der Vorzeigemanager der Republik, dann hat er den Fiskus betrogen und Steuern hinterzogen. Vor dem Bochumer Landgericht will er nun alles zugeben.

Von Rolf-Herbert Peters und Johannes Röhrig

Schneeflocken tänzeln um die trutzige Burg Tenno. Hoch über dem Gardasee gelegen, bot sie im Mittelalter manch seltsamen Fürsten Unterschlupf. Nun ist sie Bastion eines Unseligen. "Privat - Dr. Z." steht auf der Klingel. Hier wohnt Dr. Klaus Zumwinkel, der frühere Chef der Deutschen Post AG. Er hat das Anwesen vor elf Jahren gekauft und mit Millionenaufwand zum Altersdomizil umbauen lassen. Zumwinkel, 65, bereitet sich hinter den schweren Mauern mit seinen Anwälten auf seinen Gang zum Gericht vor. Laut Anklage soll er dem Staat zwischen 2002 und 2006 insgesamt 917.363 Euro Einkommensteuer und 50.454,96 Euro Solidaritätszuschlag vorenthalten haben.

Auch die Richter am Bochumer Landgericht präparieren sich gut. 59 TV-, Radio- und Zeitungsjournalisten können live dabei sein, wenn der Postmann befragt wird. 41 Bürger, die eine Eintrittskarte ergattern, dürfen durch eine Glasscheibe beobachten, wie Zumwinkel im Sitzungssaal C 204 Farbe bekennt.

Zumwinkel will alles zugeben

Zumwinkel hat Millionen verdient und wollte dennoch den Fiskus betrügen. Als Postchef ließ er sich als Global Player feiern und verbrannte Milliarden bei Fehlkäufen in den USA. Er galt als Ehrenmann und muss sich möglicherweise bald in der Spitzelaffäre bei der Telekom rechtfertigen. Dort war er Chef des Aufsichtsrats. In Bochum steht nicht nur ein Mann wegen Steuerhinterziehung vor Gericht. Geurteilt wird in der Öffentlichkeit auch über die Moral der Manager in Deutschland.

Zumwinkel will alles zugeben, heißt es aus Juristenkreisen. Zumwinkels Anwälte, der Frankfurter Strafverteidiger Hanns Feigen und der Kölner Steuerexperte Rolf Schwedhelm, wollen nicht einmal das Vorgehen des Bundesnachrichtendienstes monieren, der die Liechtensteiner Steuersünderdatei, die auch Zumwinkels Daten enthielt, von einem Hehler gekauft hat. Schon am zweiten Verhandlungstag soll das Urteil verkündet werden.

Die Höchststrafe hat Zumwinkel längst bekommen

Wie hoch das Strafmaß auch ausfällt: Die Höchststrafe hat Zumwinkel längst bekommen. Der frühere Grandseigneur der Deutschland AG ist seit dem Valentinstag 2008 erledigt. Beruflich und gesellschaftlich. Am 14. Februar klingelten um sieben Uhr früh die Steuerfahnder an der Haustür seiner gemieteten Villa im feinen Kölner Stadtteil Marienburg. Dem Hausherren, seiner Frau und den Kindern stand der Schock in den Gesichtern.

Kameraobjektive lugten über den grün-weißen Holzzaun und trugen live jede Bewegung in die Wohnstuben. Wer den Medien die Fahndungsaktion gesteckt hat, bleibt ungeklärt - es gibt Spuren, die ins Berliner Politikmilieu weisen. Irgendjemand wollte an Zumwinkel offenbar ein Exempel statuieren. Und dann dieses Foto, das immer wieder auftauchen wird, wenn gegen die anderen 400 Steuersünder, gegen die aufgrund der Liechtensteiner Steuerdatei Ermittlungen laufen, prozessiert wird: der Postzampano, abgeführt von Staatsanwältin Margrit Lichtinghagen.

Die Wochen nach der Hausdurchsuchung wurden für die Zumwinkels zur Tortur. Reisebusse hielten vor ihrer Kölner Villa. Touristen pilgerten, den Finger auf dem Stadtplan, zum Wohnort des Sünders. Als Clowns verkleidete Protestler sprangen durch den Vorgarten und verteilten symbolisch Steuerschlupflöcher an Passanten.

Inzwischen ist es ruhiger geworden. Während die Zumwinkels in Italien weilen, sieht ein Wachdienst in Köln nach dem Rechten. Die Affäre hat dennoch das ganze Viertel nachhaltig beeindruckt. Bernhard Seiger, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Bayenthal und Nachbar Zumwinkels, verspürt eine "große Nachdenklichkeit". Im März, nach dem Prozess, will er einen Gesprächstag zum Thema "Ethik in der Wirtschaft" abhalten.

Von:

Rolf-Herbert Peters und