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RIESTER: Ausstieg aus Rentenverträgen chancenreich

Übereilte Unterschrift unter Versicherungsverträgen fürs Alter sind korrigierbar, aber man sollte damit nicht zu lange warten. Sogar Widerspruch per E-Mail ist möglich.

Mit dem Jahreswechsel ist der offizielle Startschuss für die Riester-Rente gefallen. Aber rund eine Million Menschen in Deutschland stecken nach Einschätzung des Bundes der Versicherten (BdV) schon längst mitten drin - meist in überhastet abgeschlossenen Versicherungsverträgen fürs Alter. Doch die frühe Unterschrift garantiert keineswegs Vorteile beim Kassieren staatlicher Fördergelder, wie vielen Anlegern weisgemacht wurde. Im Gegenteil: In den nächsten Monaten kommen erst die wirklich optimalen Angebote für die freiwillige Privatrente auf den Markt, sind viele Verbraucherschützer überzeugt.

Korrektur möglich

Wer schon vor Wochen einen Vertrag abgeschlossen hat, den er jetzt bereut, muss nicht verzweifeln. Eine Korrektur ist nicht immer einfach, aber durchaus möglich, macht BdV-Geschäftsführer Hans Dieter Meyer Mut. Aus einer unsinnigen Police können Kunden oft noch innerhalb von zwölf Monaten nach Zahlung des ersten Beitrags wieder raus - und zwar ohne finanziellen Verlust.

Verbraucherzentralen beraten

Auch Beate Kirchner von der Verbraucherzentrale Hessen rät dringend dazu, sich von »falschen« Riester-Verträgen schnell wieder zu lösen. Wird zu lange abgewartet, gibt es kein Zurück mehr. Tausende von Mark könnten dann mit renditeschwachen Modellen im Alter verloren sein. Auch ein später Wechsel zu einem besseren Vertrag ist nur unter Verlusten möglich. Objektive Beratung gibt es bei den Verbraucherzentralen.

Eckadaten beachten

Wer aussteigen will, sollte folgende Eckpunkte prüfen: Versicherungsunternehmen und damit auch seine Berater müssen ihre Kunden vor Vertragsabschluss umfangreich informieren. Dazu gehört auch, auf die Nachteile kapitalbildender Versicherungen im Vergleich zu anderen Riester-Vertragsmodellen hinzuweisen, wie Meyer betont. Ist das nicht passiert, darf jeder Kunde dem Vertragsabschluss widersprechen und alle gezahlten Beiträge plus sieben Prozent Zinsen zurück verlangen. Der Widerspruch kann per Brief, Telefax und sogar E-Mail abgeschickt werden - er muss nur rechtzeitig, also vor Ablauf eines Jahres nach Zahlung der ersten Prämie, erfolgen.

Gründe für den Widerspruch

Weitere Ausstiegsgründe: So mancher Versicherungsvermittler hat seinen Kunden nicht davor gewarnt, dass die Förderung erst 2002 startet, das Angebot noch kein Zertifikat hat und dass selbst dieses Zeugnis noch nichts über die Qualität des Sparmodells aussagt. Riester-Rentenmodelle werden grundsätzlich nur dann vom Staat gefördert, wenn sie bestimmte Grundbedingungen erfüllen. Selbst Ende 2001 hatten längst nicht alle Versicherungsangebote, die auf dem Markt waren, den notwendigen offiziellen Segen.

Warnhinweis vorgeschrieben

Solche Informationen und Warnhinweise vor Vertragsabschluss sind jedoch gesetzlich vorgeschrieben, betont Meyer. Wurden sie unterlassen, kann sich der Versicherte auf sein Widerspruchsrecht berufen.

Notausstieg chancenreich

Nach den Erfahrungen des BdV stehen die Chancen für einen Notausstieg gut. In allen ihnen bekannten Fällen hatten Versicherer auf den Widerspruch reagiert, abgeschlossene Verträge aufgehoben und die Beiträge plus Zinsen zurück gezahlt. Bei hartnäckigen Auseinandersetzungen hatten die Unternehmen spätestens im Gerichtssaal klein beigegeben.

Informationen

Details zum Ausstieg bietet die kostenlose Broschüre »Schnell wieder raus aus unsinnigen Kapital- und Rentenversicherungen zur privaten Altersvorsorge«. Sie wird von der Verbraucherzentrale Hessen gemeinsam mit dem Bund der Versicherten herausgegeben. Gegen Einsendung eines mit drei Mark frankierten Rückumschlags kann sie unter folgender Adresse bestellt werden:

Verbraucherzentrale Hessen

Große Friedberger Straße 13-17

60313 Frankfurt