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Solidarität in Corona-Zeiten Die Krise bringt etwas im Menschen hervor – das Beste

Mehr Halt als gedacht
Die Bilder dieser Menschenkette fertigte Illustrator Max Guther mit einem 3-D- Programm
© Max Guther
Jahrzehntelang wurden Geiz, Gier und Egoismus gefeiert. Doch nun wird bei vielen Solidarität gelebt. Das Land macht eine erstaunliche Selbsterfahrung: Wir können mehr, als wir uns jemals zugetraut hätten.
Von Walter Wüllenweber

Zuerst ein Eingeständnis: Ich habe mich geirrt. Und zwar gewaltig. Anfang Februar, als das Coronavirus in Wuhan und der Provinz Hubei ausgebrochen war, behauptete ich im stern: Wir in Deutschland wären niemals "in der Lage, eine Provinz mit mehr Einwohnern als Spanien unter Quarantäne zu stellen".

Doch, dazu sind wir in der Lage.

Und zu noch viel mehr: Im Rekordtempo treffen Bundestag und Bundesrat weitreichende Entscheidungen, ohne Parteiengezänk. Überall werden Freiwillige gesucht und überall gefunden. Innerhalb von Tagen haben Millionen Arbeitnehmer ihren Arbeitsstil grund­legender verändert als in den vergangenen 20 Jahren. Wir haben ­gelernt, geduldig den Experten zuzuhören, auch wenn es kompliziert wird. Nach ein paar Anfangsschwierigkeiten zeigt die Gesellschaft eine Disziplin, die zuvor niemand gewagt hätte, von ihr zu verlangen. Das Land macht eine erstaunliche Selbsterfahrung: Wir können mehr, als wir uns jemals zugetraut hätten.

"Sternstunde des lösungsorientiertes Denken"

"Wir erleben ein globales gesellschaftliches Trauma", sagt Maren Urner. "Aber es ist kein Trauma, das uns zwangsläufig erstarren lassen muss. Viele Individuen und auch die Gesellschaft wachsen aktuell an diesem Trauma." Urner ist Neurowissenschaftlerin und Professorin für Medienpsychologie an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln. "Wir erleben gerade eine Sternstunde des lösungsorientierten Denkens", sagt Urner.

Coronavirus: "Die Vergessenen" – wie eine Sängerin Obdachlosen in Hamburg hilft

Es ist, als hätten wir eine Handbremse gelöst. Die Ingenieure einiger Autobauer und auch des Staubsaugerherstellers Dyson versuchen, Beatmungsgeräte in großer Stückzahl herzustellen. SAP-Programmierer helfen dem Außenministerium in einem nächtlichen Hackathon, die Rückreise der über 100.000 im Ausland gestrandeten Touristen zu organisieren. Die Datenbank des Ministeriums war an der Aufgabe gescheitert. Schnapshersteller liefern Alkohol an Klinik-Apotheken für die Produktion von Sterilisierungsmitteln. Die Lufthansa bietet Krankenhäusern ihre Techniker für Wartungsarbeiten an. Vor allem Lüftungstechniker könnten nützlich sein. Und die Ultras von Dynamo Dresden rufen dazu auf, Blut zu spenden und für Risikogruppen einzukaufen.

Der Mensch, ein soziales Wesen

Nur: Warum nicht gleich so? Warum haben wir unser Potenzial zur Kooperation bislang nicht annähernd ausgeschöpft? "Der Grund ist ein bekanntes Phänomen der Psychologie: die erlernte Hilflosigkeit", sagt Maren Urner. Wenn Menschen oder Gruppen darauf fixiert sind, was ­alles nicht klappt, erscheinen selbst machbare Ziele irgendwann unerreichbar.

