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Verkehr: Die Bahn setzt auf Entzug

Wenn Hartmut Mehdorn, Vorstandschef der Deutschen Bahn (DB) heute einen seiner Bahnhöfe inspiziert, packt ihn der Zorn. "Manches Gleis sieht aus wie ein Aschenbecher." Genau dies soll sich jetzt ändern.

Deshalb soll auf allen größeren Bahnhöfen jetzt nach und nach ein Rauchverbot eingeführt werden. Der Griff zum Glimmstängel wird dann nur noch in eigens ausgewiesenen Raucherzonen erlaubt sein - wie das auf den meisten Flughäfen längst schon üblich ist.

Aktion läuft schons eit drei Jahren

Die Aktion "Rauchfreier Bahnhof" läuft seit drei Jahren. Als erster wurde 2001 der Bahnhof Bonn weitgehend zur Nichtraucherzone erklärt. Heute sind es bundesweit bereits 350 Bahnhöfe, in denen eigentlich nicht geraucht werden darf. Der Hauptbahnhof Frankfurt/Main gehört ebenso dazu wie die Zentralstationen in München und Hamburg. In Berlin soll bis zum Jahresende das Rauchverbot sogar auf allen Bahnhöfen eingeführt werden.

In den meisten Fällen wird das Verbot ohne große Diskussionen befolgt. Zumal die Raucher immer noch ihre Fluchtpunkte haben. Neben den offiziellen "Raucherzonen" gehören dazu die Bahnhofsgaststätten und die "DB-Lounges", wo sich die Bahn um ihre Erste-Klasse-Kunden und Vielfahrer kümmert. Viel Platz bleibt allerdings nicht. Auf dem Berliner Ostbahnhof zum Beispiel, wo Tag für Tag 120.000 Fahrgäste unterwegs sind, gibt es gerade noch 18 öffentliche Aschenbecher.

Kaum Probleme mit Rauchern

Trotzdem gab es auch mit hartnäckigen Nikotinsüchtigen bislang kaum Probleme. "Wir haben Bereiche geschaffen, wo Raucher ihrem Laster frönen können, ohne dass sie von Nichtrauchern angemacht werden", sagt der Leiter der Berliner Bahnhöfe, Jan Kutscher. Auch Geldstrafen wurden bislang keine verhängt. Theoretisch wären 20 Euro als "Beitrag für erhöhten Reinigungsaufwand" fällig - nicht fürs Rauchen, sondern für das Wegwerfen der Kippe.

Mit der Neuregelung sorgt die Bahn aber nicht nur für eine bessere Optik, sondern kann auch Kosten sparen. 100 Millionen Euro gibt der Konzern pro Jahr für die Reinigung der Bahnhöfe aus. Ein großer Teil davon entfällt auf die Beseitigung der Zigarettenkippen. Besonders mühsam ist es, die weggeworfenen Kippen aus dem Gleisbett zu entsorgen. Dies gelingt in der Regel nur nachts, wenn keine Züge fahren, mit Spezialsaugern oder in Handarbeit.

Auch immer weniger Raucherabteile

Die Aktion "Rauchfreier Bahnhof" passt durchaus ins Gesamtkonzept des bundeseigenen Verkehrskonzerns. Die Bahn setzt schon länger auf Entzug. Die meisten Raucherabteile wurden bereits ausrangiert. In den neueren ICE auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Frankfurt und Köln darf gerade mal auf 68 von 440 Plätzen noch geraucht werden. Insgesamt sind 80 Prozent der Plätze heute Nichtrauchern vorbehalten. In den Speisewagen gilt ein generelles Rauchverbot.

Allerdings denkt bei der Bahn derzeit keiner daran, das Rauchverbot auf alle Züge und Bahnhöfe auszudehnen. Auch Mehdorn legt Wert darauf, dass er "kein militanter Nichtraucher" ist.

Christoph Sator, dpa / DPA