HOME

Südafrika: Der Star vom Kap

Südafrikas starke Währung schwächt die Region: Von der Wein- bis zur Textilindustrie, vom Bergbausektor bis zur Obstindustrie knicken die Exporte ein, werden Arbeitsplätze abgebaut, Budgets angepasst.

Was den Europäern die Euro-Stärke, ist dem südlichen Afrika die Rand-Stärke. Das große Stöhnen hat am Kap begonnen, seit Südafrikas Rand-Währung gegenüber seinen Tiefstständen 2001 um mehr als 50 Prozent zum Dollar zugelegt hat. Denn was einerseits angesichts schwellender Kapitalzuflüsse als Beleg für wachsendes Investoren-Vertrauen gewertet werden kann, hat eine Kehrseite. Von der Wein- bis zur Textilindustrie, vom Bergbausektor bis zur Obstindustrie knicken die Exporte ein, werden Arbeitsplätze abgebaut, Budgets angepasst.

Gesamte Region leidet unter starkem Rand

Der Höhenflug der regionalen Leitwährung schwächt die gesamte Region und macht Nachbarländern wie Namibia, Lesotho, Swasiland oder selbst Mosambik zu schaffen. Sie haben ihre Währung an den Rand gekoppelt oder ihn als Parallelwährung akzeptiert.

Exportwirtschaft hat Sand im Getriebe

Südafrika als Powerhaus des Kontinents musste wegen des gesunkenen Steueraufkommens durch geringere Firmenprofite schon seine Prognosen für das Wirtschaftswachstum anpassen. Statt der bisher erwarteten 3,3 Prozent geht der Kap-Staat nun von mageren 2,2 Prozent fürs Finanzjahr 2003/2004 (31. März) aus. Sechs bis sieben Prozent werden jedoch als notwendig erachtet, um die offizielle Arbeitslosenquote von 30 Prozent zu verringern. Zwar bescherte die Kursentwicklung der Region die niedrigsten Inflationsraten seit Jahren, doch die Exportwirtschaft als wichtigster Motor der südafrikanischen Ökonomie hat auf einmal Sand im Getriebe.

Sogar die Platin-Gewinne schrumpfen

  So hat etwa der Platin-Produzent Impala angesichts der boomenden Weltmarktpreise zwar seinen Absatz in der zweiten Jahreshälfte 2003 gegenüber dem Vorjahreswert um 14 Prozent gesteigert, seinen Gewinn aber fast halbiert. Die Folge: Der von der Bevölkerung zunächst als Beweis für die Robustheit der Wirtschaft angesehene Höhenflug des Rand zerstört Arbeitsplätze. Allein im Textilbereich schätzt Ebrahim Patel von der Sactwu-Gewerkschaft den Verlust auf 23 000 Jobs. «Hauptursache ist der starke Rand und seine Auswirkung auf Im- und Export», sagt Patel. Im Nachbarland Namibia ist es vor allem die Diamanten- und Fischindustrie, die leidet und Arbeitsplätze abbaut.

Analysten halten Rand für unterbewertet

Eine weitere Hiobs-Botschaft: Viele Analysten halten den Rand angesichts starker Rohstoffpreise und der Dollarschwäche sogar noch für unterbewertet. Sein Kurs knickte zwar seit Jahresbeginn wegen des am Kap eingesetzten Wahlkampfs leicht ein, erholte sich aber wieder. Selbst in Botswana, das auf Grund seiner starken Diamantenproduktion als eine Art Schweiz Afrikas gilt, hat die starke Währung Spuren hinterlassen. Das Land hat daher gerade erst seine Währung um sieben Prozent abgewertet. Einen Vorteil hat der Höhenflug des Rand: Viele Südafrikaner konnten es sich erstmals seit Jahren wieder erlauben, den Urlaub in Europa zu verbringen.

Ralf E. Krüger / DPA