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Gebühren für Papierüberweisung: Postbank droht Kunden mit Kündigung

Eine Papierüberweisung? Macht 99 Cent! Die neuen Gebühren der Postbank finden viele Kunden des Instituts nicht akzeptabel und widersprachen. Jetzt droht ihnen die Kündigung.

Eine Überweisung mit Papier-Beleg oder das Einlösen eines Schecks kosten für Postbank-Kunden künftig jeweils 99 Cent

Eine Überweisung mit Papier-Beleg oder das Einlösen eines Schecks kosten für Postbank-Kunden künftig jeweils 99 Cent

Angekündigt hatte die Postbank die neue Gebührenstruktur schon vor ein paar Wochen. Nun macht das Geldinstitut ernst: Ab dem 1. April wird für jede Papierüberweisung 99 Cent fällig. bei dem Kontomodell "Giro Plus" war dieser Service bisher kostenlos, wenn jeden Monat wenigstens 1000 Euro auf dem Konto eingegangen sind.

Verbraucherschützer raten, Gebühr zu zahlen

Einige Kunden wollen diese Überweisungsgebühren nicht einfach hinnehmen und widersprachen dem kostenpflichtigen Modell. Die Postbank droht diesen Kunden nun mit der Kündigung ihrer Konten, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". In einem ersten Brief appelliert die Bank noch einmal an ihre Kunden den "Widerspruch noch einmal zu überdenken". Sollten sie dennoch an ihrem Widerspruch festhalten, kündigt die Postbank das Girokonto mit einer Frist von zwei Monaten. Die Rücknahme des Widerspruchs muss binnen von vier Wochen erfolgen.

Viele Postbankkunden hätten sich nun bei Jörg Schädler von der Schutzgemeinschaft für Bankkunden beschwert. Doch wer eine Kündigung vermeiden wolle, müsse wohl den Widerspruch zurücknehmen. Noch prüfen die Verbraucherschützer die juristische Anfechtbarkeit des neuen Gebührenmodells. Erst kürzlich hatte der BGH entschieden, dass Gebühren "pro Buchungskosten" unzulässig seien. Daher rät der Verbraucherschützer den Postbankkunden, die Gebühr zu zahlen – allerdings nur unter Vorbehalt. Sollte eine Klage gegen die Postbank erfolgreich sein, dann könnten Kunden so ihre bezahlten Gebühren einfacher zurückfordern.

Die Postbank ist nicht die einzige deutsche Bank, die an der Gebührenschraube für Girokonten dreht. Zuletzt sorgten einige Sparkassen und Volksbanken für Aufsehen, die die Kontoführungsgebühren für Girokonten deutlich erhöht haben. Allerdings: Wer dort eine Überweisung auf Papier ausführen lassen möchte, zahlt bereits. Zwischen einem Euro und 2,56 Euro werden für die Papierüberweisung zum Beispiel bei der Frankfurter Volksbank fällig.

Banken reichen Dienstleistungs-Kosten weiter

Hintergrund ist die anhaltende Niedrigzinszeit. Die Banken müssen ihre Geschäftsmodelle überdenken. In der Vergangenheit konnten sie mit satten Erträgen die Gebühren fürs Girokonto und Überweisungen querfinanzieren. Inzwischen machen selbst die Banken so wenig Geld an den Märkten, dass sie die Kosten für Dienstleistungen an die Kunden weiterreichen müssen.

Die Überweisung auf Papier gehört dabei zum aussterbenden Service. Diese Oldschool-Variante wird zunehmend durch Überweisungen an den Bank-Terminals in den Filialen oder durch Online-Banking abgelöst. Wer sich zu Bankgeschäften im Internet durchringen kann, findet aber immer noch kostenlose Girokonten, beispielsweise bei der DKB oder der PSD Bank. Die Commerzbank legt sogar noch ein 50-Euro-Startguthaben für Neukunden drauf.

kg/stb
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