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Eigenheim-Rente Staat hilft bei den eigenen vier Wänden


Wer in die eigenen vier Wände will, bekommt Hilfe vom Staat. Mit dem neuen "Wohn-Riester" kann die Förderung für die private Altersvorsorge jetzt auch für den Bau oder Kauf eines Hauses oder einer Wohnung genutzt werden. Der Bundestag billigte das Konzept mit Regierungsmehrheit.

Selbst genutztes Wohneigentum kann künftig in die staatlich geförderte Altersvorsorge einbezogen werden. Der Bundestag billigte am Freitag die Gesetzespläne für die neue Eigenheimrente ("Wohn-Riester"). Nach dem rückwirkend zum 1. Januar 2008 geltenden Gesetz soll Riester-Vermögen ganz oder teilweise zum Erwerb einer Wohnimmobilie oder von Anteilen an Wohnungsgenossenschaften sowie zum Abzahlen von Immobilienkrediten genutzt werden können.

Riester-Bonus für Junge

Die Pläne sehen zugleich eine stärkere Förderung für jüngere Menschen beim Riester-Sparen vor. Berufseinsteiger sollen bis zum 25. Lebensjahr beim Abschluss eines Riester-Vertrages zur privaten Altersvorsorge einen einmaligen Bonus von 200 Euro erhalten. Die Opposition lehnte die Pläne ab oder enthielt sich der Stimme. Dem Gesetz muss noch der Bundesrat zustimmen.

Selbst genutztes Immobilienvermögen gehört bisher nicht zu den unmittelbar begünstigten Anlagen im Rahmen der Riester-Rente. Nach dem neuen Gesetz kann angesammeltes, steuerlich gefördertes Vermögen zur Altersvorsorge aus einem Riester-Vertrag komplett entnommen werden, um eine im Inland selbst genutzte Wohnimmobilie zu erwerben.

Auch zur Tilgung von Baudarlehen

Der staatliche Riester-Bonus kann auch zur Tilgung eines Baudarlehens verwendet werden. Die staatlichen Zuschüsse fließen dann nicht in die Sparrate eines Riester-Vertrages, sondern in die Darlehenstilgung. Die Tilgungsbeiträge werden steuerlich genauso behandelt wie Sparbeiträge für die Altersvorsorge.

Wie bei allen Riester-Produkten gilt, dass in der Sparphase die Beiträge steuerfrei sind und in der Auszahlungsphase die Leistungen besteuert werden. Das steuerlich geförderte Kapital soll in einem "Wohnförderkonto" erfasst werden. Zu Beginn der Auszahlungsphase im Alter besteht ein einmaliges Wahlrecht: Förderberechtigte können zwischen der jährlich nachgelagerten Besteuerung und einer sofortigen Einmalbesteuerung des angesparten Kapitals entscheiden. Die Auszahlungsphase muss zwischen dem 60. und 68. Lebensjahr liegen.

Neuregelung der Wohnbauprämie

Begleicht der geförderte Wohneigentümer die Steuerlast auf einen Schlag, erhält er einen Rabatt. In diesem Fall werden 70 Prozent des geförderten Kapitals mit dem individuellen Steuersatz belastet. Alternativ kann die Besteuerung über mehrere Jahre gestreckt werden. Bei einer Entscheidung für die nachgelagerte Besteuerung wird das geförderte Kapital über einen Zeitraum von bis zu 25 Jahre besteuert.

Neu geregelt wird auch die Wohnungsbauprämie. Bei Neuverträgen soll sich die Prämienbegünstigung künftig auf die Bildung von Wohneigentum konzentrieren. Bausparern im Alter von bis zu 25 Jahren dagegen wird freigestellt, wie sie die Wohnungsbauprämie verwenden.

FDP nennt es "bürokratisches Monster"

Aus Sicht der FDP wird das Gesetz nicht zu mehr privatem Wohneigentum führen. Die Regelungen seien ein "bürokratisches Monster". Die Linken fürchten eine "weitere Spaltung der Gesellschaft". Die Riester-Rente insgesamt sei eine "Mogelpackung", profitieren würden nur Versicherungskonzerne. Die Grünen halten eine zusätzliche betriebliche und private Altersvorsorge sowie die Einbeziehung von Wohneigentum in die Riester-Rente für richtig. Die gute Idee werde aber falsch umgesetzt. Insbesondere die Regeln zur nachgelagerten Besteuerung seien viel zu kompliziert. Vielen Sparern seien die Konsequenzen und mögliche spätere Belastungen kaum bewusst. Der Mieterbund beklagte, dass sich die Förderung nicht auch auf vermietete Immobilien erstrecke.

Der frühere Bundessozialminister Norbert Blüm (CDU) kritisierte die Riester-Rente, weil sie die Jungen besonders belaste. "Die junge Generation wird nicht durch die kapitalgedeckte Riester-Rente entlastet, denn zusammen mit dem gesetzlichen Rentenbeitrag kostet sie sogar mehr, als das alte System allein gekostet hätte", schrieb er in einem Gastbeitrag für den "Südkurier" in Konstanz (Samstag).

DPA DPA

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