HOME

Kfz-Versicherungen: Sparen trotz höherer Prämien

Die Preise für Kfz-Versicherungen steigen in diesem Jahr schon wieder. stern.de zeigt, wie Autofahrer dennoch sparen können.

Von Friederike Krieger

Schlechte Nachrichten für Autofahrer: Sie müssen im zum dritten Jahr in Folge Preiserhöhungen für ihre Kfz-Versicherung in Kauf nehmen. Vor allem für preiswerte Tarife werden Autofahrer nach Angaben des Vergleichsportals Transparo tiefer in die Tasche greifen müssen. Besonders hart trifft es Neuwagenbesitzer, die ihre Autos vollkaskoversichern wollen. Sie müssen für den günstigsten Tarif rund 7,6 Prozent mehr bezahlen als im Vorjahr. Das hat eine Auswertung von 21.000 anonymisierten Vergleichsanfragen von Transparo-Kunden ergeben, die zum 1. Januar 2014 eine neue Kfz-Police suchen. Demnach steigen die Prämien für günstige Teilkaskoverträge um 7,1 Prozent, für preiswerte Haftpflichtpolicen beträgt die Zunahme 5,6 Prozent.

Mit den Preiserhöhungen wollen die Kfz-Versicherer die Profitabilität des Autoversicherungsgeschäfts erhöhen. Von 2004 bis 2010 hatten sich die Gesellschaften im Kampf um Marktanteile einen heftigen Preiskrieg geliefert, der die Prämien immer weiter sinken ließ. Der harte Wettbewerb hat Spuren in den Bilanzen der Unternehmen hinterlassen: Seit 2008 geben sie mehr für Schäden sowie Vertriebs- und Verwaltungskosten aus, als sie an Prämien einnehmen.

Preiserhöhungen werden versteckt

Die Kapitalerträge gleichen dieses Defizit zwar aus, doch sie schrumpfen beständig aufgrund des Niedrigzinsumfelds. Hinzu kommen hohe Schäden durch die Naturkatastrophen wie das Hochwasser und die Hagelstürme.

Auch wer seinem Autoversicherer treu bleibt, kommt nicht immer an Preiserhöhungen vorbei. "Die Anhebung der Prämien wird sicher auch Auswirkungen auf Tarife der Bestandskunden haben", sagt Johannes Hack, Vorstand von Transparo. So heißt es in Branchenkreisen, dass die Allianz die Prämien um bis zu zehn Prozent erhöhen will – für alle Kfz-Versicherten und nicht nur für Neukunden.

Die Crux: Bestandskunden fällt eine Preiserhöhung in der Jahresendabrechnung nicht unbedingt auf. So warnt die Zeitschrift Finanztest in ihrer aktuellen Ausgabe vor "verdeckten Preiserhöhungen". Der auf der Abrechnung angegebene persönliche Beitrag sinke von Jahr zu Jahr, weil die Kunden jedes Jahr in eine günstigere Schadenfreiheitsklasse rutschen, wenn sie unfallfrei fahren. Trotzdem könne der Versicherer an der Preisschraube gedreht haben. "Diese verdeckte Preiserhöhung fällt in der Jahresendabrechnung oft nicht deutlich ins Auge", schreiben die Tester. Ob der Versicherer die Preise erhöht hat, zeigt erst ein Blick ins Kleingedruckte. Viele Anbieter geben hier einen direkten Vergleich zum Vorjahresbeitrag an.

Russische Mechaniker haben einen Bentley-Panzer aus Luxuswagen und Kettenfahrzeug gebaut.

Angebote überprüfen

Auch wenn viele Versicherer ihre Prämien erhöhen, lohnt es sich nach wie vor, Preise zu vergleichen. Denn die Unterschiede zwischen den verschiedenen Angeboten sind enorm, vor allem bei jungen Fahrern. So zahlt laut Finanztest ein Führerscheinneuling für eine Haftpflichtpolice, bei der er auch Freunde ans Steuer lassen kann, beim billigsten Anbieter 1426 Euro im Jahr und bei der teuersten Gesellschaft 4153 Euro.

Timo Voss vom Bund der Versicherten (BdV) sieht aber keinen Grund zur Eile. "Die meisten Versicherer bringen ihre Tarife erst Ende Oktober oder Anfang November heraus", erklärt er. Erst dann mache ein Preisvergleich Sinn.

Bis zum 30. November haben Autofahrer Zeit, ihren alten Anbieter zu verlassen und sich einen neuen zu suchen. "Zu diesem Zeitpunkt muss die Kündigung beim Anbieter auf dem Tisch liegen", erklärt Voss. Wer dann erst den Brief losschickt, kommt zu spät und muss ein weiteres Jahr bei seinem alten Versicherer ausharren.

