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USA Nike-Managerin tritt zurück, nachdem ihr Sohn mit ihrer Kreditkarte Sneakers-Geschäfte machte

Eine Führungskraft bei Nike hat nach 25 Jahren das Unternehmen verlassen, nachdem die Geschäfte ihres Sohns öffentlich wurden
Eine Führungskraft bei Nike hat nach 25 Jahren das Unternehmen verlassen, nachdem die Geschäfte ihres Sohns öffentlich wurden
© John Greim/ / Picture Alliance
Eine erfolgreiche Managerin tritt nach 25 Jahren bei Nike zurück. Vorher hatte ihr 18-jähriger Sohn in einem Businessmagazin mit seinem Sneaker-Unternehmen geprahlt und dabei Rechnungen präsentiert, auf denen der Name der Mutter stand.

Ann Herbert, Geschäftsführerin und Vice President bei Nike North America verließ zum 1. März 2021 mit sofortiger Wirkung ihren Posten. Zuvor hatte Herbert eine 25-jährige Karriere in dem Unternehmen hingelegt und bekleidete unter anderem Posten als Head of Sales, sowie als Leitung von Nike Asia Pacific und Nike Lateinamerika. Die genauen Gründe für ihren Rücktritt sind unklar, jedoch wurden in der Woche zuvor die Geschäfte ihres 18-jährigen Sohns Joe Herbert öffentlich – was in der Branche für Stirnrunzeln sorgte. Dieser baute sich nämlich mit dem Geld seiner Mutter ein Sneaker-Imperium auf.

Joe Herbert gab mit seinem Erfolg an

Bereits im Jahr 2018 gründete Herberts Sohn Joe das Unternehmen Westcoast Streetwear, das ihm zufolge mittlerweile Monatsumsätze von bis zu 600.000 Dollar und mehr macht. Der Trick: Herbert bedient sich verschiedener Bots, die mit automatisiert Sneaker kaufen. So kaufte er sich 600 Paar des streng limitierten Yeezy Boost 350 Zyon, einem Addidas-Sneaker der in Kooperation mit dem Rapper Kanye West designt wurde und fast Kultstatus besitzt. Allerdings war bei der Auflage von 40.000 Stück der Verkauf von nur einem Paar pro Person gestattet. Mit seinen Bots umgeht Herbert die Limitierung und sorgt unter anderem dafür, dass die beliebten Schuhe binnen weniger Stunden ausverkauft sind und er sie nun für höhere Preise über seine Firma weiterverkaufen kann.

Diese Praxis ist zwar nicht verboten und unter Resellern wohl gängig, hat aber einen faden Beigeschmack. Kleinere Sneakerstores und auch Großhändler bleiben so auf der Strecke, denn sie bekommen gar nicht mehr die Möglichkeit, limitierte Editionen überhaupt vertreiben zu können. Dazu kaufte Herbert die Schuhe nicht mit seiner Kreditkarte, sondern mit der American Express seiner Mutter. Dies kam nun heraus, weil der 18-Jährige gegenüber dem Wirtschaftsmagazin "Bloomberg Businessweek" mit seinem Geschäftsmodell prahlte. Er habe 132.000 Dollar für 600 Paar des Yeezy bekommen und sie genauso schnell verkauft, wie er sie eingekauft gehabt habe. Gewinnmarge: 20.000 Dollar innerhalb weniger Stunden. Um dem Journalisten seine Umsätze zu beweisen, schickte er ihm Rechnungen. Dumm nur, dass die Kreditkarteninformationen seiner Mutter darauf standen.

Nike kannte Herberts Geschäftsmodell

In dem Feature in der "Bloomberg Businessweek" machte Herbert keinen Hehl daraus, dass seine Mutter eine bekannte Führungskraft bei Nike ist. Auf Anfrage des Magazins antwortete Nike sogar, dass Ann Herbert schon 2018 die Firma ihres Sohnes offengelegt habe und Nike keinerlei Insidejobs erkennen könne: "Es gab weder einen Verstoß gegen die Unternehmensrichtlinien, vertrauliche Informationen oder Interessenkonflikte, noch gibt es irgendeine kommerzielle Verbindung zwischen WCS LLC und Nike, einschließlich des direkten Kaufs oder Verkaufs von Nike-Produkten", sagte das Unternehmen gegenüber "Bloomberg". Und doch trat Ann Herbert jetzt von ihrem Posten als Geschäftsführerin zurück.

Die Gründe für den Rücktritt sind unklar

Auf Anfrage verschiedener Medien haben weder Nike noch Ann Herbert selbst den Rücktritt kommentiert. Somit sind die Gründe für diesen unklar. Dennoch spekulieren Experten: Laut CNBC verfolgte Nike unter ihrer Führung eine Verkaufsstrategie, die weg vom Großhandel und direkt zum Konsumenten geht. Sie war laut BBC auch für die Veröffentlichung von Nikes "SNKRS"-App verantwortlich, über die Kunden ihre Sneaker direkt bei Nike selbst kaufen können und dort exklusiv über limitierte Produkte informiert werden. Auf der Website von Nike Deutschland lautet die Beschreibung zur App: "Die Nike SNKRS App bietet Insider-Zugang zu allem, einschließlich Erscheinungsterminen, neuen Produkten und der Geschichte hinter dem Lieblings-Sneaker."

Dass Ann Herbert für die Markteinführung einer solchen App verantwortlich ist, hat im Nachgang die Debatte entfacht, ob ihr eigener Sohn nicht doch mehr wusste und den Markt manipuliert hat. Gleichzeitig hat Joe Herbert mit dem Geld seiner Mutter, das sie bei Nike verdiente, Konkurrenzprodukte gekauft und gewinnbringend wiederverkauft.

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Vor diesem Hintergrund wirkt auch die Erfolgsgeschichte des 18-Jährigen nicht mehr so spektakulär, obwohl er sich in den sozialen Medien gerne als "Selmade-man" darstellt. Unter den Bildern auf seinem Instagram-Profil hagelt es Kritik und Häme. So kommentiert ein User unter eine Aufnahme, auf der sich Herbert mit Sneaker im Wert von 200.000 Dollar zeigt, trocken mit "Danke, Mom."

Quellen:  Bloomberg Businessweek, CNBC, BBC


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