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"Die Stunde Null" Falsch verhandelt: Einkaufsspezialist erklärt, was die Politik beim Impfstoff verbockt hat

Tiefgekühlte Ampullen des Corona-Impfstoffs von Pfizer und Biontech
Tiefgekühlte Ampullen des Corona-Impfstoffs von Pfizer und Biontech
© Jean-Francois Mounier / AFP
Zu spät, zu wenig, zu schleppend läuft die deutsche Impfkampagne. Im Podcast "Die Stunde Null" erklärt der Einkaufsspezialist Gerd Kerkhoff, warum falsch verhandelt wurde, wie man es künftig besser macht – und warum man sogar ein neues Ministerium braucht
Von Verena Mayer

Die Erleichterung war groß, als der erste Impfstoff im Dezember letzten Jahres auf den Markt kam. Mittlerweile hat sich Ernüchterung breit gemacht: Chaos bei der Terminvergabe, Lieferschwierigkeiten, Streit mit Impfstoffherstellern. Während andere Länder wie Israel und Großbritannien schnell voranschreiten, klagt Deutschland über fehlenden Impfstoff. Der Einkaufsberater Gerd Kerkhoff kritisiert die bisherige Strategie mit deutlichen Worten. Bei derart knappen Gütern gebe es nur zwei Möglichkeiten, sagt Kerkhoff im Podcast "Die Stunde Null: "Entweder Sie machen das ganz schnell oder man geht hin und sagt, man bietet mehr als der Monopolist eigentlich haben will, um für ihn extrem attraktiv zu sein." 

Als im vergangenen Juni die Verhandlungen angelaufen sind, sei jeder Hersteller davon ausgegangen, der Erste am Markt zu sein. "Dieses Gefühl stellt dann die Marktsituation da. Bin ich der Einzige, der die Zulassung hat, bin ich Monopolist", sagt Kerkhoff, der 1999 die Düsseldorfer Beratung gegründet hat und Unternehmen bei der Optimierung ihrer Lieferketten, ihrem Einkauf und der Produktion unterstützt. Das zögerliche und zurückhaltende Vorgehen der EU sei bei der monopolähnlichen Marktsituation des Impfstoffes völlig falsch gewesen, sagt Kerkhoff und wählt einen prägnanten Vergleich. "Wenn du sechs Lieferanten hast, die austauschbar sind, laden die dich zum Golfspielen an. Wenn du einen Monopolisten hast, ist es klug, ihn zum Golfspielen einzuladen."

Beschaffungsminister als Lösung

Statt Beschaffungsprozesse und Vergaberichtlinien rechtlich zu prüfen und anzupassen, greife der Staat immer wieder in die Grundrechte der Bürger ein, kritisiert Kerkhoff. Angesichts der dramatischen Auswirkungen des andauernden Lockdowns auf Wirtschaft und Gesellschaft fordert der Berater mehr Transparenz und "persönlichen Einsatz" von verantwortlichen Politikern. Er plädiert dafür, die Beschaffung künftig professionell und zentral zu organisieren. "Aus meiner Sicht muss es ein Beschaffungsminister sein, der in der Priorisierung, was für diesen Staat am wichtigsten ist, die Themen abarbeitet wie ein Einkaufschef."

Hören Sie in der neuen Folge von "Die Stunde Null"

  • Was die derzeitige Situation von dem Masken-Chaos im Frühjahr unterscheidet
  • Wie Unternehmensberater Kerkhoff die generelle Wirtschaftslage einschätzt
  • Warum ihn das Verhalten der Politiker manchmal an seine Kinder erinnert

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