Eine natürliche Reaktion, die man sogar in Tierversuchen nachweisen kann: Durch den Boden eines Hundekäfigs werden leichte Stromstöße geschickt. Unangenehm, aber nicht schmerzhaft. ­Daraufhin springen die Hunde über den Zaun aus dem Käfig. Dann wird der Zaun so weit erhöht, dass die Hunde nicht mehr drüberkommen. Nach einigen erfolglosen Fluchtversuchen bleiben die Tiere schließlich bei jedem Stromstoß regungslos stehen und warten, bis es vorbei ist. Sie versuchen gar nicht zu entkommen. Auch dann nicht, wenn der Zaun wieder auf die über­windbare Höhe abgesenkt wird. Die Hilflosigkeit wird zum erlernten Verhalten.

Diese resignierte Haltung hatte sich in Teilen der Gesellschaft breitgemacht. Eine andere Mobilität, die gerechte Verteilung des Reichtums und vor allem eine klimaneutrale Energieversorgung – solche umwälzenden Veränderungen haben wir uns nicht so richtig zugetraut. Wie soll das gehen? Klappt ja doch nicht.

Viele wollen sich nützlich machen

Die vergangenen Wochen haben uns vor Augen geführt, wozu wir fähig sind. "Wenn diese Erfahrung bei einer kritischen Masse hängen bleibt, kann es die Gesellschaft nachhaltig verändern." Davon ist Maren Urner überzeugt. Wir sind dabei, die Hilflosigkeit wieder zu verlernen.

"Ganz viele Leute haben gerade das starke Bedürfnis, irgendwie nützlich zu sein", sagt Bastian Dörge. Er selbst auch. Dörge leitet eine ­Social-Media-Agentur. "Als wir gehört haben, dass die Bauern dringend Erntehelfer suchen, haben wir gleich losgelegt." Dörge gründete die Initiative "Bauer sucht Hilfe". Seine Agentur programmierte eine Website, die freiwillige Erntehelfer und landwirtschaftliche Betriebe zusammenbringt.

Nach einer Woche hatten sich schon über 25.000 Freiwillige registriert. "Damit verdienen wir keinen Cent. Aber es macht Riesenspaß", sagt Dörge. Seine Aktion reicht bei Weitem nicht, um die rund 300.000 Erntehelfer aus Osteuropa zu ersetzen, die vorerst nicht nach Deutschland einreisen dürfen. Doch "Bauer sucht Hilfe" ist nur eine Initiative von vielen. Bei vielen haben sich mehrere Zehntausend Freiwillige gemeldet.

Deutschland erlebt eine Welle der Großzügigkeit

Die meisten Krisen treffen die besonders hart, die im Untergeschoss der Gesellschaft leben. Auch Obdachlosen und Flaschensammlern brechen gerade ihre Einnahmen weg. Um sie zu versorgen, hängen Spender Taschen mit Lebensmitteln an Zäune. Dort können Bedürftige sich bedienen. In jeder Stadt gibt es solche Gabenzäune. Meistens hängen sie voll.

Deutschland erlebt eine Welle der Großzügigkeit. Das Bedürfnis, etwas beitragen zu können, findet seinen Ausdruck vor allem in solidarischen Gemeinschaftsaktionen. Nicht "ich kann helfen", sondern "wir können helfen". Mehr als drei Jahrzehnte wurden in der westlichen Welt Egoismus, Geiz und Gier gefeiert. Doch die Dominanz der neoliberalen Weltsicht hat ihren Höhepunkt überschritten, schon vor der Pandemie.

Im Dezember brachte Paul Collier, Professor für Ökonomie an der Universität Oxford, den Stimmungswandel in einem weltweit viel beachteten Essay auf den Punkt. Titel: "Die Gier ist tot". Die Corona-Krise könnte dem Turbo-Individualismus jetzt den allerletzten Rest geben. In der Not zeigt sich: Der Homo sapiens ist als soziales Wesen konstruiert.

