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Erika Steinbach verlässt die CDU: Am Rechten Rand der Konservativen

Erika Steinbach war immer für eine skandalöse Äußerung gut - und deshalb umstritten, nicht zuletzt in ihrer eigenen Partei. Jetzt verlässt die die CDU. Längst steht die Bundestagsabgeordnete rechts neben der Union.

Erika Steinbach an der Tür

Die Vertriebene: Präsidentin und Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach verlässt die CDU

Die Frankfurter Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach hat stets polarisiert. In ihrer Noch-Partei CDU stand sie am äußersten rechten Rand. Nun tritt sie aus - aus Protest gegen die aus ihrer Sicht zu liberale Politik der Partei. Ob das ihr Abschied aus der Politik ist oder ob sie andere Pläne hat, bleibt eine spannende Frage.

1943 im heutigen Polen geboren, wuchs Steinbach zunächst in Schleswig-Holstein und dann im hessischen Hanau auf. Seit 1990 sitzt sie mit einem Direktmandat für ihren Frankfurter Wahlkreis im Deutschen Bundestag. Von 1998 bis 2014 war sie Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV). Für viele war und ist sie ein rotes Tuch, vor allem in Polen.

Erika Steinbach war umstritten in der CDU

Wiederholt löste Steinbach Protest beim europäischen Nachbarn aus, unter anderem, weil sie sich vehement für ein "Zentrum gegen Vertreibungen" in Berlin einsetzte. Im Bundestag stimmte sie gegen die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als Grenze zu Polen. Für ein polnisches Magazin war die Serie der Affronts Grund genug, Steinbach auf die Titelseite zu bringen: als Domina in SS-Uniform, die dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder auf der Nase herumtanzt.


Aber auch in Deutschland hat die 73-Jährige viele gegen sich aufgebracht, selbst in ihrer eigenen Partei. Doch als sie aufgefordert wurde, als Sprecherin für Menschenrechte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zurückzutreten, konterte sie: "Ich bin fest verankert in der Fraktion." Das gehört nun der Vergangenheit an.

Auch auf Twitter provoziert Erika Steinbach gern

Die Informatikerin nutzt intensiv Twitter, um ihre pointierte Meinung kund zu tun. Oft lösten ihre Tweets Entrüstung aus, zum Beispiel, als sie 2016 die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung mit dem Verhalten einer Diktatur verglich. Proteste gab es auch, als sie ein Foto von einem blonden Kind umringt von dunkelhäutigen Menschen twitterte - Kommentar "Deutschland 2030".

"Meinungsfreiheit ist an etlichen deutschen Universitäten ein Fremdwort!", schrieb sie am Wochenende. Nur über ihre eigenen Rücktrittspläne schwieg sie sich im Kurznachrichtendienst zunächst aus. Die passionierte Geigerin und Ehefrau eines Dirigenten sitzt auch im ZDF-Verwaltungsrat.

Ob Steinbach mit der AfD liebäugelt? Aktuell wolle sie einen Wechsel nicht vollziehen, sagte sie der "Welt am Sonntag". Sie hoffe aber, dass die AfD in den Bundestag einziehe, damit es dort endlich wieder eine Opposition gebe. Die stellvertretende AfD-Bundessprecherin Beatrix von Storch lud Steinbach postwendend via Twitter ein: "Liebe Frau Steinbach, konservative Ex-CDU'ler sind in der AfD immer herzlich willkommen." 

jen / DPA