Krankenkassen Geiz hält fit


Von Januar an wollen Krankenkassen ihre Mitglieder mit Bonusprogrammen zu Vorsorge und Sparsamkeit erziehen. Es gibt Prämien und Geld.

Es lohnt sich, im kommenden Jahr mehr für die Gesundheit zu tun. Denn vom 1. Januar 2004 an dürfen alle gesetzlichen Krankenkassen gesundheitsbewusstes Verhalten mit Sach- und Geldprämien honorieren. Wer regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen absolviert, ein Sportabzeichen macht und zertifizierte Kurse zur Fitness, Raucherentwöhnung oder Stressbewältigung absolviert, kann Bonuspunkte sammeln und damit später abkassieren. Als Lohn für Prävention locken Sportgeräte, Wellnesspakete oder finanzielle Entlastung.

Bislang sind die Leistungsangebote in der GKV (gesetzliche Krankenversicherung) weitestgehend genormt. Die Kassen unterscheiden sich vor allem durch Beitragshöhe und Service. Die Gesundheitsreform soll für Wettbewerb sorgen und die Versicherten zu mehr Eigenverantwortung und Kostenbewusstsein erziehen. Noch feilen die Kassen an ihren Bonussystemen und deren Kontrolle. "Da reicht es nicht, wenn ein Mitglied im Trainingsanzug zum Schalter kommt", heißt es bei der AOK. Prämienfähig sollen nur Kurse mit Qualitätssiegel sein. Da die Aufsichtsbehörden den Modellen zustimmen müssen, kann sich der Start bei einigen Kassen bis zum Frühjahr verzögern. Für chronisch Kranke wird es Sonderregeln geben.

Zu den Vorreitern gehört die Gmünder Ersatzkasse, bei der sich bereits 30.000 Mitglieder für das im Januar startende "Smile Konto"-Programm eingeschrieben haben. Im Bonusplan werden alle Gesundheitsmaßnahmen mit einem Punktwert aufgelistet: vom Herz-Kreislauf-Check-up bis zum Hatha-Yoga-Kurs. Im "Smile Konto"-Scheckheft müssen Ärzte und Kursleiter die Teilnahme bestätigen. Für die Bonuspunkte gibt es Sachprämien. Einige Kassen überlegen, chronisch Kranke auch von der Zuzahlung in der Apotheke zu befreien.

Ähnlich funktionieren die Bonusmodelle bei der IKK Bayern und der BKK Fahr, die als Test bereits laufen. Da werden Vorsorgeuntersuchungen mit 250, Krebsfrüherkennung mit 150 und Ernährungskurse mit 100 Punkten honoriert. Auch Zahnprophylaxe, Schutzimpfungen und die Teilnahme an Hausarztmodellen bringen Punkte. Wer genügend hat, kann zwischen Rucksäcken, Hanteln, Pulsmessuhren, Joggingschuhen, Einkaufsgutscheinen und Fahrradcomputern wählen. Die Barmer Ersatzkasse richtet ein Bonuskonto ein, das per Post, Telefon oder Internet abgefragt werden kann. Die Prämien kommen frei Haus.

Für besserverdienende GKV-Mitglieder, deren Einkommen über der Versicherungspflichtgrenze von 3.825 Euro liegt, erlaubt das Reformgesetz auch Tarife mit Selbstbehalt - wie bei Privatversicherungen. Wer beispielsweise die ersten 250 Euro an Arzt- und Medikamentenkosten im Jahr selbst bezahlen will, bekommt am Jahresende 200 zurück. Bleibt sein Eigenanteil darunter, gewinnt er. Wer überhaupt keinen Doktor braucht, hat die gesamten 200 Euro verdient. Schlimmstenfalls zahlt man in diesem Fall im Jahr 50 Euro drauf. Die Krankenkassen setzen auf dieses Lotteriespiel, weil es die Versicherten zur Sparsamkeit animieren und die Abwanderung junger Gesunder in Privatversicherungen bremsen soll.

Die Techniker Krankenkasse (TK) hat diese Eigenbeteiligung schon in diesem Jahr mit 10.500 Versicherten getestet. Wer sich bereit erklärte, Behandlungskosten bis 300 Euro selbst zu zahlen, bekam den Bonus von 240 Euro sogar als Vorschuss. Jeder Arztbesuch wird mit 20 Euro, jede Zahnarztvisite mit 40 Euro berechnet. Alle Vorsorgeuntersuchungen und Behandlungen für Kinder bis 18 Jahre bleiben frei. Am Jahresende wird abgerechnet. "Wer in die Klinik musste, hat Pech gehabt, weil das mehr als 300 Euro kostet. Aber ein Grippemittel für ein paar Euro zahlen unsere Testmitglieder gern selbst", heißt es bei der TK.

Brigitte Zander print

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