Das menschliche Gehirn hingegen ist wie ein Computer mit Verbindung zum Internet

Das wird auch bei einem Vergleich mit dem Neandertaler deutlich, dessen Gehirn so groß war wie das des Menschen und vermutlich ähnlich leistungsfähig. Doch der moderne Mensch nutzt sein Potenzial anders. Große Hirnareale sind für Fähig­keiten reserviert, die für das soziale Zusammenleben benötigt werden. Wären die Gehirne der beiden Spezies Computer, dann wäre der Rechner des Neandertalers wohl eher eine Hochleistungsmaschine, die für sich allein arbeitet. Das menschliche Gehirn hingegen ist wie ein Computer mit Verbindung zum Internet. Die Zusammenarbeit und das Vernetzen multiplizieren die Fähigkeiten des Einzelnen. Denn in der Gemeinschaft profitiert man auch von den Qualifikationen, die man selbst gar nicht hat. So können alle eine ärztliche Behandlung bekommen, obwohl die meisten keine Ahnung von Medizin haben.

Allerdings nur, wenn es eine gemeinschaftliche Gesundheitsversorgung gibt. Die Pandemie macht uns deutlich: Bei der Solidarität geht es eben nicht um Barmherzigkeit oder Altruismus. Sie ist eine pragmatische Strategie des Selbstschutzes. "The winner takes it all" sichert das Überleben des Einzelnen nicht. Solidarität ist das Erfolgsrezept des Homo sapiens.

Die Hilfsbereitschaft ist stärker als das Chaos

"Für mich war das keine Frage, dass ich mithelfe", sagt Dr. Michael de Ridder. Er ist 72 Jahre alt, Internist, Ruheständler und ein sehr erfahrener Arzt. Zuletzt leitete er die Notaufnahme des Berliner Urbanklinikums, eine der größten Europas. Als die Kassenärztliche Vereinigung nach Ärzten im Ruhestand suchte, die in Corona-Teststellen mithelfen, sagte er sofort zu. "Ich bin zwar über 70 und habe einige Vorerkrankungen, fühle mich aber total fit. Angst habe ich keine." Der ehemalige Chefarzt verrichtet seinen Dienst als Corona-Testarzt im ehemaligen Vivantes-Klinikum Prenzlauer Berg in zehn Stunden langen Schichten hinter einer Glasscheibe. Über eine Sprechanlage redet er mit Menschen, die sich testen lassen wollen. Er entscheidet, wer getestet wird, wer in häusliche Quarantäne kommt und wer einfach so wieder nach Hause darf.

In diesen Tagen erleben die Krankenhäuser eine Mobilmachung, gewaltiger, als sie jemals vorstellbar war. Jedes Krankenhaus muss seine Freiwilligen selbst finden. Keine Institution und kein Ministerium koordiniert die nationale Aufgabe. Und trotzdem scheint es zu klappen. Die Hilfsbereitschaft und der Wille zur Zusammenarbeit sind stärker als das Chaos.

Allein in Baden-Württemberg haben sich mehr als 1500 pensionierte Ärzte und 4000 Medizinstudenten freiwillig gemeldet. Als das Robert Koch-Institut nach Studenten suchte, die für die Corona-Hotline arbeiten können, mussten sie nach kurzer Zeit den Aufruf stoppen, weil sich zu viele angemeldet hatten. Genauso erging es der München Klinik nach einem Online-Hilferuf. "Die Resonanz war atemberaubend, und wir sind überwältigt von Ihrer Hilfsbereitschaft", schreibt die Klinik auf ihrer Internetseite. Nach 3000 Bewerbungen musste sie die Aktion stoppen.

Wenn die Befürchtungen sich bewahrheiten, stehen dem Krankenhauspersonal brutale Wochen bevor

In den vergangenen Jahren wurden Krankenhäuser zu profitorientierten Unternehmen umgestaltet. Auf den arbeitsintensiven Intensivstationen und in den Notaufnahmen wurde das Personal konsequent reduziert. Die Gesundheitspolitiker trauten sich einen Machtkampf mit der Krankenhauslobby nicht zu. Erlernte Hilflosigkeit. Doch nun, innerhalb weniger Tage, werden die Krankenhäuser ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt und in das zurückverwandelt, was sie sein soll­ten: Lebensrettungsanstalten.

