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Stefan Raab hört auf Jan Böhmermanns zweites Opfer

Jan Böhmermann uns seine Opfer
Jan Böhmermann uns seine Opfer: Erst gab Günther Jauch seinen Rücktritt bekannt, nun wirft Stefan Raab das Handtuch.
© Paul Zinken/DPA/Britta Pedersen/DPA/Marcus Brandt/DPA
Keine zwei Wochen nachdem Günther Jauch seinen Rücktritt als ARD-Talker bekanntgegeben hat, wirft auch Stefan Raab das Handtuch. Beide wurden von Jan Böhmermann veralbert. Zufall?

Wann genau in Stefan Raab der Entschluss reifte, sich aus dem Fernsehgeschäft zurückzuziehen, wissen wir nicht. Möglicherweise war es am Abend des 27. März 2014, als ihm dämmerte, seine Zeit könne abgelaufen sein. Als ihm bewusst wurde, dass da eine neue Generation von Fernsehmachern nachgewachsen war, schneller, bissiger und technisch versierter als er. 

An diesem Abend führte Jan Böhmermann in seiner Sendung "Neo Magazin" genüsslich vor, wie er Stefan Raab genarrt hatte. Es waren vor allem junge Menschen, früher die Basis von Stefan Raabs Erfolg,  die sich darüber beömmelten, wie der Fernsehgott der 90er und Nullerjahre dem öffentlichen Gespött preisgegeben wurde. 

Böhmermann narrt Raab
Mit diesem Video narrte Jan Böhmermann Stefan Raab
© Screenshot

Böhmermann hatte mit seinem Team eine Fake-Version von Raabs Show "Blamieren oder Kassieren" produziert - und das Video an die "TV Total"-Redaktion geschickt. Es sollte so aussehen, als hätte das chinesische Fernsehen das Konzept eins zu eins abgekupfert. Das Fake war nicht einmal besonders gelungen - der asiatisch aussehende Moderator sprach ein Fantasie-Chinesisch - mithilfe eines einzigen Sprachverständigen hätte Raab den Schwindel enttarnen können. Doch der Moderator ging der Täuschung auf den Leim - und führte das Video in einer seiner nächsten Sendung den Zuschauern vor - halb empört, halb stolz - dass es sein Showformat bis ins Land der aufgehenden Sonne geschafft hat. 

Raab-Dämmerung

Doch es war eher ein Fanal für die einsetzende Raab-Dämmerung. Seine Moderationen in "TV Total" wirkten schon seit längerem lust- und lieblos heruntergerattert. Als ihm nun Böhmermann den Fehdehandschuh hingeworfen hatte, rechnete man dennoch mit einer Antwort, einem Gegenschlag Raabs. Denn der Tausendsassa  ist für seinen Sportsgeist und vor allem brennenden Ehrgeiz bekannt. Diese Schmach würde er nicht auf sich sitzen lassen - darüber waren sich alle einig. Doch dann geschah: nichts. Spätestens da muss jedem klar gewesen sein, dass Raabs innere Energiequelle erloschen sein muss.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass dies bereits der zweite Rücktritt innerhalb von zwei Wochen ist, den man mit Böhmermann in Verbindung bringen kann. Denn auch beim angekündigten Rückzug von Günther Jauch ist der 34-jährige Bremer irgendwie mit involviert. Es gelang ihm mit seinem Varoufake-Video, zumindest für einen halben Tag die Glaubwürdigkeit von Jauch als Polittalker zu untergraben. Böhmermann weckte bei vielen Menschen Zweifel an der Echtheit des Videos, in dem der griechische Finanzminister den Stinkefinger zeigt. 

Genau das hatte Jauch in seiner Talkshow Varoufakis genüsslich unter die Nase gerieben. Als jeder mitbekommen hatte, dass es sich bei dem Böhmermann-Video um ein Fake-Fake handelte, forderte Jauchs Redaktion noch immer "Beweise" - damit sah der ARD-Talker einmal mehr alt aus. Ob Jauch das selbst so gesehen hat? Jedenfalls zog er eine ähnliche Konsequenz wie Raab - und zieht sich zumindest aus Bereichen des Fernsehens zurück.

Und Jan Böhmermann? Der befindet sich aktuell in der Sommerpause und kann entspannt verfolgen, was er mit seinen Beiträgen angerichtet hat.

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