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"Chez Krömer": Mit Rechten reden? Kurt Krömer zeigt, wie es geht – und wie man es nicht machen sollte

Soll man Rechtspopulisten eine Bühne bieten oder sie aus Fernsehsendungen ausladen? Kurt Krömer hatte Erika Steinbach geladen – und lieferte für beides Gründe.

Erika Steinbach zu Gast bei Kurt Krömer in seiner Sendung "Chez Krömer"

Erika Steinbach zu Gast bei Kurt Krömer in seiner Sendung "Chez Krömer"

ARD

Ziemlich genau in der Mitte seiner Sendung hielt es Kurt Krömer nicht mehr aus. Er verließ die Verhörzelle, in der Studiogast Erika Steinbach wartete, und steckte sich verzweifelt eine Zigarette an und stellte die Sinnfrage. "Ich frage mich manchmal selber, was ich hier eigentlich mache. Bin ich ein investigativer Journalist, der hier irgendwas rauspopelt?", klagte der 45-Jährige. "Es ist ja immer das Gleiche. Das hörst du schon seit 30 Jahren, wirst du auch in 20 Jahren noch hören."

Womit er das Grundproblem des medialen Umgangs mit Rechtspopulisten beschrieben hat. Die verschanzen sich im Interview oft hinter ihren immer gleichen Phrasen und Behauptungen, dass es oft nur schwer möglich wird, sie inhaltlich zu packen. 

Dass dies punktuell aber doch möglich ist, zeigte Krömer am Montagabend in der ersten Hälfte seiner Sendung "Chez Krömer". Dort gelang es ihm, die AfD-nahe Kritikerin von Angela Merkels Flüchtlingspolitik immer wieder in Widersprüche zu verstricken.

Kurt Krömer hakte nach

Das klappte, weil er im 1:1-Dialog immer wieder nachsetzen konnte. In einer Talkrunde mit mehreren Gästen wäre das Gespräch ausgeufert und Steinbach wäre mit ihren Parolen viel leichter durchgekommen. So aber konnte Krömer hartnäckig nachfragen. Etwa als es um das Flüchtlingsthema ging: Weshalb die 76-Jährige, die im Zweiten Weltkrieg als Flüchtling selbst "Missachtung, Demütigung und bittere Not" erlebt hat, sich so unbarmherzig über syrische Flüchtlinge äußert - das wollte dem Moderator nicht in den Kopf gehen. Am Beispiel von Steinbachs Gerede von einem "importierten Antisemitismus" gelang es Krömer, die dünne Basis ihrer Argumentation offenzulegen. 

Steinbach: "Die dürfen nicht mit ihrem eintrainierten Antisemitismus hierherkommen." 
Krömer: "Wer jetzt?"
Steinbach: "In den islamischen Staaten wird der Antisemitismus von klein auf den Menschen eingebläut."
Krömer: "Allen?"
Steinbach: "Die kommen..." 
Krömer: "Allen?"
Steinbach: "Den meisten."
Krömer: "Bei Ihnen hört sich das immer an, als ob es alle sind. Es sind jetzt einige."
Steinbach: "Mir sagte das jemand, der mit einer Marokkanerin verheiratet ist."
Krömer: "Das war jetzt eine Person, die Ihnen das gesagt hat."

Mit ein bisschen Geduld und Beharrlichkeit gelang es ihm so, die Legende zu entkräften, Deutschland würde von Millionen Antisemiten geflutet: "Es waren erst viele, dann waren es einige, jetzt ist es einer", stellte er fest.

Erika Steinbach lässt Provokationen abprallen

Im weiteren Verlauf konfrontierte Krömer seinen Gast mit einigen umstrittenen Tweets - und konnte Steinbach inhaltliche Widersprüche etwa in puncto gleichgeschlechtlicher Ehe sowie einen recht laxen Umgang mit dem Urheberrecht nachweisen. 

Dieses konzentrierte Niveau hielt der Berliner jedoch nicht volle 30 Minuten durch. Er war nicht in jeder Frage gut informiert. So suggerierte Krömer, ein Richter habe geurteilt, Höcke sei ein Faschist. Tatsächlich hat das Gericht in Meiningen entschieden, dass diese Bezeichnung mit der Meinungsfreiheit gedeckt sei. Krömer tat aber gerade so, als sei Steinbach verpflichtet, dieses Urteil zu übernehmen und Höcke nun ebenfalls als Faschisten zu bezeichnen. 

Viele User halten die Entscheidung für längst überfällig

Dazu wurde er mit zunehmender Sendedauer polemischer. Krömer zeigte seinem Gast die bekannte Szene aus dem Jahr 2015, in dem Bundeskanzlerin Merkel ein weinendes palästinensiches Flüchtlingsmädchen tröstet - nur um zu fragen: "Was hätten Sie jetzt gemacht? Das Kind getröstet oder geschlagen?" Eine billige Provokation, die Steinbach für einen leichten Punktgewinn nutzte, indem sie das einzig Richtige sagte: "Weinende Kinder tröstet man. Kinder schlägt man prinzipiell nicht."

"Sie werden das überhaupt nicht senden"

Später wurde Krömer zudem beleidigend. "Das was Sie sagen öffentlich im Fernsehen, ekelt mich an, kotzt mich an, widert mich an", sagte er an einer Stelle. Ein paar Minuten später: "Die Gefahr ist groß, dass ich über den Tisch kotze." Das mag emotional vielleicht nachvollziehbar sein, klüger macht es jedoch niemanden und bringt der AfD-nahen Politikerin schlimmstenfalls Sympathien ein.

Dabei lieferte die genügend Angriffsfläche, indem sie sich - wie so viele Rechtspopulisten - als Opfer aufspielte: "Ich üb mich hier schon mal hier in dieser Zelle. Man weiß ja nicht, wie lange man die Meinungsfreiheit hat, ohne ins Gefängnis eingesperrt zu werden", sagte sie - und quittierte dafür Buhrufe von den Zuschauern. Am Schluss prognostizierte Steinbach: "Sie werden das überhaupt nicht senden, wie ich Sie kenne." Auch darin irrte sie.

Doch zumindest in einem Punkt dürfte Erika Steinbach Recht behalten: "Sie werden sich hüten, mich noch einmal einzuladen." Da wollte dann auch Kurt Krömer nicht widersprechen.

Quelle: "youtube.com/RBB"