Wenn die Befürchtungen sich bewahrheiten, stehen dem Krankenhauspersonal brutale Wochen bevor, mit langen Schichten und kurzen Ruhepausen. Viele, die den ganzen Tag Kontakt mit Infizierten haben, wollen ihre Familien zu Hause nicht dem Ansteckungsrisiko aussetzen. Wo sollen sie schlafen? Und wo die Freiwilligen, die nicht an ihrem Wohnort eingesetzt werden? "Da können wir sofort helfen", sagt Christoph Hoffmann, Chef der Hotelkette 25hours. Hoffmann bietet den Kliniken an, seine komplette Infrastruktur zu nutzen, entweder um das Personal unter­zubringen oder als zusätzliche Kapazität für Patienten, die für Covid-19-Kranke Platz machen müssen. Derzeit führt er Gespräche mit den bayerischen Gesundheitsbehörden. "Uns geht es dabei nicht um Profit", sagt Hoffmann. "Die Leute im Krankenhaus werden alle Kraft brauchen. Wäre doch schön, wenn wir die unterstützen könnten."

Wie Deutschland durch die Krise kommt, hängt entscheidend von den Ärzten und Pflegekräften ab. Damit sie wenigstens mit der notwendigen Schutzkleidung ausgerüstet sind, hat Volkswagen seine Logistik-Truppen in China in Marsch gesetzt und Ausrüstung im Wert von 40 Millionen Euro einfliegen lassen.

Viele Firmen produzieren jetzt Masken

Die fehlenden Schutzmasken haben sich inzwischen zu einem Symbol des Mangels entwickelt. Gleichzeitig bieten sie vielen die Möglichkeit, sich nützlich zu machen. Überall rattern die Nähmaschinen. Omas und Tanten ver­sorgen die Verwandtschaft. Und der Bestsellerautor Bas Kast beliefert sämtliche Kinderarztpraxen in seiner unterfränkischen Heimat. "Als ich gehört habe, dass Kinderärzte ihre Sprechstunden ungeschützt abhalten müssen, habe ich gleich ein paar Näherinnen mit der Produktion von Masken be­auftragt", sagt Bas Kast. "Ich weiß, das sind keine medizinischen ­Masken, aber ein wenig halten sie doch ab."

Inzwischen haben auch Europas Modehersteller ihre Produktion auf Masken umgestellt: Trigema und Mey in Deutschland, Gucci und Prada in Italien oder Mango in Spanien. Bald schon wird jeder sein eigenes, kleines Maskensortiment brauchen, um, wie gefordert, alle paar Stunden eine frische Maske überziehen zu können. Der Stofffetzen im Gesicht, das wissen wir von dem Virologen Christian Drosten, schützt nicht denjenigen, der ihn trägt. Aber er schützt die an­deren vor ihm. Wenn künftig alle eine tragen, reduziert sich das Infektions­risiko insgesamt. Womöglich ist es dann verantwortbar, die Kontaktbeschränkungen etwas früher zu lockern. Matthias Mey, Chef des gleichnamigen Unter­wäscheherstellers, ist überzeugt: "Die Masken sind der Schlüssel zur Freiheit."

Helfen bei der Jagd nach dem Impfstoff

Oder zumindest zu einer Vorstufe davon. Das normale Leben ist erst wieder möglich, wenn ein Impfstoff zur Verfügung steht. An dessen Suche kann sich jeder beteiligen. Den Stoff, aus dem unsere Träume sind, findet man heute nicht mehr im Labor, sondern im Computer. Für die aufwendigen Simulationen sind gigantische Rechenkapazitäten notwendig, die selbst den stärksten Rechner der Welt überfordern. Da­rum bittet die Stanford University Privatpersonen, ihnen einen Teil der Rechenleistung ihres Computers zur Verfügung zu stellen. 700.000 Unterstützer haben bereits das notwendige Programm "Folding@home" installiert.

