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Produktpiraterie: Museumsschau der Plagiate

Allein über den Hamburger Hafen gelangen jährlich gefälschte Markenartikel im Wert von mehreren Millionen Euro ins Land. Wie die Ausstellung "Echt falsch" informiert, bedrohen diese nicht nur die Volkswirtschaft.

Mit der Schau "Echt falsch" informiert das Zollmuseum in Hamburg über das wachsende Problem der Produktpiraterie. Bundesfinanzminister Hans Eichel sagte bei der Eröffnung der Ausstellung in der historischen Speicherstadt im Hamburger Hafen: "Nachahmungen gab es immer, die Folgen für Unternehmen und Bürger sind heute aber erheblich gravierender als je zuvor". So würden schon bis zu sieben Prozent des Welthandels mit Plagiaten erwirtschaftet.

Der dadurch entstandene volkswirtschaftliche Schaden werde auf weltweit jährlich 280 Milliarden Euro geschätzt und habe den Verlust von rund 200.000 Arbeitsplätzen zur Folge. "In Deutschland ist bereits jede zwölfte Marke eine Fälschung", sagte der Minister. Im Bereich der Oberfinanzdirektion Hamburg hat sich die Zahl der Beschlagnahmungen von Plagiaten nach Angaben von Oberfinanzpräsident Horst Kallenbach von 2001 bis 2003 auf rund 500 verdreifacht. Allein im Hamburger Hafen haben Zöllner seit Jahresbeginn 2004 mehr als 45 Millionen Einzelstücke im Gesamtwert von mehr als 25 Millionen Euro sichergestellt.

Nicht nur falsch, sondern auch lebensgefährlich

"Produktpiraten sind die Freibeuter der Marktwirtschaft", so Kallenbach. In der Ausstellung mit Exponaten von A wie Armbanduhr bis Z wie Zigarette wird gezeigt, dass es jeden betrifft, der in einem fremden Urlaubsland oder auf dem heimischen Flohmarkt illegale "Sonderangebote" erwirbt. Das gefährde nicht nur viele Jobs, sondern bisweilen auch das Leben von Käufern: das Zollmuseum zeigt auch billige Kopien von Autobremsteilen, die im Einsatz auf der Straße brechen können. "Wer bremst verliert - das Leben", heißt es dazu.

Bei einem präsentierten Schlankheitsmittel nimmt nur der eigene Geldbeutel ab: das vermeintlich hochwirksame Marken-Pulver ist einfach Zucker. Von den Zöllnern im Hamburger Hafen entdeckte Jacken eines bekannten Produzenten sollten auf dem Schwarzmarkt "nur" 400 statt der gewohnten 600 Euro kosten. Der Einkaufspreis des Zwischenhändlers für das minderwertige Kleidungsstück mit wohlklingendem Namen lag allerdings nur bei zehn Euro.

DPA / DPA