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Individuelle Gesundheitsleistungen Krankenkassen mobilisieren gegen IGeL

Zu den teuren Extra-Leistungen zählt zum Beispiel Akupunktur: Sie wird bei Kopfschmerzen als "tendenziell positiv" eingeschätzt
Zu den teuren Extra-Leistungen zählt zum Beispiel Akupunktur: Sie wird bei Kopfschmerzen als "tendenziell positiv" eingeschätzt
© Colourbox
Die Krankenkassen bewerten viele Individuelle Gesundheitsleistungen beim Arzt als nutzlos oder gar schädlich. Der GKV-Spitzenverband hat deshalb ein eigenes Portal zu IGeL ins Netz gestellt.

Ein neues Internetportal informiert ab sofort über Nutzen und Schaden von Selbstzahler-Angeboten beim Arzt. Unter www.igel-monitor.de finden Krankenversicherte Bewertungen der sogenannten Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL). "In vielen Fällen sind diese Leistungen ein großes Ärgernis und leider, das muss man sagen, in vielen Fällen sogar medizinisch bedenklich", erklärte die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer, zum Start der Plattform.

Befragungen hätten gezeigt, dass inzwischen etwa jedem vierten GKV-Versicherten beim Arztbesuch eine IGe-Leistung angeboten werde und Patienten sich nicht ausreichend darüber informiert fühlten. In vielen Fällen komme kein formeller Behandlungsvertrag zustande, Ärzte verlangten manchmal eine Vorabzahlung. "Die Versicherten beklagen sich darüber, dass Zeitdruck aufgebaut wird, dass keine fundierte Entscheidung möglich ist", sagte Pfeiffer. Dieser Druck müsse genommen werden.

1,5 Milliarden Euro jährlich für Zusatzleistungen

Die Individuellen Gesundheitsleistungen zahlt der Patient selbst. Ob sie überhaupt nötig sind, sollte er gut überlegen. Schätzungsweise geben gesetzlich Versicherte jedes Jahr rund 1,5 Milliarden Euro für IGeL aus. Pfeiffer fordert daher eine grundsätzliche 24-stündige Einwilligungssperrfrist für IGe-Leistungen. "Bei den sogenannten Haustürgeschäften gibt es eine gesetzliche Widerspruchsfrist zum Schutz des Verbrauchers. Etwas Vergleichbares brauchen wir auch hier."

Bei IGeL gehe es vorrangig um die wirtschaftlichen Interessen der Ärzte, so Pfeiffer. "Das sind keine Leistungen, wo akuter Behandlungsbedarf besteht." Zwingend notwendig sei ferner eine schriftliche Vereinbarung zwischen Arzt und Patient. Außerdem müsse der Arzt auch darüber informieren, welche Diagnose- und Behandlungsverfahren nach dem Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen möglich sind und über Nutzen und Risiken aufklären.

Welche Leistungen nutzen, welche schaden

Zu den teuren Extra-Leistungen zählt zum Beispiel Akupunktur zur Vorbeugung von Migräne. Sie wird als "tendenziell positiv" eingeschätzt, weil sie weniger Nebenwirkungen und weniger Therapieabbrüche im Vergleich zur Standardtherapie mit Medikamenten aufweise. Allerdings gebe es keine Hinweise darauf, dass sie Medikamenten überlegen sei.

Neben ausführlicheren Informationen etwa zur Preisspanne der Leistungen oder den Empfehlungen anderer Experten umfasst das Kassenportal zu IGeL auch Abschnitte, die sich ausdrücklich an Experten und Methodiker richten. Nutzen und Schaden jeder Leistung werden in einem Fazit anhand von fünf Kategorien bewertet: "positiv" bedeutet, der Nutzen überwiegt eindeutig den Schaden, "tendenziell positiv" heißt, der Nutzen überwiegt geringfügig den Schaden, "unklar" - Nutzen/Schaden sind unbekannt oder ausgewogen, "tendenziell negativ" - der Schaden überwiegt geringfügig, "negativ" - der Schaden überwiegt eindeutig.

Seit Jahresbeginn ist es Kassen gesetzlich erlaubt, manche Individuellen Leistungen in ihre Satzung aufzunehmen und anzubieten. Dazu zählen zum Beispiel Impfungen vor Fernreisen oder bestimmte Früherkennungsuntersuchungen. Welche Leistungen Ihre gesetzliche Krankenkasse bezahlt, können Sie mit dem Krankenkassen-Vergleich von stern.de herausfinden.

pen/DPA DPA

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