Wer will, kann seinem Rechner sogar bei der Jagd nach dem Impfstoff zusehen. Vielleicht hat man ja Glück und wird dabei Zeuge der Rettung der Welt. Denn die alles entscheidende Information wird irgendwann auf irgendeinem Computer irgendwo auf der Welt gefunden. Jede Sekunde kann es so weit sein.

Gemeinsam gegen Corona
© Bertelsmann Content Alliance

Corona ist hochansteckend - Hilfsbereitschaft auch

Überall in Deutschland haben Menschen Ideen, wie man trotz Kontaktsperre, Ladenschließungen und Krankheitsangst das öffentliche Leben in Bewegung halten kann. Wir zeigen die besten Beispiele aus allen Regionen: zum Staunen, Nutzen und Nachmachen. Wenn Sie weitere kennen, senden Sie uns eine E-Mail mit einer kurzen Beschreibung des Projekts samt Ort und Ansprechpartner unter coronahilfe@stern.de. Wir nehmen sie dann in unsere Helfer-Liste auf: www.stern.de/solidaritaet

  • Hamburg

Richard „Richie“ Maier unterstützt mit der Plattform „Kiezretter“ lokale Restaurants und Läden, die in der Krise schließen mussten. Jetzt plant er, ähnliche Initiativen in ganz Deutschland zu vernetzen, um voneinander zu lernen. Eine weitere dieser Plattformen ist „Applaus für Helden“ vom jungen Elternpaar Saskia und Florian Hofmann. Sie wollen Lieblingsläden das Überleben sichern. www.kiez-retter.de

Dennis alias Valery Pearl legt immer samstags auf seinem Balkon im Stadtteil St. Georg für die Nachbarn auf. Und ­Conferencier Cornelius Gesing organisiert Skype-Olympiaden für jeweils zehn Spieler. Sie müssen per Videokonferenz witzige Fragen beantworten und lernen sich so besser kennen. www.corneliusgesing.com

  • Kappeln

Eine ehrenamtliche Mitarbeiterin in einem Hospiz kann wegen der Ansteckungsgefahr nicht mehr zu den Kranken, um sie beim Sterben zu begleiten. Mit dem Akkordeon stellte sie sich vor das Haus und spielte eine Stunde lang, von „Schneewalzer“ bis „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“, alle Stücke, die sie konnte.

  • Idensen

In dem Ort nahe Wunstorf haben junge Landfrauen zum Nähen von Schutzmasken aufgerufen. Gesammelt werden sie in einem Kasten neben der Kirche, der mehrmals täglich geleert wird. Die kostenlose Verteilung an unterversorgte Arztpraxen übernimmt der Ortsbürgermeister. www.landfrauen-helfen.de

  • Hannover

Um Schutzmasken dreht sich auch alles bei Anne Weirauch. Mit ihrer Nähwerkstatt „Unter einem Dach“ ist sie in die Produktion eingestiegen und verteilt die Masken kostenlos an Helfer. Wer als Privatperson eine kaufen möchte, zahlt fünf Euro – und finanziert so die Produktion weiterer kostenloser Masken. www.unter-einem-dach.org

  • Bünde

Weil der Schulbetrieb steht, hat Fahrlehrer Marc Höcker mit seinen Fahrschulautos in der ländlichen Region flugs einen Lieferdienst für die vielen kleinen ­Läden aufgezogen. Erst waren es nur ­Lebensmittel, inzwischen liefert er auch Obstbäume der örtlichen Gärtnerei per Lkw. Neuestes Projekt: eine Spendenwand auf dem Marktplatz. www.facebook.com/fshoecker

  • Essen

Die Designgarage hat ein „Local Hero“-Logo entwickelt, das kleine Läden kostenlos nutzen können, um auf sich aufmerksam zu machen – digital oder auch einfach ausgedruckt vor Ort. www.facebook.com/die.design.garage

