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Hohe Kosten, wenig Daten: So werden deutsche Mobilsurfer abgezockt

Mobilfunkwüste Deutschland: Während in anderen Ländern günstige Tarife mit bis zu 50 Gigabyte Inklusivdaten üblich sind, zahlen deutsche Nutzer für weniger Volumen noch drauf.

Weit abgeschlagen: Im europäischen Vergleich schneidet Deutschland bei mobilen Internettarifen extrem schlecht ab

Weit abgeschlagen: Im europäischen Vergleich schneidet Deutschland bei mobilen Internettarifen extrem schlecht ab

Für Nutzer des mobilen Internets kommt die ärgerlichste Nachricht des Monats per SMS: "Sie surfen jetzt mit reduzierter Geschwindigkeit, da Sie die Volumengrenze Ihres Tarifs erreicht haben." Fortan bewegt man sich auf dem Smartphone mit Geschwindigkeiten durchs Netz, die den Anfangszeiten des Internets ähneln. Umso mehr dürfte Vielsurfer in Deutschland ärgern, dass in anderen Ländern das Inklusivvolumen bis zur Tempo-Bremse deutlich größer ausfällt.

Das finnische Unternehmen für Telekommunikationsberatung "Rewheel" hat europaweit verglichen: Wie viel mobiles Netz bekommen die Kunden für einen 35 Euro Vertrag, der zusätzlich mindestens 1000 Freiminuten und eine unbegrenzte Anzahl an SMS bietet. Das Ergebnis: Deutschland belegt mit im Schnitt einem Gigabyte inklusive im High-Speed-Netz den vorletzten Platz von 28 Ländern.

Vorletzter Platz für Deutschland

Die Bundesrepublik liegt sogar unter dem europäischen Durchschnitt von fünf Gigabyte Inklusivvolumen. Am Besten schneiden die Finnen mit gewaltigen 50 Gigabyte ab, gefolgt von Estland mit 40 Gigabyte. Deutlich weniger aber immer noch das Zwanzigfache vom deutschen Standardtarif bekommen Nutzer in Frankreich, England, Schweden und Dänemark. Schlechter als deutsche Surfer trifft es den Kommunikationsberatern zufolge nur die Ungarn, die sich mit 500 Megabyte zufrieden geben müssen. Da ist es fast schon beruhigend, dass zu den gesuchten Konditionen überhaupt Verträge angeboten werden. In Belgien, Griechenland, Zypern, Malta und Bulgarien finden sich keine Anbieter mit entsprechenden Konditionen.

Auch wenn sich in Deutschland Verträge mit besseren Bedingungen finden lassen, ist das Gesamtergebnis erschütternd für ein Land, das mit als erstes ultraschnelles LTE-Netz anbot. "Die Nachfrage nach mobilem Internet ist in Deutschland deutlich geringer, als in anderen Ländern", erklärte Jürgen Grützner, vom Telekommunikationsbranchenverband VATM die Unterschiede gegenüber "Politico.eu". Tatsächlich nutzt ein deutscher Durchschnittsuser rund 410 Megabyte Mobilvolumen im Monat. Zum Vergleich: Ein finnischer Nutzer kommt auf satte 5,1 Gigabyte. "In Skandinavien wurde der Ausbau mobiler Netze staatlich subventioniert", so Grützner weiter. In Deutschland muss dieser jedoch von den Unternehmen selbst getragen werden, was die Konzerne sich von den Kunden zurückholen.

db
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