Eine Ausnahme gibt es bei Beitragsanpassungen, die Versicherer den Kunden erst nach dem Stichtag mitteilen. "Dann hat der Versicherte ein außerordentliches Kündigungsrecht", erklärt Voss. Ab Erhalt des Schreibens hat der Kunde dann einen Monat Zeit, um seine Police zu kündigen.

Preisvergleich im Internet

Zum Preisvergleich bieten sich Online-Portale an. Platzhirsche in diesem Markt sind Check24 und Transparo, das den Versicherern HUK-Coburg, WGV und Talanx gehört. Der Vorteil: Die Kunden müssen ihre Daten nur einmal eingeben, um eine Vielzahl von Angeboten verschiedener Versicherer zu erhalten. Transparo.de betreibt auch den Kfz-Versicherungsvergleich von stern.de.

Die Liste wird allerdings nie ganz vollständig sein. Denn nicht jeder Versicherer ist auch auf jedem Vergleichsportal vertreten. So boykottiert die HUK-Coburg, die mit Transparo ein eigenes Vergleichsportal hat, die Teilnahme am Preisvergleich vom Konkurrenten Check24.

"Momentan haben wir das Problem, dass nicht auf allen Portalen alle Versicherer vertreten sind", erklärt David Stachon, Vorstandsvorsitzender des Direktversicherers Direct Line. "Das heißt, die Kunden müssen mehrere Portale besuchen, um einen Marktüberblick zu bekommen. Den meisten ist das allerdings zu mühsam."

Portale erheben Provisionsgebühren

Voss vom BdV sind Portale wie Transparo und Check24 auch noch aus einem anderen Grund nicht geheuer. Als Versicherungsvermittler leben sie von den Provisionen, die ihnen die Gesellschaften zahlen, an die sie die Kunden weiterleiten. Zwischen 70 und 100 Euro soll ihnen laut Branchenkreisen eine Kfz-Police einbringen. "Die Portale pushen die Gesellschaften, bei denen am meisten Geld fließt", fürchtet Voss. Er empfiehlt den Vergleichsrechner des Datendienstleisters Nafi, mit dem auch der BdV kooperiert. Nafi ist kein Vermittler, sondern entwickelt in erster Linie Software zur Kfz-Versicherungskalkulation und erstellt Marktbeobachtungen für Versicherer.

Der Nachteil: Nafi ermöglicht zwar einen Preisvergleich. Wer einen passenden Anbieter gefunden hat, muss allerdings auf dessen Homepage gehen und seine Daten für den Policenkauf erneut eingeben.

Der Leistungsumfang ist entscheidend

Voss rät, beim Versichererwechsel nicht nur auf den Preis, sondern auch auf die Leistungen zu achten. So macht es bei der Kaskoversicherung Sinn, wenn der Versicherer auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit verzichtet. Dann zahlt er auch den kompletten Schaden, wenn der Kunde zum Beispiel einen Auffahrunfall hat, weil er sich nach einer fallengelassenen Zigarette bückt.

"Es ist auch sinnvoll, den Zusammenprall mit allen Tieren zu versichern", erklärt Voss. Gibt der Versicherer an, nur Haarwild zu versichern, kommt er für den Zusammenprall mit einem Wildschwein auf, nicht aber für die Kollision mit einem Fasan oder einer Katze.

Wenn der Kunde den Versicherer nicht wechseln will, kann es sich auch lohnen, den bestehenden Anbieter anzusprechen und mit ihm einen individuellen Preisnachlass auszuhandeln. "Versicherungsvertreter haben oft Kontingente für Rabattierungen", sagt Voss. "Es kommt natürlich darauf an, ob der Vertrag das noch hergibt." Hatte der Kunden viele Schäden, werden Nachverhandlungen wohl erfolglos bleiben.

Einen Rabatt gewähren viele Versicherer freimütig, wenn der Kunde sich für die Werkstattbindung entscheidet. Dann dürfen Kunden das Auto nach einem Kaskoschaden nur in eine vom Versicherer benannte Werkstatt bringen. Laut Finanztest können Kunden so eine Ersparnis von bis zu 15 Prozent des Beitrages erzielen. "Bei Neu- und Leasingwagen kann diese Klausel aber Probleme bringen, wenn die Garantie- oder Leasingbedingungen Werkstätten der Hersteller verbindlich vorschreiben", warnen die Tester.

Wissenscommunity