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"Die Stunde Null" Spieleboom in der Krise: Spielzeughersteller berichtet, worauf die Deutschen besonders abfahren

Simba Dickie
Michael Sieber, Inhaber der Simba-Dickie-Group, mit einem Feuerwehrauto der Marke Schuco
© Daniel Karmann/DPA / Picture Alliance
Deutschlands größter Spielzeughersteller Simba Dickie gehört zu den Gewinnern der Corona-Krise. Firmenchef Michael Sieber erzählt im Podcast, warum die Deutschen auch in Krisenzeiten Geld für Spielwaren ausgeben und die Modelleisenbahn noch nicht tot ist.

In diesem Jahr haben die Deutschen das Spielen neu entdeckt – das Geschäft der Spielzeughersteller brummt. Die Händler rechnen damit, dass der Umsatz um acht Prozent auf 3,7 Milliarden Euro steigen wird. Einige Hersteller kämpfen sogar im wichtigen Weihnachtsgeschäft mit Lieferschwierigkeiten. "Coronazeit ist Familienzeit", freut sich der Spielwarenverband. Vor allem Puzzles und Brettspiele laufen gut, darunter Klassiker wie "Uno" oder "Die Siedler von Catan".

Auch Deutschlands größter Spielzeughersteller Simba Dickie spürte in diesem Jahr den Lockdown und den Trend zum Homeoffice. "Wir profitieren sicherlich von der ganzen Situation, dass die Leute weniger in Urlaub fahren, vielleicht auch größere Anschaffungen nach hinten schieben", sagte der Chef, Michael Sieber, im Podcast "Die Stunde Null". "Es war zudem schon immer so, dass auch in Rezessionen für Kinder Geld ausgegeben wird."

"Die Modelleisenbahn lebt"

Schon seit dem Frühjahr lief das Geschäft von Simba Dickie etwa mit Spielhäusern und Plastikrutschen gut – der gesamte Outdoor-Bereich wuchs. Hinter der Gruppe aus Fürth stehen 20 bekannte Marken wie Bobby Car, Eichhorn, Noris Spiele und Schuco-Modellautos. Seit 2013 gehört auch die Traditionsmarke Märklin der Familie, die von Siebers Sohn Florian geführt wird.

"Die Modelleisenbahn lebt", berichtete Sieber nun. "Wir haben eine extrem starke Nachfrage auch in unserem Servicebereich, wo Leute anrufen und wissen möchten, wie man so eine Anlage von Anfang an konzipiert. Vor Jahren hieß es noch: Das ist nur noch etwas für alte Männer. Wir haben seit Jahren daran gearbeitet, auch junge Kinder wieder zu begeistern. Das zahlt sich nun aus. Und das ist ein typisches Beispiel für Produkte aus der guten alten Zeit." 

Den Boom erleben die Spielzeughersteller allerdings nur auf dem deutschen Markt – in anderen Ländern Europas, aber auch auf Märkten wie Russland, der Türkei und in Indien halten sich die Kunden zurück. Auch die Simba Dicke Group, die 2019 rund 700 Millionen Euro Umsatz machte, kämpft mit Lieferproblemen, zudem ist der Krankenstand in einigen Fabriken gestiegen.

Wie in anderen Segmenten zieht das Online-Geschäft im Spielwarenbereich stark an. "Weil die Innenstädte leer sind, sind der große Gewinner die Online-Händler, vorneweg natürlich Amazon", sagte Sieber. Der Anteil von Online am Gesamtmarkt liege bereits bei 40 Prozent. Die Politik des Lockdowns verstärkt diesen Trend nun. "Wir haben allerdings noch nicht das Problem gehabt, dass Spielwarengeschäfte gestürmt worden sind. Es geht eher darum, dass wir Kunden überhaupt reinbekommen."

Hören Sie in der neuen Folge von "Die Stunde Null":

  • Warum ausgerechnet "Malen nach Zahlen" in dieser Krise läuft
  • Warum Michael Sieber die Playstation nicht fürchtet
  • Welchen Geheimtipp Sieber fürs Weihnachtsfest hat

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