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Hausratsversicherung: Vergesslichkeit muss nicht teuer werden

Die Hausratsversicherung soll eigentlich bei kleineren und größeren Missgeschicken finanziell einspringen. Um ganz sicher zu gehen, dass die Versicherer zahlen, kann man eine spezielle Vertragsklausel nutzen.

Pfanne auf den Herd, Fett rein - und bis das heiß ist, noch schnell was erledigen. So dachte sich das die Rentnerin Ella Wölkat aus Monheim bei Düsseldorf. Als sie zurück in ihre Küche kam, brannte die schon lichterloh. Wer in solchen Fällen auf Hilfe von seiner Hausratversicherung hofft, wird regelmäßig enttäuscht. Obwohl die Versicherung der Wohnungseinrichtung als unverzichtbarer Standard für jeden Haushalt gilt, hat sie so ihre Tücken: Kommt es zum Schaden, berufen sich die Versicherer gern auf Ausnahmen, etwa "grobe Fahrlässigkeit". Ob ein Brand wegen einer umgefallenen Kerze ausbricht oder Einbrecher durchs gekippte Fenster kommen: alles grob fahrlässig und deshalb gesetzlich von der Haftung der Versicherer ausgenommen.

Verbraucherschützer kritisieren das Gesetz seit Jahren. "Dieses Alles-oder-nichts-Prinzip ist eine überholte Regelung", sagt Wolfgang Römer, Juraprofessor und Versicherungsombudsmann in Berlin. Sinnvoller wäre die anteilige Begleichung des Schadens abhängig vom Grad des Verschuldens. Der Versicherungsverband befürchtet für diesen Fall massenhaft Streitfälle um die jeweilige Mitschuld. "Die Regelung wäre für die Kunden schwer zu durchschauen und bedeutet für die Versicherer mehr Arbeit", sagt Hubertus Knopp, Produktentwickler bei der VHV-Versicherung in Hannover.

Rentnerin Wölkat hatte Glück: Ihre Versicherung, die InterRisk, zahlte trotz grober Fahrlässigkeit 50 Prozent des Schadens. Auch andere Versicherer leisten jetzt in so einem Fall. Universa, DBV-Winterthur und Debeka etwa werben mit dem im Branchenjargon so genannten Dummenschutz. Doch der hat seinen Preis: Für eine 92-Quadratmeter-Wohnung in Berlin verlangen die vier Anbieter zwischen 190 und 280 Euro Jahresbeitrag. Bei der Universa ist der Normaltarif 57 Euro günstiger. Dafür verspricht der Versicherer die volle Schadenübernahme, auch wenn Diebe die offene Haustür nutzen oder die Waschmaschine während des Einkaufs die Wohnung unter Wasser setzt. Leider schränken manche Versicherer ihr neues Angebot gleich wieder ein. Die Debeka-Hausratpolice etwa begrenzt ihre Haftung auf 4.000 Euro bei grober Fahrlässigkeit.

Gekürzt wird die Zahlung auch, wenn eine Unterversicherung vorliegt. Im Schadenfall berechnet sich die Versicherungssumme nämlich nach dem Neuwert. Beispiel: Ein Student versichert seine Billigeinrichtung mit 1000 Euro. So viel bräuchte er, um wieder ein altes Klappsofa, eine gebrauchte Hifi-Anlage, die CDs und eine Stehlampe zu kaufen. Brennt nun die Wohnung aus, erhält er nicht annähernd 1000 Euro von der Versicherung: Die setzt den Wert für den Neukauf an: etwa 2000 Euro. Der Student bekäme beim Totalverlust so nur 500 Euro vom Hausratversicherer, weil er zu 50 Prozent "unterversichert" gewesen wäre.

Wer diesem Abschlag entgehen will, von dem verlangen die meisten Anbieter den Abschluss einer Versicherungssumme von 650 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche - selbst wenn nur Trödel aufbewahrt wird. Ein gutes Geschäft für die Versicherung. Deshalb: Wer eine abschließt, sollte Preise und Leistungen mehrerer Anbieter genau vergleichen.

Guter Hausrat ist teuer

1. Machen Sie sich eine Liste über alle Werte, die in der Wohnung stehen. Vergessen Sie scheinbare Kleinigkeiten wie Bücher, CDs oder Kleidung nicht.
2. Kalkulieren Sie grob, was es kosten würde, alle Gegenstände wiederzubeschaffen. Seien Sie realistisch: Auf manche Bücher kann man vielleicht verzichten, auf eine neue Garderobe, wenn die alte abgebrannt ist, aber nicht. Rechnen Sie dann die Summe aus.
3. Überprüfen Sie, ob Sie Policen haben, die eine Hausratversicherung teilweise ersetzen, zum Beispiel eine Fahrraddiebstahl-Versicherung.
Uwe Schmidt-Kasparek / print