  • Düsseldorf

Das kleine Tonstudio Maxiworx hat einen Song über die Corona-Krise aufgenommen und mit Selfies von Helfern aus Kliniken, an Supermarktkassen oder in Feuerwachen unterlegt. Das Lied heißt schlicht „Danke!“ und hat schon Zehntausende Views auf Youtube gesammelt. Alle Einnahmen mit dem Lied sollen gespendet werden. www.facebook.com/MaxiworX

Julia Velten arbeitet im Seniorenheim Ernst-und-Berta-Grimmke-Haus und erlebt die Folgen des Besuchsverbots dort hautnah. Um die Bewohner vor Vereinsamung zu schützen, motiviert sie andere Menschen, den ihnen unbekannten Alten Briefe oder Postkarten ins Heim zu schreiben.

  • Wesel

Moritz Hußmann ist selbst Kleinunternehmer, betreibt eine Eventagentur und ein „Büdchen“. Mitte März begann er über Facebook Helfer zu organisieren. Inzwischen gibt es 16 Stadtteilgruppen mit 150 Teilnehmern, die für andere einkaufen, den Hund ausführen oder sonstige Botengänge übernehmen. Facebook-Gruppe „weselhilft“

  • Köln

Die Digitalagentur „4meter20“ entwickelt die kostenlose Jobplattform „Wir brauchen Helden“, um kurzfristig und unbürokratisch Helfer zu vermitteln. www.wirbrauchenhelden.de

Hundebloggerin Marion Reichl widmet sich Themen rund um Vierbeiner. Ihr Ziel: Kleine Lieblingsläden, die sich um die Tiere kümmern, sollen erhalten bleiben. www.blogmitwuff.de

  • Ahrweiler

Jürgen Schwarzmann von der Jugend- pflege des Kreises Ahrweiler motiviert junge Leute zum Helfen und organisiert die ­Hilfsdienste für Senioren als „Challenge“ für Jugendliche, die schulfrei haben.

  • Hermeskeil

Die Kreisliga-Fußballmannschaft des HSV (Hermeskeiler Sport Verein) ist in der spiel- und trainingsfreien Zeit unterwegs, um für Menschen einzukaufen, die zur- zeit besser nicht rausgehen sollten. www.facebook.com -> Hermeskeiler SV

  • Berlin

Auch in der Wissenschaft kann man Hilfe an ungewöhnlichen Orten organisieren: Das Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) erforscht, wie es der Gesellschaft mit der Corona- Isolation geht. Bei der Onlineumfrage kann jeder mitmachen. www.lebenmitcorona.org

  • Leonberg

Die Handballmannschaft des SV Leonberg hilft Senioren und anderen Risikopatienten beim Einkaufen von Lebensmitteln und dem begehrten Toilettenpapier. sv.einkauf@gmx.de

  • Esslingen

Nachdem Desinfektionsmittel knapp wurden, taten sich örtliche Handwerker und Mittelständler zusammen und konstruierten ein robustes Handwaschbecken, das mit wenigen Handgriffen an jedem Ladeneingang aufgestellt werden kann: Händereinigung mit Wasser und Seife überall. Die Stationen werden zum Selbstkostenpreis abgegeben und auf Wunsch auch gleich installiert. www.handwasch.de

  • Böblingen

Über Paypal sammelt Mario Campo Neves Geld, um damit bei örtlichen Restaurants Essen für Hilfskräfte, etwa in Krankenhäusern, zu kaufen. So unterstützt man lokale Gastronomie und medizinisches Personal gleichzeitig. Paypal -> essenfuerhelden

  • Ettlingen

Die örtliche Gruppe der Katholischen Jungen Gemeinde (KjG) übernimmt Einkäufe. info@kjgstmartin.de

Zusammengestellt von Jan Boris Wintzenburg

Erschienen in stern 15/2020

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