Protestwelle im Iran Aktivisten melden mehr als 50 getötete Demonstranten – weitere Eskalation droht

Menschenmengen wie diese versammeln sich auf den Straßen der iranischen Städte
Menschenmengen wie diese versammeln sich auf den Straßen der iranischen Städte
© Uncredited / UGC / AP / DPA
In den beiden größten iranischen Städten gehen wieder Menschen auf die Straßen. Aktivisten sprechen von über 50 getöteten Demonstranten, es gibt Berichte über brennende Moscheen.

In den iranischen Millionenmetropolen Teheran und Maschhad kommt es den zweiten Tag in Folge zu Straßenprotesten. Viel geteilte Videos in den sozialen Medien zeigten Menschenansammlungen an zentralen Plätzen. Unabhängig verifizieren ließen sich die Aufnahmen zunächst nicht. Auch das genaue Ausmaß der Demonstrationen war zunächst unklar. Wegen der landesweiten Internetsperre drangen nur noch wenige Aufnahmen nach außen. Seit mehr als 24 Stunden ist die Bevölkerung vom Rest der Welt abgeschnitten.

In einem von Aktivisten veröffentlichten Video sind Menschenmassen im nordwestlichen Teheraner Stadtteil Saadat Abad zu sehen. Eine Stimme im Hintergrund berichtet von einer angezündeten Moschee. Auf den Aufnahmen sind Brände und chaotische Szenen auf den Straßen zu erkennen. "Tod dem Diktator", ruft die Menge in einem anderen Teil des Videos.

Das Zentrum für Menschenrechte im Iran (CHRI) mit Sitz in New York zeigte sich besorgt angesichts staatlicher Gewalt. Man habe glaubwürdige Augenzeugenberichte aus Krankenhäusern, die in Gebieten von Teheran, Maschhad und Karadsch mit verletzten Demonstrierenden überfüllt sind, hieß es in einem Bericht.

Laut Aktivisten mehr als 50 Demonstranten im Iran getötet

Aktivisten zufolge sind 51 Demonstrierende getötet worden. Hunderte weitere Menschen sollen bei Konfrontationen mit den Sicherheitskräften verletzt worden sein, berichtete die Organisation Iran Human Rights (IHRNGO) mit Sitz in Oslo.

Zudem prüfe die Organisation Berichte über die Tötung von Dutzenden Demonstrierenden in den Großstädten Teheran, Maschhad und Hamadan, die noch nicht in den aktuellen Zahlen enthalten sind. "Die Gefahr einer Eskalation der Gewalt und eines massenhaften Tötens von Demonstrierenden nach der Internetabschaltung ist sehr ernst", warnte Direktor Mahmood Amiry-Moghaddam.

Sicherheitskräfte mit Sturmgewehren

Studierende in der Hauptstadt Teheran berichteten von einer angespannten Sicherheitslage. Auf einer Hauptverkehrsstraße seien alle zehn Meter Spezialeinheiten der Sicherheitskräfte mit Kalaschnikow-Sturmgewehren postiert, hieß es im studentischen Newsletter "Amirkabir". Die Sorge vor einer Eskalation der Gewalt war demnach groß.

Unterdessen berichtete der Bürgermeister von Teheran, Aliresa Sakani, vom Ausmaß der Unruhen in der vergangenen Nacht. Seiner Darstellung nach wurden bei den Unruhen mehr als 50 Banken und mehrere staatliche Einrichtungen angezündet. "Mehr als 30 Moscheen gingen in Flammen auf", sagte er in einem von der Nachrichtenagentur Mehr verbreiteten Video.

DPA
lw

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