VG-Wort Pixel

Bund der Vertriebenen Steinbach als Präsidentin wiedergewählt


Die Vertriebenen-Chefin Erika Steinbach ist deutlich als Präsidentin wiedergewählt worden. Auf der Bundesversammlung des Verbandes in Berlin zeigte sich die 67-Jährige, die in der Vergangenheit mehrfach wegen umstrittener Äußerungen in die Kritik geraten war, kämpferisch.

Der Bund der Vertriebenen hat Erika Steinbach mit einem deutlichen Ergebnis als seine Präsidentin im Amt bestätigt. Für die 67-Jährige stimmten am Samstag in Berlin 159 Delegierte, 8 votierten gegen sie, 2 enthielten sich der Stimme. Sie trat ohne Gegenkandidaten an. Vor zwei Jahren hatte sie 82,3 Prozent bekommen.

Die CDU-Politikerin war wegen mehrerer Äußerungen in diesem Jahr unter Druck geraten. Ihre Kritik an Polens Deutschland-Beauftragten Wladyslaw Bartoszewski, dem sie einen "schlechten Charakter" vorwarf, bedauerte sie später.

Auf der Bundesversammlung des Bundes der Vertriebenen (BdV) in Berlin hat Steinbach zuvor Nachbarländer davor gewarnt, die Vertreibung zahlreicher Deutscher zu relativieren. "Die menschliche und die kulturelle Dramatik dieser Massenvertreibungen lässt sich weder relativieren noch lässt sie sich rechtfertigen", sagte sie. "Auch nicht unter Hinweis auf Ursache und Wirkung, wie es in der deutschen Politik und in manchen unserer Nachbarländer gang und gäbe ist. (...) Solche Töne sind einfach gespeist aus archaischem Blutrachegedanken."

Entschädigung für deutsche Zwangsarbeiter

Die CDU-Politikerin wies Attacken gegen ihren Verband zurück. Von der Bundesregierung forderte sie Entschädigung für deutsche Zwangsarbeiter durch Einmalzahlungen.

Im September hatte Steinbach für Kritik bei FDP und Opposition gesorgt, als sie einen Vertriebenenfunktionär in Schutz nahm, der Polen wegen seiner frühzeitigen Mobilmachung Mitschuld am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gegeben hatte. Die polnische Mobilisierung vor dem Zweiten Weltkrieg sei ein "Faktum", hatte Steinbach gesagt und hinzugefügt: "Ich kann es doch nicht ändern, dass Polen mobil gemacht hat." Dieser Satz konnte so interpretiert werden, dass Polen den deutschen Überfall im September 1939 selbst provoziert hat.

Die Vertriebenen-Präsidentin wies den Vorwurf der Geschichtsklitterung zurück. "Ich lasse niemandem aus unserem Verband absprechen, dass er Demokrat sei", sagte sie. Die Reaktionen der Vertriebenengegner seien "feindselig und aggressiv". "Es ging immer nur darum, eine Gedenkstätte zu verhindern, zu diskreditieren." Sie werde weiter für ihre Ziele kämpfen. Nach Äußerungen zweier stellvertretender BdV-Mitglieder des Stiftungsrats für das geplante Vertriebenenzentrum hatte der Zentralrat der Juden seine Mitgliedschaft ruhen lassen.

Aus dem Verband kam Kritik an Polen. "Polen hat vier seiner Nachbarn überfallen zwischen den Kriegen", sagte der Vorsitzende der Landsmannschaft Schlesien, Rudi Pawelka. "All das muss man sagen dürfen." BdV-Präsidiumsmitglied Wilhelm von Gottberg kritisierte grundsätzlich: "Jahrzehnte wurde nur über die deutsche Schuld gesprochen." Nun müsse der Blick nach vorne gerichtet werden.

Steinbach warf Teilen der Zuwanderer mangelnden Integrationswillen vor. Sie warnte davor, deutsche Vertriebene und Spätaussiedler in der Debatte in einem Atemzug mit "integrationsunwilligen Arbeitszuwanderern und ihren Familien aus einem anderen Kulturkreis" zu nennen.

DPA/kmi DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker